Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Betam-Schutt soll als Lärmschutz dienen
Lokales Stormarn Betam-Schutt soll als Lärmschutz dienen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:42 14.06.2016
Diese Betonbrocken gelten für den Lärmschutzwall als zu stark belastet. Sie können nur als Zuschlagstoff für den Straßenbau verwendet werden.
Zur Galerie
Doch nicht alle Hinterlassenschaften der insolventen Straßenbaufirma an der A 1 eignen sich für diesen Zweck.

Für zwei von ihnen bahnt sich jetzt offenbar eine Lösung an.

Ein Teil des Abraums kann nämlich verwendet werden, um eine Lärmschutzwand bei Willinghusen an der Anschlussstelle Barsbüttel zu errichten. „Wir können dort eine ordentliche Menge des Bodens einbauen und hoffen so, den Landwirten ein großes Stück weiterzuhelfen“, sagt Jens Sommerburg, Leiter der Lübecker Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr. Da sich dort ein Wasserschutzgebiet befinde, seien allerdings die Anforderungen an die Beschaffenheit der Böden sehr streng. Nur unbelastetes Material dürfe dort eingebaut werden, um Verunreinigungen zu vermeiden, erklärte Sommerburg.

Bauer Albert Stapelfeldt hatte zwei Jahre lang dafür gekämpft, dass er den Schutt auf seinen Flächen los wird. Zuletzt hatte sich der damals noch amtierende Landrat Klaus Plöger dafür stark gemacht, dass er und seine Kollegen nicht auf den Hinterlassenschaften der Baufirma sitzenbleiben müssen. Er hatte sogar vorgeschlagen, das Land könne auf den Flächen Lkw-Parkplätze anlegen. Doch das sei nicht praktikabel, hieß es.

Mit der jetzt angestrebten Lösung, die auch durch Plögers beharrlichen Einsatz zustande kam, ist Stapelfeldt vom Grundsatz er zufrieden. Er hofft allerdings, dass der Bau der Lärmschutzwand nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. „Denn bevor es losgeht, hat es keinen Sinn, mit anderen Arbeiten zu beginnen“, sagt er. Die Fläche müsse erst wieder eben sein, dann könne der zwischengelagerte Oberboden wieder aufgebracht und eine neue Drainage angelegt werden. Bis tatsächlich wieder Kulturen darauf wachsen, dauere es aber seine Zeit. Schließlich sei zwei Jahre nichts auf dem Acker passiert. Um ihn „wiederzubeleben“ müsse auch erst eine Gründüngung gesäht werden.

Weniger glimpflich geht die Sache indes für einen Bauern aus, der seine in Richtung Meddewade liegenden Flächen für den Betonbrechplatz an Betam verpachtet hatte. Da dort schweres Gerät zum Einsatz kam, musste der Boden mit einer meterdicken Betonschicht befestigt werden, die keine Verwendung beim Bau der Lärmschutzwand bei Barsbüttel findet. Das Aufbrechen des versiegelten Bodens gelingt nur mit einer Spezialmaschine, wie sie auch im Straßenbau eingesetzt wird und ist somit recht teuer. Der fertig zerkleinerte Beton eignet sich letztlich nur als Zuschlagstoff für den Tiefbau.

Deshalb steht der Landwirt nach eigenem Bekunden auch in Verhandlungen mit Straßenbauunternehmen, die ihm das Material abkaufen und möglichst rasch abtransportieren, damit er eines Tages seinen Boden wieder bewirtschaften kann. Die Kosten, die ihm das Aufbrechen des Betons bereitet, hofft er aus Bankbürgschaften, die für den Fall einer Insolvenz abgeschlossen wurden, erstattet zu bekommen. Der Insolvenzverwalter hat das Geld wohl freigegeben.

Pleiten, Pech und Pannen

Zur Erinnerung: Eine Pleite jagte die nächste auf dem 6,5 Kilometer langen Abschnitt der A1 zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe, der bereits 2013 saniert werden sollte. Als erste Firma erhielt die Alpine Bau GmbH den Zuschlag, ging aber fast auf den Tag genau vor drei Jahren in Insolvenz. Die Baustelle war damals über mehrere Wochen komplett eingerichtet. Außer Arbeiten am Mittelstreifen passierte aber nichts. Auf Druck der Spediteure wurde die Baustelle nach Bekanntwerden der Pleite wieder abgebaut.

Im Februar 2014 erhielt die Betam- Gruppe aus Bochum den Auftrag für das Projekt. Dieses Mal begannen die Arbeiten zunächst rasch, sie sollten sich dennoch verzögern. Heftiger Regen hatte im Dezember die Böschung an der A 1 heruntergerissen und die Kreisstraßen bei Benstaben und Meddewade blockiert. An der Travebrücke gegenüber dem Traverastplatz gab es sogar starke Unterspülungen, dass die Fahrbahn drohte, abzubrechen. Im Juli 2015 – die A 1 war bereits saniert – ging auch Betam pleite.

 Dorothea von Dahlen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige