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Bauer in Stormarn — Job mit Zukunft?

Schlamersdorf Bauer in Stormarn — Job mit Zukunft?

Der Schlamersdorfer Marcus Babbe berichtet über seine Erfahrungen und Pläne als studierter Landwirt.

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Neugierig wird Marcus Babbe von seinen Schweinen umringt. Er bewirtschaftet einen Teil des elterlichen Betriebs in Schlamersdorf.

Quelle: Fotos: Dvd

Schlamersdorf. „Willst Du wirklich Bauer werden?“ Diese Frage bekam Marcus Babbe oft zu hören — nach dem Abi, während des Studiums und als er sein Diplom schon in der Tasche hatte.

„Als Halter bin ich verpflichtet, den Werdegang jedes einzelnen Tiers lückenlos zu dokumentieren.“

„Was wir brauchen, ist auch ein stabiler politischer Kurs. Ständig ändern sich die Vorschriften.“

Der junge Schlamersdorfer ließ sich aber von den Zweiflern nicht beirren. „Nach der Schule stand für mich fest, dass ich Landwirt werde wie mein Vater“, sagt er und blickt stolz zum neuen Stallgebäude, das vor drei Jahren fertig wurde und Platz für 900 Mastschweine bietet.

Mit seinen 27 Jahren ist Babbe der Benjamin unter den alteingesessenen Bauern in Stormarn. Seine Geschichte ist zugleich ein Paradebeispiel für eine gelungene Generationenfolge. Da sein Vater mit 58 Jahren noch nicht ans Aufhören denkt, teilten die beiden den Betrieb, so dass auch Babbe junior seinen Part ganz eigenverantwortlich bewirtschaften kann.

„Ich wachse langsam in die neue Position hinein“, sagt der junge Landwirt. Mit der Aufzucht der Tiere, ihrer Fütterung und Pflege ist er von Kindesbeinen an bestens vertraut. Gewöhnen muss er sich vielmehr an den unternehmerischen Part, an Buchhaltung, Dokumentation und „anderen Schreibkram“, der nach seinen Erfahrungen immer mehr Zeit einnimmt. Hinzu kommen neue strategische Entscheidungen.

Denn die Fleischpreise dümpeln derzeit im Keller.

Da die auf dem Weltmarkt erzielten Erlöse gerade einmal die Kosten der Mast abdecken, hält Babbe Ausschau nach neuen Wegen der Vermarktung. Einen hofft er, mit dem Gutfleischprogramm der Handelskette Edeka gefunden zu haben. Als Kooperationspartner kann er so drei Cent mehr pro Kilogramm Fleisch bekommen. Entsprechend hoch sind aber auch die Anforderungen an die Qualität. Die Haltebedingungen sind genau vorgeschrieben, so dass der Verbraucher nachvollziehen kann, wie das Schwein großgezogen wurde, dessen Kotelett gerade in der Pfanne bruzzelt. „Qualität und Sicherheit“ (QS) heißt das Siegel, das Babbes Tiere tragen dürfen, wenn er die Standards einhält.

Das wiederum setzt absolute Transparenz voraus. „Als Halter bin ich verpflichtet, den Werdegang jedes Tiers lückenlos zu dokumentieren und genau nachzuweisen, welche Behandlung es wann erfahren hat, wie oft der Stall zu welchen Uhrzeiten gereinigt und desinfiziert wurde. Das Gleiche gilt für den Zustand der Futtersilos“ , erzählt Babbe. Überprüft wird das Ganze von einer Vermarktungsgesellschaft. Wer gegen die Auflagen verstößt, geht leer aus. Das sieht der Jungbauer ein. Ungerecht findet er aber, dass es bei Einhaltung der Kriterien keine Abnahmegarantie gibt.

„Ausgewählt werden nur die besten Teile vom Tier. Ist ein Schwein nicht mager genug, gibt‘s auch kein Geld“, ärgert sich der Bauer. Schließlich habe er den durch die exakte Dokumentation verursachten, höheren Arbeitsaufwand mit allen Tieren.

Babbe weiß aber, wie sehr Verbraucher inzwischen für eine artgerechte Tierhaltung sensibilisiert sind und auf Qualität und Herkunft des Fleischs achten. Noch stimmten aber die Rahmenbedingungen nicht. Die Produktion sei zu aufwändig, als dass Landwirte davon auf Dauer leben könnten. „Es hat schon viele Siegel für Qualitätsfleisch gegeben. Aber wenn es einen Euro teurer ist, zahlt das keiner“, sagt er. Besser sei es, die höheren Kosten auf alle Fleischprodukte umzulegen. Nur so lasse sich die Tierhaltung künftig verbessern. Von der Vorgabe, dass Schweineställe künftig mit Stroh eingestreut werden sollen, wie es derzeit auf Landesebene diskutiert wird, hält er indes wenig. „Das ist Bauernhofidylle, sieht romantisch aus, bringt aber mehr Probleme mit sich und verteuert unsere Produktion zum Nachteil gegenüber dem EU-Ausland“, erklärt Babbe.

Auch die neue Düngeverordnung, die 2017 eingeführt werden soll, und die derzeit diskutierte Steuer auf chemische Pflanzenschutzmittel erfüllt den Jungbauern mit Sorge. Da er Gerste, Roggen und Weizen als Futtermittel für seine Schweine anbaut, wäre auch er von einer solchen Abgabe betroffen. „20 Prozent vom Einkommen aus dem Ackerbau könnte man dann abschreiben. Nach meinen Informationen würden 20 Euro pro Wirkstoff und Produktionsjahr anfallen“, sagt Babbe. Doch nicht nur das. Schränke man die Behandlung der Flächen ein, entstünden Resistenzen. Gegen den Rapsglanzkäfer helfe schon nichts mehr. Und die Aussicht, dass neue Mittel auf den Markt kommen, sei ohnehin gering, da die Erforschung und Zulassung zu teuer sei.

„Was wir brauchen, ist auch ein stabiler politischer Kurs. Ständig ändern sich die gesetzlichen Vorschriften. Das macht es uns Landwirten nicht leicht, zu planen. Das Wetter ist unbeständig genug", sagt Babbe. Er wünscht sich, dass Entscheider in Kiel und Berlin mehr Praxisnähe an den Tag legen, sich von erfahrenen Bauern etwas sagen lassen und dies dann auch in die Gesetze einfließen lassen.

Auf die Frage, ob er den eigenen Betrieb für zukunftsfähig hält, hat Babbe eine pragmatische Antwort parat. „Wenn es sich nicht mehr rechnet, höre ich auf. Ich gebe mir drei Jahre. Es ist besser, die Reißleine zu ziehen, statt sich zu verschulden“, sagt er. Berufliche Alternativen gebe es schon. Als Landwirt könne er Berufsschullehrer werden oder eine Stelle im Landhandel annehmen. „Mein Vater steht zwar hinter mir, aber er wäre schon sehr enttäuscht, wenn ich sein Lebenswerk nicht weiterführe", räumt der Jungbauer ein.

Nächte Folge: Wohnen

Dorothea von Dahlen

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