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Stormarn Ein Besuch auf der E-Highway-Baustelle
Lokales Stormarn Ein Besuch auf der E-Highway-Baustelle
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16:29 23.11.2018
Mit einer Schlagramme wird das sechs Meter lange Rohr neben der A 1 in den Boden getrieben. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Reinfeld/Lübeck

Die Schlagramme bringt die A 1 zum Beben. Mit einem 200-Kilo-Kolben wird ein sechs Meter langes Stahlrohr in den Boden getrieben. Es nimmt später die Masten auf, die Hybrid-Lastwagen auf einer fünf Kilometer langen Teststrecke zwischen Lübeck und Reinfeld mit Oberleitungsstrom versorgen sollen. Der E-Highway soll im Juni in Betrieb genommen werden.

„Acht bis zehn Minuten dauert es, bis ein Rohr fast im Erdreich verschwunden ist“, erklärt Wolfgang Gräf, Bauleiter von SPL Powerlines, eine der größten europäischen Fahrleitungsfirmen. Sie hatte gemeinsam mit Siemens die europaweite Ausschreibung gewonnen. Die Rohre haben Durchmesser von 600 bis 700 Millimeter und dienen als Halterung für die Masten, an denen die Oberleitung befestigt wird. Die Metallstangen, die in Portugal gefertigt werden, werden mit Hilfe eines Mobilkrans aufgerichtet und in die vorbereiteten Fundamente gehoben. Dort werden sie zunächst korrekt ausgerichtet, bevor der Ringraum mit Splitt aufgeschüttet, verdichtet und mit Mörtel vergossen wird. In Fahrtrichtung Hamburg stehen die Masten bereits, jetzt ist die Gegenrichtung dran. „Bis Weihnachten sollen alle Masten gerichtet sein“, sagt Jan Bachmann vom Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel, das für Planung, Projektentwicklung und Bauüberwachung verantwortlich ist.

Bis zum Sommer wird ein Abschnitt der Autobahn 1 zwischen Lübeck und Reinfeld zur Teststrecke für Hybrid-Lkw ausgebaut. Als erstes werden Rohre gesetzt und Masten gerichtet, insgesamt 230 Stück. Im neuen Jahr soll die Oberleitung montiert werden.

Technik wird auch für Straßenbahnen verwendet

„Dann folgt der aufwendigste Teil – das Ziehen und Justieren der Fahrdrähte“, sagt Ingenieur Bachmann. Der Draht, der in etwa sieben Meter Höhe an Auslegern befestigt wird, soll unter Zug mit Hilfe von Lkw gesetzt werden. Die Oberleitungsinfrastruktur besteht aus sogenannten Gleichrichterunterwerken und einer zweipoligen Oberleitung, die über der Straße montiert ist. Eine Technik, die auch für Straßenbahnen angewandt wird – und nun für Lkw auf Fernstraßen weiterentwickelt worden ist.

Der E-Highway soll von Lastwagen genutzt werden, die mit einem Stromabnehmer ausgerüstet sind und mit Elektroantrieb fahren können. „Die Lkw haben einen Sensor, der die Oberleitung erkennt“, erläutert Bachmann. Der Fahrer müsse den Stromabnehmer dann nur noch per Knopfdruck hochfahren. So werden die Hybrid-Lkw auf der rechten Fahrspur mit Strom aus der Oberleitung versorgt.

Lkw mit Ökostrom

Vorgabe sei es, so Bachmann, dass ausschließlich Ökostrom verwendet werde. Zudem können auch Batterien aufgeladen werden, damit die Laster auch auf einem nicht-elektrifizierten Abschnitt weiter rein elektrisch fahren können. Im Rahmen des Feldversuches werden solche Fahrzeuge vom Bundesumweltministerium bereitgestellt. Vorgesehen ist, dass die Spedition Bode aus Reinfeld die Elektro-Autobahn im Pendelverkehr zum Lübecker Hafen nutzen wird.

Für das Klima

Um den Klimawandel zu bremsen, müssen die Treibhausgasemissionen gesenkt werden. Sie sollen nach dem Fahrplan der EU bis 2050 um mindestens 80 Prozent (gegenüber 1990) verringert werden. In Deutschland wird der Verkehrssektor für etwa 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich gemacht. Daher werden neue Lösungen gesucht und erprobt.

Der für den Feldversuch ausgewählte Streckenabschnitt befindet sich auf der A 1 zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Kreuz Lübeck. Diese Strecke wird täglich von etwa 8000 Lkw genutzt.

Bis Ende 2022 soll der Betrieb der Anlage wissenschaftlich begleitet werden. Ziel ist es, das Oberleitungssystem für Lastkraftwagen technisch, ökologisch, ökonomisch und unter Verkehrsgesichtspunkten zu bewerten, um Entscheidungsgrundlagen für einen möglichen Ausbau zu liefern.

Die Teststrecke ist Teil eines bundesweiten Pilotprojekts, das den elektrischen Antrieb von Lastwagen unter realen Verkehrsbedingungen erproben soll. Die Kosten von 19,1 Millionen Euro trägt der Bund. Schleswig-Holstein ist nach Hessen das zweite Bundesland, das eine Teststrecke für Elektro-Lastwagen erhält. Eine dritte Teststrecke wird in Baden-Württemberg geplant.

Julia Paulat

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