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Stormarn Beschlagnahmte Tiere wieder freigegeben
Lokales Stormarn Beschlagnahmte Tiere wieder freigegeben
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10:37 31.12.2015
Zweiter Weihnachtsfeiertag in Reinfeld: Eine Hundeführerin der Polizei trägt einen verstörten Hund zum Auto der Tierfreunde. Quelle: Fotos: Jeb
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Bad Oldesloe

 „Theoretisch“ könne die Tierfreundin alle Hunde, Katzen, Meerschweine zurückholen, wenn sie denn eine neue Bleibe hätten.

Haben sie aber nicht. Und die Behörden würden jetzt ein Auge auf die Zustände in der Pflegestation haben. Die umfunktionierte Wohnung war in einem desolaten Zustand. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatten Feuerwehrleute, Polizisten und Tierfreunde alle Bewohner vor dem Flammentod gerettet.

Als die Betreuerin nach Hause gekommen war, züngelten Flammen aus ihrer Küche. Sie ließ die verängstigten Kreaturen hinaus und griff zum Telefon. Die Vierbeiner irrten auf der Lübecker Chaussee umher. Die Straße musste gesperrt werden. 23 Hunde, sieben Katzen und acht Meerschweine kamen im Oldesloer Tierheim unter.

Doch bei aller Enge durch die neuen Gäste am Oldesloer Anna-Heitmann-Weg hätte sich Heike Reher, die Vorsitzende im Tierschutz Bad Oldesloe, eine „andere Entscheidung erhofft“. Eine strengere Prüfung der Zustände, wie die Frau mit ihren vor dem sicheren Tod in ausländischen Tiergefängnissen geretteten Gästen hauste. Die Helfer zeigten sich geschockt über den Unrat und den Geruch in der Brandwohnung.

Auf der Facebook-Seite von LN-Online entzündete sich eine emotionsgeladene Diskussion über die Gründe für das Bild, das die Pflegestation bot. Eine Anmerkung kam aus Griechenland. Anke Teloudis postete „jetzt mal als Auslandstierschützerin und Verantwortliche in einem kleinen Verein. Ja, es kann passieren, dass man vor lauter Tierliebe irgendwann die Kontrolle über die eigenen Möglichkeiten verliert . . .“ Es irritiere sie, „dass das Vet-Amt nicht viel früher eingeschritten ist“. Alle Hunde aus dem Ausland müssten doch mit einer Traces-Meldung, also mit Informationen aus einer Datenbank zum Tierverkehr innerhalb der Europäischen Union, versehen sein. Sie müssten also dem Veterinär-Amt bekannt sein. Und sie fragt: „Waren denn alle so blind?“

Tierschützerin Reher versteht die Beweggründe der Reinfelderin. Schließlich ergehe es Hunden in einigen osteuropäischen Ländern viel schlechter als vor selbst 60, 70 Jahren in Bad Oldesloe. Sie würden dort getreten und geschlagen, seien nichts wert. Bis 1954 seien Fundtiere zwar auch in Bad Oldesloe beim ehemaligen Schießstand hinter der Jugendherberge noch angekettet worden. „Wenn sie niemand innerhalb von acht Tagen abholte, wurden sie erschossen.“ Hunde bekamen immer nur Essensreste, und sie seien kaum in Wohnungen gehalten worden. „Aber alle konnten irgendwie ihr Dasein fristen.“ Doch wie die Reinfelder Hunderetterin das Überleben der Tiere aus dem Ausland gesichert habe, sei nicht hinnehmbar.

Genauso eine Übertreibung wie andere Hundehalter kastrierten Rüden etwa Porzellanhoden anhefteten, „damit sie natürlich aussehen“. Oder wie jetzt aus Amerika berichtet werde, dass Mitarbeiter eines Hotels drei Tage frei bekämen, wenn ihr Haustier verstorben sei. „Es hat alles seine Grenzen“, sagt Heike Reher.

Eine Rechnung könnte der Reinfelder Tierfreundin nach dem Feuer nun ebenfalls ins Haus flattern. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Uwe Krog

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