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Baggern in die Vergangenheit: Hier hausten die Germanen

Todendorf/Hammoor Baggern in die Vergangenheit: Hier hausten die Germanen

Ehe am Autobahnkreuz Bargteheide der neue Autohof gebaut wird, sind die Archäologen am Zug. Sie vermuten 2000 Jahre alte Funde aus der Germanen-Zeit im Boden. Erste Entdeckungen wie Scherben und Steinbeil belegen das Vorkommen eisenzeitlicher Siedlungen.

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Mit einem Bagger wird die Oberschicht des Bodens abgetragen, darunter vermutet der Archäologe germanische Spuren.

Quelle: Fotos: B. Albrod

Todendorf/Hammoor. Vor 2000 Jahren zur Zeit um Christi Geburt waren in Stormarn die Germanen zu Hause – heidnische Stämme, die zu den Ur-Sachsen gehörten und in der Eisenzeit hier siedelten. Zahlreiche Urnenfelder und Siedlungsspuren vor allem um Bargteheide und Todendorf herum belegen ihre Existenz im damaligen Gau Stormarn. Zu den bedeutendsten Gräberfeldern germanischer Zeit gehören die in Todendorf.

LN-Bild

Ehe am Autobahnkreuz Bargteheide der neue Autohof gebaut wird, sind die Archäologen am Zug. Sie vermuten 2000 Jahre alte Funde aus der Germanen-Zeit im Boden. Erste Entdeckungen wie Scherben und Steinbeil belegen das Vorkommen eisenzeitlicher Siedlungen.

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Autohof geplant

Im Gebiet von Hammoor ist auf einem Areal nordöstlich des Autobahnkreuzes ein Autohof mit autoaffinem Gewerbe geplant. Dadurch soll unter anderem die Parkplatzsituation für Lkw-Fahrer verbessert werden.

Todendorfer Töpfe sind zu einem Fachbegriff in der Archäologie geworden, und auf einem Feld bei Bargteheide wurde die einzige Skelettgräberstelle zur Zeit der Völkerwanderung in Schleswig-Holstein entdeckt. Deshalb ist in dieser Woche Steffen Haucke vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein mit seinem Team zu archäologischen Voruntersuchungen in Hammoor: Untersucht wird das Gelände, auf dem der neue Autohof gebaut werden soll.

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Ehe am Autobahnkreuz Bargteheide der neue Autohof gebaut wird, sind die Archäologen am Zug. Sie vermuten 2000 Jahre alte Funde aus der Germanen-Zeit im Boden. Erste Entdeckungen wie Scherben und Steinbeil belegen das Vorkommen eisenzeitlicher Siedlungen.

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„Bei so vielen Vorfunden liegt der Verdacht nahe, dass sich auch dort Gräber und Siedlungsreste aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit befinden könnten“, erklärt Haucke. „1958 sind schon beim Straßenbau an dieser Stelle Siedlungsspuren entdeckt worden, und gegenüber liegen die Gräber von Viehrögen.“ Da derzeit ein Flächennutzungsplan für den Autohof nebst Gewerbegebiet in Hammoor aufgestellt wird, wird nun gegraben. „Die Archäologen haben ein berechtigtes Interesse daran, das Gebiet zu untersuchen“, erklärt Jens Weich von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises, der sich am Mittwoch gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte in Stormarn ein Bild von den Arbeiten machte. „Untersucht wird nur bei begründetem Verdacht auf Funde.“

Dass die Grabung berechtigt ist, belegt schon ein Steinbeil, das am ersten Tag als Oberflächenfund geborgen werden konnte. „Wir vermuten, dass es hier Gräber und Siedlungsreste gibt“, erläutert der Archäologe. „Wir befinden uns am Rand einer Siedlung, die auf einer Erhöhung in der Nähe gelegen haben könnte. Wir haben bereits Hinweise auf zwei oder drei Brunnen oder Zisternen gefunden.“ Die sind von wissenschaftlichem Interesse, weil sich im Wasser der Brunnen auch organische Materialien wie Holz oder Knochen erhalten haben könnten. „Außerdem wurde in Brunnen viel hineingeworfen, auch später, um die Löcher wieder zu füllen“, so Haucke weiter. Möglich sei auch ein Fund weiterer Urnengräber.

Denn bei den Germanen war die Brandbestattung vorherrschend. Die Asche der Toten wurde zusammen mit Grabbeigaben, meist Schmuckstücken, in eine Urne aus Ton gefüllt und anschließend im Erdboden beigesetzt. Solche Gräberfelder können hunderte von Einzelgräbern umfassen, wie frühere Grabungen in Todendorf gezeigt haben. „1895 wurden bei Todendorf hunderte Urnen entdeckt“, so Hauke.

„Möglicherweise finden wir auch hier Gewandspangen oder andere Grabbeigaben.“ Ein paar Keramikscherben und Abschläge, die beim Fertigen von Steinwerkzeugen entstehen, sind bereits zutage gefördert worden. Dafür kommt ein Bagger zum Einsatz, der die Oberbodenschicht in regelmäßigen Suchstreifen abträgt.

Schwarzverfärbung im Boden

Der Oberboden sei durch die Landwirtschaft gestört, so dass dort keine verwendbaren Funde vorlägen, erläutert der Fachmann. „Darunter aber liegen Bodenschichten, die aufschlussreich sein können.

Die schwärzliche Verfärbung, zeigt Haucke, könnte ein Hinweis auf einen ehemaligen Brunnen sein, der unter anderem mit Holzkohle zugeschüttet wurde. An anderer Stelle wird eine bananenförmige Schwarzfärbung eher auf einen umgestürzten Baum zurückzuführen sein, der dort zerfallen ist.

Die Funde werden katalogisiert, und es wird eingetragen, an welcher Stelle sie sich befunden haben. „Wenn es beim Bau des Autohofs zu weiteren Funden kommt, müssen diese auch bei laufender Bautätigkeit gemeldet werden“, betont Jens Weich. Die Funde aus früheren Zeiten liegen teils in Schleswig im Museum, teils in Kiel und auch in Bad Oldesloe.

Wichtige Zuarbeiter für die Archäologen sind ehrenamtliche Helfer, die sich in Stormarn in der Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte zusammengeschlossen haben. Sie kontrollieren Fundstellen im Kreisgebiet, melden eigene Funde an das Archäologische Landesamt und bieten Vorträge und Exkursionen zu interessanten Themen der Vor- und Frühgeschichte an. In Stormarn ist Werner Siebenhaar Sprecher der Gemeinschaft.

Mehr Fotos gibt es unter www.ln-online.de/stormarn, mehr Infos www.vorgeschichte-stormarn.de.

 Bettina Albrod

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