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Stormarn Stadt will Vorfälle in den Griff bekommen
Lokales Stormarn Stadt will Vorfälle in den Griff bekommen
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15:15 29.09.2018
Immer wieder Vandalismus am Bargteheider Schulzentrum. Quelle: ba
Bargteheide

Nach den jüngsten Vorfällen am Bargteheider Schulzentrum will Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht (parteilos) die angrenzenden Gemeinden mit ins Boot holen. „Bei den Vorfällen waren auch Leute aus anderen Kommunen beteiligt“, sagte sie jetzt im Hauptausschuss. „Deshalb sollten angrenzende Gemeinden wie Ahrensburg, Ammersbek, das Amt Bargteheide-Land und Bad Oldesloe eine Ausweitung der Straßensozialarbeit in Bargteheide mitfinanzieren.“ Sie trügen eine Mitverantwortung.

Anfang September hatte eine Feier mit Jugendlichen die Stadt in die Schlagzeilen gebracht, nachdem Rettungskräfte bei einem Einsatz mit Flaschen beworfen worden waren. Sie konnten erst unter Polizeischutz weiter Hilfe leisten. Von 117 jungen Leuten waren die Personalien aufgenommen worden. Alkohol- und Drogenmissbrauch, wie sie auch da wieder festgestellt wurden, waren schon häufiger Thema in der Stadt. Das Schulzentrum wurde von der Polizei deshalb vor einem Jahr zum „gefährlichen Ort“ erklärt. Seit Längerem gibt es eine Arbeitsgruppe dazu, die sich regelmäßig trifft. „Hier kommen Jugendarbeitsteam, Polizei und Ordnungsamt zusammen“, sagte Kruse-Gobrecht, „der Kreis soll jetzt um die Politik erweitert werden.“

Insbesondere die Behinderung der Rettungskräfte hatte für Empörung gesorgt. „Bei einem Angriff auf den Rechtsstaat wird durchgegriffen“, betonte die Verwaltungschefin. Zwar kenne man das Bedürfnis der Jugend nach Grenzüberschreitung, aber solche Angriffe gingen nicht. Dirk Backen (FDP) gab zu bedenken, dass ein Angriff auf Rettungskräfte zu heftig sei, hier sei eine Grenze überschritten. Gerrit Kronenberg (SPD) sprach von einer neuen Form von Gewalt. „Es wird keine schnellen Lösungen geben“, warnte Birte Kruse-Gobrecht vor überzogenen Erwartungen. Der Arbeitskreis solle ein Maßnahmenpaket zu Prävention und Intervention entwickeln. „Ziel ist es, langfristig tragfähige Strukturen zu entwickeln.“ In die sollten die Schulen als Multiplikatoren eingebunden werden.

„Stadt muss Angebote machen“

Dr. Ruth Kastner (Bündnis90/Die Grünen) wies darauf hin, dass Jugendliche auch einen Treffpunkt brauchten. „Hier muss die Stadt Angebote machen.“ Der Bereich am Schulzentrum sei teils Schulgelände, teils öffentlicher Bereich. Hier müssten die rechtlichen Grundlagen beispielsweise für das Aufstellen von Schildern geschaffen werden, die auf ein Alkoholverbot hinwiesen. Geklärt werden muss auch, ob solche Schilder eine geeignete Maßnahme sind. Cornelia Harmuth (CDU) gab zu bedenken, dass Politik zwar eine Verantwortung habe, hier aber auch die Eltern und Schulen gefordert seien, wenn es um Wertevermittlung gehe.

Birte Kruse-Gobrecht setzt unter anderem auf eine Aufstockung der Straßensozialarbeit um 18 Stunden. Derzeit gibt es 20 Stunden Straßensozialarbeit in Bargteheide, von denen 15 Stunden die Stadt und fünf Stunden die „ToHus“-GmbH bezahlen. „Denkbar wäre eine Aufstockung auf eine volle Stelle“, so die Überlegung der Bürgermeisterin. Ihr dringender Appell sei es, dass sich die vier Nachbargemeinden an der Finanzierung der zusätzlichen 18 Stunden beteiligten. Bargteheide ist die einzige Stadt, die Straßensozialarbeit anbietet. Der Kreis habe bereits signalisiert, dass er nicht zuständig sei.

Bad Oldesloe lehnt

Finanzierung ab

Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke sieht keine Veranlassung, sich an der Finanzierung zu beteiligen. „Das Thema wurde schon einmal angesprochen, aber ich sehe das als Aufgabe der Stadt Bargteheide.“ Zwar sei es richtig, dass auch Jugendliche aus anderen Kommunen nach Bargteheide gingen, aber das gelte umgekehrt genauso für jede Stadt. „Da muss jede Kommune selber sehen, dass sie das Problem in den Griff bekommt.“ Auch Bernd Gundlach, Leitender Verwaltungsbeamter beim Amt Bargteheide-Land, erteilt dem Vorschlag eine Absage. „Grundsätzlich sehen wir solche Aufgaben eher als Aufgaben zentraler Orte an“, sagt Gundlach. „Schulen und zentrale Einrichtungen bringen die Aufgaben eines zentralen Ortes mit sich.“ Man sei aber immer offen für Gespräche.

Das sagen die Verwaltungen

Auch Ahrensburg wird sich finanziell nicht an einer Sozialarbeiterstelle für Bargteheide beteiligen. „Tatsächlich gibt es in allen Gemeinden eigene Brennpunkte, die ebenfalls nicht nur von Jugendlichen der jeweils eigenen Kommune, sondern auch von auswärtigen Jugendlichen der benachbarten Gemeinden aufgesucht werden“, erklärt Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach. Jede Gemeinde für sich kümmere sich um ihr eigenes Gebiet, wobei Ahrensburg auf präventive Maßnahmen setze, die durch die Stadtjugendpflege betreut und initiiert würden. „Eine Aufrechnung untereinander hat es bisher nicht gegeben und wird es aus Ahrensburger Sicht auch künftig nicht geben.“

Bettina Albrod

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