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Stormarn Bewährung für 27-jährigen Einbrecher
Lokales Stormarn Bewährung für 27-jährigen Einbrecher
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20:10 03.07.2017
Bargteheide/Lübeck

Wie akribisch die deutschen Ermittlungsbehörden arbeiten, hat jetzt ein 27-jähriger Kosovare nachhaltig erfahren. Weil Kushtrim D. aufgrund eines Deliktes in Bargteheide Anfang 2015 mit europäischem Haftbefehl gesucht wurde, saß er die vergangenen sechs Monate erst in Albanien und dann in Deutschland im Gefängnis. Gestern stand er in Lübeck wegen besonders schweren Diebstahls vor Gericht, erhielt eine 14-monatige Bewährungsstrafe und darf nun wieder in seine Heimat in der Nähe der kosovarischen Hauptstadt Pristina ausreisen.

Dass er so schnell noch einmal nach Deutschland zurückkommen würde, hatte der Angeklagte wohl nicht gedacht. Nachdem er im Februar 2015 zusammen mit zwei Kumpanen bei einem versuchten Einbruch in Ahrensburg auf frischer Tat geschnappt worden war, hatte Kushtrim D. eine erste Bewährungsstrafe erhalten und reiste im Sommer aufgrund eines negativen Asylbescheids wieder in den Kosovo.

Anderthalb Jahre später klickten plötzlich erneut die Handschellen, der 27-Jährige kam in ein albanisches Gefängnis. Bei weiteren Ermittlungen der Sondereinsatzgruppe der Polizeidirektion Ratzeburg waren nämlich Parallelen zu anderen Einbrüchen im Süden Stormarns entdeckt worden. War der Kosovare also Mitglied einer Bande, die eigens für Einbrüche nach Deutschland geschleust wurde? Der Angeklagte bestritt das während der Hauptverhandlung vor dem Lübecker Amtsgericht gestern.

Die Parallelen bestanden in Form von Schuhabdrücken, die D. bei einem Einbruch in Bargteheide einen Tag vor seiner Festnahme in Ahrensburg hinterlassen haben soll. Dabei waren der heute 75-jährigen Hausbesitzerin 900 Euro Bargeld, sehr wertvoller Familienschmuck und eine Kamera gestohlen worden. Die Frau war danach aus Angst für einige Wochen zu ihrer Tochter gezogen, tat sich gestern als Zeugin vor Gericht sichtlich schwer mit ausführlichen Schilderungen. „Die Zeit war schlimm“, sagte sie.

Kushtrim D., der den Einbruch in Bargteheide bis zum Ende abstritt, wurde also im April von Albanien nach Deutschland ausgeliefert und saß in den vergangenen drei Monaten in der Justizvollzugsanstalt Lübeck. In den Verhandlungssaal wurde er gestern früh in Handschellen geführt. Für einen Ahrensburger Polizeibeamten, der als Zeuge aussagte, ist auch klar, dass der 27-Jährige zu einer professionell agierenden Bande gehört. „Alle drei, die wir damals in Ahrensburg festgenommen haben, hatten gefälschte Pässe. Mit denen war es ihnen sogar möglich, eine Wohnung anzumieten sowie Autos an- und wieder abzumelden“, erklärte der 60-Jährige. Auch das Vorgehen, vormittags in dann leere Wohnungen einzubrechen, spreche für bandenmäßige Strukturen.

So weit wollte der Vorsitzende Richter Said Evora nicht gehen. Er sah es in seiner Urteilsbegründung jedoch als erwiesen an, dass Kushtrim D. den Einbruch in Bargteheide begangen hat. Ein Gutachter des Landeskriminalamtes hatte es als „wahrscheinlich“ eingestuft, dass die gefundenen Abdrücke von D.s Schuhen stammten. „An Zufall mag ich da nicht glauben“, sagte Evora, hielt dem Angeklagten jedoch zugute, dass er seit den Vorfällen im Februar 2015 nicht mehr negativ aufgefallen sei. Da der Kosovare zudem eine günstige Sozialprognose in seinem Land habe, beließ es der Richter bei einer Bewährungsstrafe.

Mit dem Strafmaß folgte Evora auch genau der Forderung der Staatsanwaltschaft. Verteidiger Oliver Dedow aus Lübeck hatte dagegen auf Freispruch plädiert.

Markus Carstens

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