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Stormarn Bad Oldesloes Ehrenbürger wird 90
Lokales Stormarn Bad Oldesloes Ehrenbürger wird 90
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22:17 22.04.2017
Eine Klasse der Königin-Luise-Schule, der Oldesloer Mittelschule, im Jahr 1965 auf dem zugefrorenen Poggensee. FOTOS/REPROS: SUSANNA FOFANA

Walter Busch kommt aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus, wenn er durch die Kreisstadt geht. Tausende Oldesloer hat er in Schule oder Sport begleitet. Dienstag wird der Ehrenbürger der Stadt 90 Jahre alt.

Vier Jahrzehnte prägte Walter Busch als Lehrer und VfL-Vorsitzender die Stadt.

Mehr als die Hälfte davon hat er an Oldesloes Schulen verbracht: erst die eigene Schulzeit, dann 40 Jahre als Lehrer, davon zehn als Rektor. Die Lebensrettung eines Schülers war „mein aufregendstes Erlebnis“, sagt Busch. Das war im Winter 1973/74 beim Eishockey-Spiel auf dem Poggensee. „Der Junge lief hinter dem Puck her und verschwand im eiskalten Wasser.“ Busch legte sich aufs Eis und zog den Schüler mit Hilfe des Hockeyschlägers wieder aus dem Wasser. „Er wäre ertrunken.“

So aufregend waren die Schulzeiten nicht immer. Als der in Neumünster geborene Busch im März 1933 an der Stadtschule im Gebäude der jetzigen Bücherei in der Königsstraße eingeschult wurde, ging es auf Oldesloes Volksschule beschaulich zu. „Pro Jahrgang gab es an der Grundschule eine Jungs-, eine Mädchen- und eine gemischte Klasse“, erinnert sich Busch. Ende des achten Schuljahres, mit 14, 15 Jahren, gingen die Jungen in der Regel in die Lehre. „Ich hatte das Glück, dass ich einen Freiplatz für die Oberschule bekam. Sonst hätte ich nie Abitur gemacht und das ganze Leben wäre anders gelaufen.“ Am Gymnasium gab es zu der Zeit eine einzige Jungenklasse pro Jahrgang. „Meine Lieblingsfächer waren Deutsch und Latein. 1947 habe ich das große Latinum gemacht.“

Zwei Jahre gab es eine kriegsbedingte Schulpause: „Die ganze Klasse ist am 21. September 1943 zur Marine-Flak gekommen.“ In seiner Kompanie war auch Gerhard Stoltenberg. Der spätere Politiker lernte ansonsten am Oldesloer Gymnasium zwei Jahrgänge unter Busch.

Es sei ein Wunder, dass die Oberschule beim Bombenangriff auf Bad Oldesloe am 24. April 1945 heil blieb. Eine gegenüberliegende Bäckerei habe einen Volltreffer abbekommen. Im Gymnasium gingen durch die Druckwelle nur die Fenster kaputt. Busch zur Kriegszeit an der TMS: „Alle Klassenräume waren Lazarett. Auch die Turnhalle.“ Dort hätten Soldaten sich eine Feuerstelle eingerichtet – und auch Turngeräte verheizt. „Pferd und Bock wurden abgeledert, um Schuhe zu reparieren.“ Erst im Februar 1946 ging der Schulbetrieb wieder los.

„Mensch, werde doch Sportlehrer“, habe ihm ein Oldesloer eine Berufsidee gegeben. So studierte Busch Sport an der Uni Hamburg und besuchte danach die Pädagogische Hochschule Kiel. „Im April 1952 kam ich nach Bad Oldesloe an die Stadtschule als sogenannter außerplanmäßiger Lehrer.“ Mehr als 700 Schüler zählte die Stadtschule damals. Junglehrer Busch übernahm eine zweite Klasse mit 44 Jungen und Mädchen. Die Klasse, mit der er sich auch nach über 60 Jahren noch regelmäßig trifft – in diesem Jahr an Himmelfahrt.

„Bis 1964 bin ich an der Stadtschule gewesen.“ Für ein monatliches Junglehrergehalt von 236 Mark. Unterrichtet wurden alle Fächer: Rechnen, Deutsch, Heimatkunde, Musik, Sport, Religion, Zeichnen.

1947 wurde die Stadtschule in zwei Schulen geteilt, insgesamt gab es 1950 dort 1800 Schülerinnen und Schüler. Busch: „Wir haben Schichtunterricht gemacht.“ Die alte Turnhalle wurde im Winter vom Hausmeister mit Kanonenöfen geheizt. „Damit die Kinder nicht dagegenfielen, kamen Gitter davor.“ Erst als 1958 die Klaus-Groth-Schule bezogen wurde, entspannte sich die Raumsituation an der Stadtschule.

Wenn Busch sich an seine erste eigene Klasse erinnert, fällt ihm sofort eine Klassenreise vom Januar 1955 ein. „Ein Riesenklopper war, dass ich mit 38 Kindern alleine 14 Tage nach Malente gefahren bin.“ Da warme Duschen zu Hause Mangelware waren, besuchte Busch damals mit seiner Klasse sonnabends nach Unterrichtsschluss die Oldesloer Warmbadeanstalt.

Als er 1964 an die Königin-Luise-Schule wechselte, herrschte auch dort Raumenge. Ein ganzer Jahrgang wurde in die Kurpark-Baracken ausgelagert. Lehrer und Schüler störte dies nicht: „Wir fanden es wunderschön dort.“1972 wurde die Buxtehude-Schule gebaut (heute Ida-Ehre-Schule), 1979 Busch mit dem Aufbau einer zweiten Realschule beauftragt.

Auf die Frage, was er eigentlich nicht gemacht hat in seinem Leben, weiß er keine Antwort. Erinnerungen an sein Schul- und Sportleben füllen fein sortiert viele Regale in seinem Haus im Grünen, das für ihn „mein Paradies“ ist. In dem er täglich Akkordeon spielt oder einen Blick in seine Alben mit eigenen Natur-, Reise- oder Enkelfotos wirft. Eines jedoch ist ihm klar in Richtung Ehefrau Monika:

„Ohne ihr Verständnis hätte ich das alles nicht machen können.“

Immer der volle Einsatz

Walter Busch war 40 Jahre lang Lehrer in Bad Oldesloe und 40 Jahre im Ausschuss für das Kindervogelschießen. 36 Jahre lang leitete er als 1. Vorsitzender die Geschicke des VfL Oldesloe. Er initiierte unter anderem die Kontakte nach Israel 1980 und war bei der Neugründung der DLRG dabei.

Walter Busch gehörte dem Kuratorium Orgel an, betreute das Mutter- Kind-Turnen von 1969 bis 1994.

Busch ist seit 1958 mit Ehefrau Monika verheiratet, er hat vier Kinder und fünf Enkel.

 Susanna Fofana

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