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Bargteheider lebt Aussteiger-Traum

Bargteheide Bargteheider lebt Aussteiger-Traum

Weil er mit seiner beruflichen Situation unzufrieden war, hat der Bargteheider Manuel Korth seinen sicheren Job einfach an den Nagel gehängt. Jetzt reist er um die Welt und arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Alles, was er braucht, sind sein Laptop und Internet.

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Feierabend: Der gebürtige Bargteheider nutzt die Zeit, um am Strand von Mallorca zu relaxen.

Quelle: Fotos: Privat

Bargteheide. Einfach aussteigen und ein neues Leben anfangen. Viele Menschen träumen davon – Manuel Korth hat es in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit seiner spanischen Freundin Cristina wanderte er Neujahr 2015 nach Belgien aus. „Wir haben nach einem Land gesucht, wo wir beide komplett neu anfangen können“, erklärt der studierte Wirtschaftswissenschaftler. Das Pärchen hatte Glück und fand schnell gut bezahlte Jobs. Doch schon nach einem dreiviertel Jahr in einem großen Betrieb kam bei Manuel Korth Unzufriedenheit auf. „Mich langweilten die täglich gleichen Aufgaben, es gab kaum Abwechslung“, so der 30-Jährige. Auch ein Unternehmenswechsel brachte dem Account-Analyst nur kurzfristig neuen Auftrieb: „Ich fühlte mich nur wie ein kleines Rädchen in einem großen System“, erinnert sich der gebürtige Bargteheider. „Ich als Mensch war gar nicht so wichtig.“ Die unflexiblen Arbeitszeiten störten ihn ebenfalls. „Es zählte ja nicht, ob die Stunden überhaupt produktiv genutzt werden konnten, Hauptsache, man war da.“ Irgendwie kam in diesem starren System einfach vieles zu kurz – vor allem seine große Leidenschaft für das Reisen.

LN-Bild

Weil er mit seiner beruflichen Situation unzufrieden war, hat der Bargteheider Manuel Korth seinen sicheren Job einfach an den Nagel gehängt. Jetzt reist er um die Welt und arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Alles, was er braucht, sind sein Laptop und Internet.

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In dieser Zeit reifte in Manuel Korth ein Entschluss: Er wollte seinen gut bezahlten Job hinschmeißen und dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Kein einfacher Schritt für den sicherheitsbewussten Wirtschaftswissenschaftler. Immer wieder gab es diese zweifelnde Stimme in seinem Kopf, die alles hinterfragte. Was passiert, wenn kein Geld reinkommt? Wie sieht es überhaupt rechtlich aus? „Ich habe gelernt, dass man nicht problem-, sondern lösungsorientiert denken muss. Für alles gibt es eine Antwort, man muss sie nur suchen“, so Korth. Diesen Rat gibt er auch anderen, die mit dem Ausstieg aus einem geregelten Arbeitsalltag spielen. Diesen August wagte der 30-Jährige dann den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet seitdem online als virtueller Assistent und Berater für Unternehmen.

Zu seinem Aufgabenfeld gehören beispielsweise Marktanalysen und Investorenrecherche.

Kein Cocktail am Strand

„Das beste daran ist, dass ich nicht mehr ins Büro muss, ich kann von überall arbeiten“, erzählt Manuel Korth im Gespräch per Skype aus Spanien Einzige Voraussetzungen sind sein Laptop und ein Internetanschluss. Seitdem war er schon aus Brüssel, Deutschland, Österreich, Mallorca und Alicante für verschiedene Unternehmen tätig. Das Klischee vom Aussteiger, der bei ein paar Cocktails am Strand arbeitet, trifft nicht zu. „Da blendet die Sonne viel zu sehr“, schmunzelt Korth. „Ich brauche schon einen richtigen Arbeitsplatz.“ Die schönen Orte, die er bereist, genießt der 30-Jährige erst nach Feierabend – dann aber in vollen Zügen. Manuel Korth liebt es, in fremden Ländern neue Dinge und Menschen kennenzulernen.

Wenn es dem virtuellen Assistenten ohne Kollegen zu einsam wird, verabredet er sich einfach zum sogenannten Hoffice. Das Prinzip ist einfach erklärt: Ein Organisator lädt andere Menschen zu sich nach Hause ein, um zusammen zu arbeiten. Jeder legt individuell sein Ziel für den Tag fest. In den Pausen tauscht man sich aus, manchmal stehen auch Meditationsübungen oder gemeinsame Spaziergänge auf dem Programm. Entwickelt wurde das Coworkingmodell in Schweden. „Das ist immer eine total produktive und soziale Umgebung“, schwärmt der Auswanderer. „Kein Vergleich zu früher.“

Auch wenn seine Einnahmen noch nicht mit seinem bisherigen Einkommen mithalten können, ist Manuel Korth jetzt glücklicher: „Heute schaffe ich es in einer Stunde viel effektiver zu arbeiten. Ich bin außerdem viel motivierter.“ Selbst im Urlaub juckt es dem Berater nun manchmal in den Fingern und er greift zum Laptop, um noch ein paar Stunden an seinen Projekten zu werkeln.

Wohnung gekündigt

Seine Freundin Cristina hat sich von dem ungewöhnlichen Lebensmodell auch schon anstecken lassen. Die 26-jährige Spanierin hat ihren Job als Key-Account-Koordinatorin an den Nagel gehängt. Die gemeinsame Wohnung, letzter Anker an ein geregeltes Leben, ist gekündigt. Im Januar reisen die Zwei erst nach Wales und dann nach England. Insgesamt acht Wochen werden sie dort als „Housesitter“

verbringen. „Wir leben dann kostenfrei in Häusern von Menschen, die verreist sind, und passen auf deren Haustiere auf“, erklärt der 30-Jährige. Nebenbei lernen die Aussteiger Land und Leute fernab der beliebten Tourismusziele kennen. Für die Zukunft hat sich das Paar ein besonderes Ziel gesetzt. Gemeinsam tüfteln beide an einem Podcast auf ihrer Webseite www.horizontstrasse.net.

Dort berichten sie von ihrem Leben als Aussteiger und wollen auch anderen Menschen Mut machen, sich für ein unkonventionelles Leben zu entscheiden. Obwohl der virtuelle Assistent schon viele Orte gesehen hat, zieht es ihn immer wieder zurück zu seinen Wurzeln in Schleswig-Holstein: „Egal, wohin ich reise, Bargteheide wird immer meine Heimat bleiben.“

Von Anika Helm

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