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Stormarn Bauer sucht Netz
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19:38 05.12.2018
Auf Gut Frauenholz setzt man schon lange auf vernetzte Trecker. Die Ernte und die Bestellung der Felder werden per GPS gesteuert. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

„Hallo? Hallo?“ Schon wieder hat sich das Netz verabschiedet. Wer in Stormarn auf dem Land unterwegs ist, kennt das: kein Empfang. „Wir haben einen Brief geschrieben an unsere Bundestagsabgeordneten, damit wir im ländlichen Raum endlich mal aus dem Funkloch rauskommen. Letztendlich geht es uns darum, dass als Bezugsgröße nicht mehr die Bevölkerung, sondern die Fläche genommen werden soll. Es kann ja nicht sein, dass man immer auf den Balkon gehen muss, um Empfang zu haben“, sagt der Leiter des Amtes Nordstormarn, Stefan Wulf. Immer noch gebe es große Bereiche in der Region, wo nur wenige Menschen wohnten, in der die digitale Versorgung stiefmütterlich behandelt werde.

Stefan Wulf, Amtsleiter Nordstormarn, fordert eine Flächenabdeckung für den künftigen Mobilfunkstandard 5G. Quelle: Britta Matzen

„Immerhin ist es inzwischen so weit, dass man mit der Bahn und auf den Hauptverbindungsstrecken und den Autobahnen fahren kann und immer noch eine Funkverbindung hat. Aber die Dörfer und vor allen Dingen eine große Fläche sind nicht berücksichtigt“, so der Amtsleiter. Hier ende das Mobilfunknetz. Das sei nicht nur ärgerlich für den privaten Nutzer, sondern für die Landwirtschaft ein echtes Problem.

Landwirte sind abhängig vom Funknetz

„Die Landwirte richten sich immer mehr an mobilen Daten aus. Sie nutzen GPS, heute wird alles mit Computern bewerkstelligt. Die Landwirte sind abhängig vom Funknetz.“ Dem Amt Nordstormarn geht es jetzt um die Ausschreibung der 5G-Mobilfunk-Frequenzen, um Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. „Es geht um die Kriterien, nach denen 5G vergeben werden soll. Uns ist es sehr wichtig, dass man wegkommt von der Bezugsgröße Bevölkerung hin zur Bezugsgröße Fläche“, sagt Amtsleiter Stefan Wulf. Landwirte bräuchten 5G-Mobilfunk gerade in der Fläche, dafür müsse die Politik die richtigen Weichen stellen.

 

Was ist 5G?

5G ist der Nachfolger von LTE, die neue Generation im Mobilfunk. Was 5G leisten kann, steht noch nicht genau fest. Erwartet wird eine bis zu 100-mal höhere Datenrate als heutige LTE-Netze (also bis zu 10000 MBit/s) und eine rund 1000-fach höhere Kapazität. Ab 2020 soll das 5G-Netz in Deutschland verfügbar sein. Für diesen neuen Kommunikationsstandard werden zusätzliche Frequenzbänder benötigt. Die Bundesnetzagentur versteigert diese Anfang 2019.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte vor wenigen Tagen zum Mobilfunknetzausbau: „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“.

5G – gerade an jeder Milchkanne

Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Stormarn, kontert: „Gerade für die Landwirte ist es wichtig, dass wir einen zügigen Ausbau des mobilen Datennetzes haben. Wir können schließlich nicht die letzte Milchkanne mit Glasfaser erschließen.“ Bleibe also nur die neue 5G-Technologie, die man flächendeckend brauche.

Peter Koll, Geschäftsführer Kreisbauernverband Stormarn Quelle: ST

Der Bauernverband fordert konkret, dass der ländliche Raum bei der Infrastruktur nicht abgehängt werden darf. Heute arbeiteten viele Höfe hoch technisiert, schon allein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Koll:„Gerade in der Landwirtschaft haben wir eine rasant fortschreitende technische Entwicklung. Es wird sehr viel mit mobilen Daten gearbeitet.“

Mit dem Handy im Stall

Es gehe damit los, dass der Landwirt seine Betriebsdaten mit dem Smartphone verwalte. Anhand der Milchleistung werde das Futter für die Kuh zusammengestellt. „Jedes Kalb, das geboren wird, muss mit seiner Ohrmarke innerhalb von sieben Tagen bei der Tierdatenbank angemeldet werden. Das machen die Landwirte mit ihrem Handy aus dem Stall. Wenn ich da keinen Empfang habe, muss ich das vom Büro am PC erledigen – das kostet mehr Zeit und ist eine Fehlerquelle mehr.“ Auch die Düngung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln laufe mittlerweile häufig über mobile Daten. Natürlich checke der Landwirt auch die Preise für Getreide und Produktionsmittel mit seinem Smartphone.

Schlechtes Netz ist Wettbewerbsnachteil

Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes kritisiert die vielen Funklöcher in Stormarn. „Ein schnelles mobiles Netz ist gefragt, damit Daten sicher übertragen werden und zur Verfügung stehen.“ Schlechte Netzabdeckung sei schlichtweg ein Wettbewerbsnachteil.

Woanders in der Welt gebe es das Problem mit fehlenden Empfang nicht. „Wir sehen das ja, wenn die Skandinavier kommen oder selbst Landwirte aus Übersee – die haben überall Netz. Nur in Deutschland funktioniert es nicht. Das versteht keiner mehr“, so Koll. Fehlendes Netz kann aber auch dazu führen, dass der Nachwuchs wegbleibt. „Ich habe das mal erlebt, dass ein Auszubildender den Landwirt fragte, wie das Mobilfunknetz ist. Wo kein Netz ist, da wollte er nicht hin.“

Britta Matzen

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