Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Bad Oldesloer Innenstadt: Die nächsten Läden machen dicht
Lokales Stormarn Bad Oldesloer Innenstadt: Die nächsten Läden machen dicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:59 16.12.2015
Marco Pracejus gibt nach zehn Jahren Mr. Happy‘s auf.

Dieses Weihnachtsgeschäft wird für manche Bad Oldesloer Geschäfte das letzte sein. Auf der Hude kleben große Prozentzeichen an den Schaufenstern von Mr. Happy‘s. „Räumungsverkauf — 20 Prozent auf alles!“ Der beliebte Bastel-, Geschenk- und Wohnshop wird dicht gemacht. Beste Lage, zehnjährige Tradition — hier bekommen die Oldesloer Bastelpapier, Geschenkbänder, Klebstoff, Stifte, Wolle, Kerzen, Windlichter, Buddhaköpfe, fast alles. Trotzdem gibt Marco Pracejus seinen Laden auf. „Pleite sind wir nicht. Aber meine Eltern gehen in Rente, außerdem lohnte es sich im letzten Jahr nicht mehr so“, sagt der 43-Jährige, der sein Geld im Großhandel verdient. In den ersten Jahren hätten sie mit Mr. Happy‘s eine tolle Resonanz gehabt. Aber inzwischen sei die Frequenz in der Stadt weniger geworden, hat der Geschäftsmann festgestellt.

Auch in der Besttorstraße stirbt ein Geschäft: Rosalia Jacome gibt zum Jahresende ihre Modeboutique Paparazzi auf. Schuhe, Abendkleider, Handtaschen, Gürtel, Schmuck, Strickwaren, Jeans und Kinderkleider gehören zu ihrem Portfolio. „Wir haben eine tolle Auswahl, vieles wird für uns in Italien und Paris angefertigt. Aber seitdem C&A in der Stadt ist, ist das Geschäft für uns schwer geworden. Mit deren Aktionen können wir einfach nicht mithalten“, so die Hamburgerin.

Als ihre Umsätze vor zwei Jahren einbrachen, hätte sie versucht, eine preisgünstigere Miete auszuhandeln, aber das sei nicht möglich gewesen. „1160 Euro zahle ich für 94 Quadratmeter — das lässt sich in Oldesloe nicht erwirtschaften. Deshalb höre ich zum 31. Dezember auf“, sagt Jacome. Aber sie sei auch traurig über diese Entwicklung. „Die Oldesloer sind so nette Leute, und hier wird nicht geklaut. Aber ich sehe einfach keine Zukunft für mich hier.“

Sybille Fischbach, zuständig für die Verwaltung der Paparazzi-Immobilie und Tochter der Eigentümerin, teilt mit, dass ihre Mutter inzwischen bereit sei, die Miete für die Geschäftsräume zu reduzieren. „Wir gehen 200 Euro runter, denn 2017 wird die Straße aufgerissen, dann wird es noch schwerer zu vermieten. Und Leerstand ist nicht gut.“ Mit der Reduzierung liege man bei etwas über sieben Euro pro Quadratmeter, das sei günstig für Oldesloe und für den Zustand der Räumlichkeiten. „Der Laden ist nämlich gut in Schuss.“ Als Nachmieter wünscht sich Fischbach nordische Mode, nordische Wohn- und Geschenkartikel. „Oder ein richtig gutes Schuhgeschäft. Denn billig, billig, billig — davon haben wir in Oldesloe wirklich genug. Es gibt ja Leute in der Stadt, die schöne Sachen einkaufen. Aber warum sollen die immer nach Segeberg, Ahrensburg oder Hamburg fahren?“

Rosalia Jacome kritisiert vor allem die Politik der Stadt. „In der Innenstadt sind einfach zu viele Baustellen, und die Parkplatzgebühren sind ein Problem. Zudem darf ich nur einen Kleiderständer draußen aufstellen, und dafür muss ich auch noch 30 Euro an die Stadt zahlen. In Hamburg kostet das nichts.“ Auch für verkaufsoffene Sonntage müsse sie in Oldesloe extra zahlen.

„Die Parkplatzgebühren müssen nicht nur gesenkt, sondern sie müssen komplett abgeschafft werden“, fordert Marco Pracejus. „Ich habe der Stadt schon lange gesagt, es ist fünf nach zwölf. Wir gehen jetzt raus — das ist die Konsequenz.“ Das sei zwar nicht nur der Parkplatzpolitik geschuldet, aber diese sei auch mit eine Ursache für seine Ladenschließung. „Und wenn man in die Zukunft denkt: Die Post wird abgerissen, und da kommt ein Einkaufszentrum hin. Das wird der Innenstadt mit Sicherheit nicht helfen“, ist Pracejus überzeugt.

Bis Mitte Februar soll Mr. Happy‘s noch geöffnet haben. „Ich kann die Oldesloer beruhigen — ihr Feuerwerk bekommen sie dieses Jahr noch bei uns.“ Ihm und seinen Eltern falle die Schließung nicht leicht. „Ich habe lange überlegt und auch mit Oldesloern gesprochen, was man mit den Räumlichkeiten machen könnte.“ Aber keiner hätte eine zündende Idee gehabt. „Hier muss man am Tag schon 400 Euro umsetzen, bevor man das Personal, die Miete und die hohen Nebenkosten, die entstehen, weil die Tür immer auf steht, raus hat“, weiß der Pracejus. Einen lukrativen Geschäftzweig zu finden, der so viel abwerfe, sei eben nicht leicht.

„Parkplatzgebühren müssen abgeschafft werden.“
Marco Pracejus,
Geschäftsmann

Britta Matzen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stimmung ist gut in Süddeutschland, bei der WOB Immobilien GmbH in der Nähe von München.

16.12.2015

Das Oldesloer Mehrgenerationenhaus Oase will damit die Wohnungssuche von Flüchtlingen erleichtern.

15.12.2015
Stormarn Lübeck/Reinfeld - Camfil spendet 5000 Euro

Luftfilter-Hersteller unterstützt Kindermedizin am UKSH in Lübeck.

14.12.2015
Anzeige