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Stormarn Betrunkener Mann bedrohte Rettungskräfte
Lokales Stormarn Betrunkener Mann bedrohte Rettungskräfte
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21:39 04.04.2016
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Reinbek

 Ihnen wurde vorgeworfen, am Neujahrsmorgen 2015 zwei Rettungskräfte bedroht und beschimpft zu haben, die zu einem Einsatz in eine Wohnung gerufen worden waren. Das Verfahren war zuvor gegen eine Geldauflage eingestellt worden, die Angeklagte hatte aber Widerspruch erhoben.

„Sie sind uns immer dichter auf die Pelle gerückt.“Ein Rettungssanitäter als Zeuge

„Der Rettungswagen war gerufen worden, um einem Kind zu helfen, das zu viel Alkohol konsumiert hatte“, erklärte der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift. Dabei handelte es sich um die 13-jährige Schwester der Angeklagten. Als die Retter in die Wohnung gekommen seien, habe ein stark alkoholisierter Mann sich aggressiv verhalten, die Fäuste geballt und die Helfer übel beschimpft. Daraufhin hätten sich die Sanitäter bedroht gefühlt und in den Rettungswagen zurückgezogen, um die Polizei zu rufen. Die Angeklagten seien den Männern gefolgt und hätten einem der beiden den Rettungsrucksack vom Rücken gerissen. Als die Helfer langsam davonfuhren, habe der Mann sie weiter beschimpft und mit leeren Flaschen nach dem Wagen geworfen.

Nach Darstellung der 29-jährigen Angeklagten sah die Lage anders aus. „Ich habe Silvester gefeiert, und als ich nach Hause kam, lag meine kleine Schwester nicht ansprechbar auf dem Sofa“, sagte die Angeklagte zu den Vorwürfen. „Ich habe den anderen gesagt, dass sie einen Rettungswagen rufen sollen, und meine Schwester zum Erbrechen gebracht.“ Zu dem Zeitpunkt hätten sich 18 Personen in der Wohnung befunden. Als die Rettungskräfte eintrafen, seien die Leute im Raum nervös gewesen. Daraufhin hätten die Sanitäter sich zurückgezogen.

„Ich bin hinterher gelaufen, habe am Rucksack des einen Helfers gezogen und gesagt: ,Bitte bleiben Sie hier und helfen Sie meiner Schwester‘“, so die Angeklagte weiter. Später sei sie mit ihrer Schwester mit ins Krankenhaus gefahren und habe sich bei den Helfern entschuldigt. Einer der beiden Rettungskräfte, der als Zeuge aussagte, bestätigte die Aussage der Angeklagten. „Als wir in der Wohnung eintrafen, lag die hilflose Person in Seitenlage, erbrach sich und rutschte vom Sofa. Wir haben schnell erkannt, dass die Situation nicht dramatisch war.“ Mittlerweile sei der Raum immer voller geworden. „Sie sind uns immer dichter auf die Pelle gerückt“, so der Zeuge. „Als mein Kollege sagte, dass wir so nicht arbeiten könnten und die Polizei rufen würden, wurde einer der Männer aggressiv.“ Da seien sie gegangen.

Die Angeklagte habe ihn am Rucksack festgehalten, aber nicht, um die Rettungsarbeiten zu behindern, sondern um ihn zum Bleiben zu bewegen. Er bestätigte, dass die Frau Hilfe wollte und sich für die Umstände entschuldigte. Daraufhin wurde die Angeklagte freigesprochen. Gegen den Mann, der nicht erschienen war, wurde in Abwesenheit eine Geldstrafe von 1200 Euro verhängt. „Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm“, erklärte die Angeklagte.

Von B. Albrod

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