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Bei Minus 4 Grad: 50 Fahrgäste stecken nachts im Zug fest

Bad Oldesloe Bei Minus 4 Grad: 50 Fahrgäste stecken nachts im Zug fest

– Ein Zug der Nordbahn ist am späten Sonnabendabend wenige Meter hinter dem Bahnsteig des Oldesloer Bahnhofs liegen geblieben.

Bad Oldesloe. Grund dafür war ein Defekt an der Druckluftbremsanlage des Triebwagens. Der Triebwagen der Nordbahn mit der Nummer NBE 82208 verließ den Bahnhof Bad Oldesloe pünktlich um 22.42 Uhr in Richtung Neumünster. Doch nach 50 Metern war auf Höhe des Ausfahrsignals die Fahrt bereits zu Ende. Die mit Druckluft betriebene Bremsanlage hatte blockiert und ließ sich nicht mehr lösen. Im Zug befanden sich zu diesem Zeitpunkt 35 Fahrgäste, viele von Ihnen offenbar HSV-Anhänger, die auf dem Heimweg waren.

Der 28-jährige Lokführer, informierte eigenen Angaben zufolge, sofort per Funk das Oldesloer Stellwerk, seinen Fahrdienstleiter in Kaltenkirchen und das Stellwerk in Neumünster. Auch die Insassen des Zuges will der Lokführer kurz informiert haben. Er selbst versuchte dann noch, den Schaden zu beheben. Tipps dazu erhielt er per Handy von Werkstattmitarbeitern des AKN-Notdienstes.

Schließlich sollte der Gegenzug von Neumünster nach Bad Oldesloe, planmäßige Ankunft um 23.20 Uhr an den defekten Zug angekoppelt werden und diesen dann in Richtung Bahnhof schieben. Doch auch dieser Versuch misslang. Schlimmer noch, der zweite Zug rührte sich auch nicht mehr.

Nun endlich, um 23.30 Uhr erhielt die Leitstelle Südwind der Landespolizei in Lübeck von dem Vorfall Kenntnis. Die Beamten schickten fünf Streifenwagenbesatzungen und verständigten natürlich auch die für Bahnangelegenheiten zuständige Bundespolizei. Genau um 0.01 Uhr stand fest, dass die Bahnstrecke gesperrt bleiben würde. Doch die 35 Fahrgäste im havarierten Zug und die 15 Fahrgäste, die im Zug aus Neumünster saßen, durften nach wie vor den Zug nicht verlassen.

Zeitgleich mit der Sperrung der Bahnstrecke ordnete der Fahrdienstleiter in Kaltenkirchen die Evakuierung der beiden Züge an. Doch bis die Aktion startete, vergingen weitere 40 Minuten. Im Zug soll es teilweise zu tumultartigen Szenen gekommen sein. Matthias Menge, Sprecher der Bundespolizei in Kiel sagte: „Das ist wie auf der Autobahn im Stau - da besteht Lebensgefahr, wenn man aus dem Fahrzeug aussteigt."

Die Feuerwehr Bad Oldesloe, öffnete schließlich eine Tür im Metallzaun direkt neben dem Gleis, auf dem die beiden Züge standen und waren mit Leitern behilflich, als die Passagiere endlich um 00.40 Uhr die Züge verlassen durften. Einige nutzten die Tür im Zaun, um auf den dort gelegenen Parkplatz zu kommen, andere wurden die wenigen Meter zum Bahnhof zurück geleitet. Kräfte des DRK und des ASB hielten Heißgetränke und Decken bereit. Das Bahnhofsgebäude wurde inzwischen für die Fahrgäste geöffnet.

Mit Taxen und mit Bussen des ASB konnten die meisten Fahrgäste dann ihren Weg fortsetzen. „Die Bahnstrecke blieb bis 02.22 Uhr gesperrt“, sagte Nordbahn-Sprecher Jörg Minga am Sonntag. Minga war um Transparenz und Aufklärung des Sachverhalts bemüht.

Warum allerdings die Polizei erst eine dreiviertel Stunde nach dem Vorfall informiert wurde und warum trotz 35 betroffenener Personen im einen und 15 Personen im anderen Zug kein Alarm von der Rettungsleitstelle ausgelöst wurde, blieb am Sonntag unklar. Kreiswehrführer Gerd Riemann erfuhr von dem Ereignis erst am Sonntagmorgen aus dem Radio.

„Darüber wird zu reden sein“, sagte Stormarns oberster Brandschützer. Auch Landrat Klaus Plöger will sich die Einsatzberichte sehr genau ansehen. Schließlich wurde nach dem Vorfall am 16.Dezember 2010 in Tremsbüttel, als ein Regionalexpress der Deutschen Bahn bei klirrender Kälte liegen geblieben war und die Rettungskräfte erst nach Stunden informiert wurden, viele Gespräche geführt und Übungen abgehalten, um das Zusammenspiel Bahn, Feuerwehr und Rettungsdienst zu optimieren. Dabei ging es auch um Meldewege und –formen und zeitnahe Weitergabe solcher Schadensereignisse. jeb

LN

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