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Stormarn Bargteheider geben Hörspiel ihre Stimme
Lokales Stormarn Bargteheider geben Hörspiel ihre Stimme
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23:21 03.04.2014

„Töörööööööö.....“ hallt es durch die Kinderzimmer, aber nach Benjamin Blümchen herrscht da Stille. Das Genre Hörspiel gehört mit Eintritt ins Teenageralter zu den Stiefkindern der Medienlandschaft. Das will der NDR gemeinsam mit 100 Schulen im Sendegebiet ändern: Gestern war ein Radio-Team im Kopernikus-Gymnasium Bargteheide (KGB) zu Gast, um mit 19 Schülern der Klassen neun bis elf eine Szene des Hörspiels „Watchdog“ von Sabine Stein zum Thema Cybermobbing aufzunehmen.

„Hallo“, üben die Schüler am Mikrofon von Susanne Birkner und Alexander Gerhard vom NDR das Sprechen. „Hallo?“, „Hallo!“ Je nach Betonung bekommt das Wort eine andere Bedeutung, die nur übers Ohr wahrgenommen wird. Aber Hallo!, sollen die Schüler merken, Hörspiel ist ja viel interessanter als gedacht. „Jugendliche hören wenig Wortradio“, erläutert Redakteurin Susanne Birkner, „dabei gibt es auch da viele schöne Sachen.“

Heutzutage stehe das Bild im Vordergrund, aber bei einem Hörspiel entwickelt der Zuhörer eigene Bilder im Kopf. Damit die so aussehen, wie der Hörspielautor sich das gedacht hat, lernen die Schüler zunächst, wie man Betonung, Geräusche oder Musik einsetzt, um Stimmung und Spannung zu erzeugen. Die knarrende Tür, der Ruf des Käuzchens, Schritte — schon wird es spannend. Dazu kommen Flüstern, Säuseln, Zischen, Murmeln und alle die Facetten, die die Sprache zulässt.

Knapp 500 Schulen aus dem Norden haben sich beworben, auch Lehrerin Frauke Reich vom KGB, die Glück hatte und ausgelost wurde. „Das Thema Hörspiel wird als Unterrichtseinheit im Deutschunterricht eingebaut“, erklärt sie das pädagogische Konzept. „Das Genre hat es verdient, wiederbelebt zu werden.“ Aus „Tschick“, „Schweigeminute“ und „Watchdog“ haben die Schüler sich letzteres ausgesucht, weil es in ihrer Welt spielt. Ein Lehrer wird übers Internet gemobbt, eine Leiche kommt vor, dazu ein Schüler, der Stimmen von Aliens im Kopf hört. Auch das Hörspiel spielt im Kopf: „Wir wollen Schüler fürs Hören sensibilisieren“, erklärt Susanne Birkner das Projekt, das von der Stiftung Zuhören und den jeweiligen Kultus- und Bildungsministerien der Bundesländer unterstützt wird.

Eigentlich, erzählen Celine (16), Luisa (16) und Ann-Kristin (17), hören sie keine Hörspiele mehr. „Aber im Grunde sind die praktisch, weil man sie beispielsweise beim Autofahren hören kann“, meint Celine. „Es ist faszinierend, wie die Sprecher mit der Stimme umgehen“, finden Ann-Kristin und Luisa. Das ist die Basis des Hörspiels, und so begann die Hörspieleinheit mit einer Einführung in die Möglichkeiten, akustisch Wirkung zu erzielen, und mit dem Basiswissen zur Technik. „Vorher haben wir das Hörspiel im Unterrichtet behandelt und die Rollen für die Szene verteilt, die heute aufgenommen wird“, erklärt Frauke Reich. Das ist eine besonders spannende Szene, die in der Schule spielt und viereinhalb Minuten dauert. Im improvisierten Tonstudio lesen die Sprecher sich zunächst ein. Bei der Aufnahme ist dann absolute Stille angesagt. „Am Ende sehen die Schüler dann, wie die Szene in der Technik bearbeitet wird“, so Susanne Birkner.

• Das Ergebnis ist auf der Homepage des NDR unter www.ndr.de zu hören.

Bettina Albrod

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