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Stormarn Bahnhof Bad Oldesloe im Bombenhagel
Lokales Stormarn Bahnhof Bad Oldesloe im Bombenhagel
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18:16 26.04.2018
Schwerer Bombenangriff kurz vor Kriegsende: Zerstörte Waggons stehen auf dem Bahnhof von Bad Oldesloe. Quelle: Fotos: Ln-Archiv, Sandra Freundt
Bad Oldesloe

Im Gegensatz zu dem 24. April 1945, einem strahlenden Frühlingstag, war der Himmel in diesem Jahr bedeckt, leichter Nieselregen fiel. Vor dem Grab der 18 Diakonissinnen, die bei dem Luftangriff starben, findet eine Andacht statt. Vorab hatte Oldesloes Bürgerworthalter Rainer Fehrmann einen Kranz am großen Ehrenmal, dem von Ernst Kruetgen gespendeten Granitkreuz, niedergelegt.

Dienstag vor genau 78 Jahren: Britische Flugzeuge bombardieren Bad Oldesloe. 706 Menschen sterben. Zum Gedenken an diesen erschütternden Tag finden sich stets am 24. April Diakonissinnen und der Pastor und Rektor der Diakonie „Alten Eichen“, Dr. Torsten Schweda, zu einer Andacht auf dem Friedhof ein.

„Dieser Tag ist ein wichtiges Stück Zeitgeschichte für die Kreisstadt, deshalb arbeiten wir daran, ihn bekannter zu machen, so bedeutend wie den Volkstrauertag“, erklärt Fehrmann. Auch in den Schulen müsse man mehr an den Schrecken dieser Bombardierung nur wenige Tage vor Kriegsende erinnern.

Um die Erinnerung an ihre bei dem Angriff verstorbenen Mitschwestern nicht verblassen zu lassen, kommen die Diakonissen der Ev. Luth. Diakonissenanstalt „Alten Eichen“ sowie Dr. Torsten Schweda jährlich zu der Gedenkstätte. „Als unser Mutterhaus in Altona und unsere ,Filiale‘ in Stellingen im Juli 1943 zerbombt wurden, fanden unsere Schwestern in der ehemaligen Kinderheilanstalt in Bad Oldesloe nicht nur eine Notunterkunft, sondern eine neue Heimat“, beschreibt Pastor Schweda die damaligen Umstände.

Inzwischen waren die Gebäude zu einem Unfallkrankenhaus umfunktioniert worden, in dem die Diakonissinnen die Kriegsverwundeten pflegten. Tatsächlich gab es sogar Pläne, das „Alten Eichen“- Mutterhaus hierher zu verlegen. Der Luftangriff aber zerstörte diese Überlegungen und riss 18 Mitschwestern sowie einen Patienten und auch die Frau des damaligen Rektors, Pastor Dr. Adolf Stahl, in den Tod.

Besonders tragisch: Auch die zweijährige Tochter des Oberarztes Dr. Werner Tyrell überlebte den Angriff nicht. Sein Sohn Werner, der mit Ehefrau Ulrike ebenfalls der Andacht beiwohnte, erzählt:

„Meine Eltern suchten sie verzweifelt, doch erst sechs Wochen später fanden sie Elisabeth in den Armen einer Schwester verborgen tot in den Trümmern.“ Er selbst war zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht auf der Welt, doch war dies in seiner Kindheit immer wieder Thema.

Während seine Familie nach der Bombardierung in der Kreisstadt blieb, wurden die überlebenden Schwestern der Diakonissenanstalt in die Auguste-Viktoria-Stiftung nach Altona gebracht. Diese Einrichtung wurde übergangsweise zum Zentrum von „Alten Eichen“. Pastor Schweda (59) und Diakonissin Renate Buhr (88) haben zwei der Überlebenden des Angriffs, Schwester Luise Radke und Schwester Ella Grade, später noch kennengelernt. „Aber sie haben über den Angriff lange nicht gesprochen“, sagt Renate Buhr. Gemeinsam mit dem Rektor, Oberin Astrid Kapels sowie ihren Mitschwestern Ilse Hesse, Luise Keesenberg und Ursula Karsten lässt Renate Buhr es sich nicht nehmen, weiterhin zum Gedenktag des Bombenangriffs jedes Jahr am 24. April nach Bad Oldesloe zu kommen.

Der schwärzeste Tag in der Geschichte der Stadt

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Deutschland. Bad Oldesloe erlebte am 24. April 1945, also nur wenige Tage zuvor, den Schrecken dieses Krieges hautnah durch einen Bombenangriff der Alliierten. Schwerpunkt der Bombardierung waren das Bahnhofsgelände und umliegende Straßenzüge. Innerhalb weniger Minuten verloren 706 Menschen ihr Leben, ein Großteil von ihnen konnte nicht identifiziert werden. Die Suche nach Verschütteten dauerte monatelang, die letzten beiden Toten wurden erst im Oktober 1945 gefunden. Die Schwestern der Diakonissenanstalt, die im damaligen Unfallkrankenhaus der Kreisstadt den Angriff nicht überlebten, wurden gemeinsam auf dem Oldesloer Friedhof beigesetzt. Noch heute erinnern dort ein großer Gedenkstein sowie eine Tafel an die Toten und den schwärzesten Tag in der Geschichte der Stadt Bad Oldesloe. SF

SF

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