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Stormarn Biobäcker möchte Kleinwindrad im Gewerbegebiet bauen
Lokales Stormarn Biobäcker möchte Kleinwindrad im Gewerbegebiet bauen
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13:29 11.02.2019
Andreas Wittmaack zeigt, wie die Anlage aussähe. Quelle: Bettina Albrod
Bargteheide

Andreas Wittmaack, der seit 16 Jahren in Bargteheide die Hofbäckerei Wittmaack betreibt, möchte auf seinem Grundstück im Gewerbegebiet eine Kleinwindkraftanlage aufbauen, um den Strom für seinen Bio-Betrieb und seine Elektrofahrzeuge klimafreundlich selber zu erzeugen. Das Windrad wäre mit 30 Meter Höhe deutlich kleiner als übliche Windräder mit 120 Meter Höhe. Für sein Vorhaben müsste aber der Bebauungsplan geändert werden, denn zugelassen sind nur frei stehende Masten bis 12,5 Meter Höhe.

„Ich biete Demeter-Produkte an und bin Biobäcker“, erklärt Andreas Wittmaack. „Vor einigen Jahren habe ich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Bäckerei installiert, um den Betrieb über Solarstrom versorgen zu können.“ Da seine Bäckerei aber überwiegend nachts arbeite, solle nun über das Windrad eine zusätzliche klimafreundliche Energiequelle geschaffen werden, die auch im Dunklen Strom produziere.

„Über die Windenergie sollen dann die Maschinen im Betrieb und der Fuhrpark betrieben werden.“ Denn Wittmaack hat schon vor drei Jahren damit angefangen, seine Fahrzeuge auf Elektrofahrzeuge umzustellen. In diesem Jahr sind drei weitere dazu gekommen, so dass es nun sechs sind. Dafür und auch für die Öffentlichkeit will Wittmaack eine Ladesäule aufbauen, die von Windenergie gespeist werden soll.

Projekt mit Vorzeige-Charakter

„Das Windrad wäre ein weiterer Baustein für eine klimaneutrale Produktion“, sagt Wittmaack. Seine Photovoltaikanlage arbeite mit 92 Prozent Auslastung, das wolle er auch für die Windkraftanlage erreichen. „Technisch soll das so laufen, dass gezielt dann produziert wird, wenn der Strom da ist.“ 750 000 Euro will Wittmaack dafür investieren, zusätzlich habe das Land ihm Fördermittel angeboten. Auch für den bundesweit ausgeschriebenen Energy Award des Handelsblatts, für den das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Schirmherrschaft übernimmt, ist er vorgeschlagen. „Das wäre ein Vorzeigeprojekt“, ist Wittmaack überzeugt, der auf Signalwirkung seines Projekts hofft. Nachhaltiges Wirtschaften mit klimaneutraler Stromerzeugung im eigenen Kreislauf sei etwas, das auch für andere Unternehmen interessant sei. „Das wäre deutschlandweit einmalig.“

Mit einer Kleinwindanlage möchte Andreas Wittmaack Strom für seine Bäckerei erzeugen. Quelle: ST

Allerdings wäre für den Betrieb der Kleinwindanlage eine Änderung des Bebauungsplans nötig, denn im Bargteheider Gewerbegebiet sind nur 12,5 Meter Höhe für frei stehende Masten erlaubt. 30 Meter seien aber das Minimum, sagt Wittmaack, um genügend Wind ernten zu können. Laut Gutachter würden die Lärmschutzauflagen eingehalten: „Im Gewerbegebiet sind 55 dBA zugelassen, das Windrad hat aber nur 45 dBA.“ Der Schatten der Rotorblätter würde auf das eigene Bürogebäude fallen, nur früh morgens sei ein Nachbarhaus betroffen. „Die Entscheidung liegt nun bei der Politik“, erklärt Wittmaack.

Unterschiedliche politische Positionen

„Wir sehen das kritisch“, erklärt Mathias Steinbuck (CDU). „Der Bereich dort ist am engsten bebaut, außerdem ist für Bargteheide keine Windeignungsfläche ausgewiesen.“ Zwar sehe man das große Engagement Wittmaacks positiv, aber Zustimmung für das Projekt gebe es von der CDU nicht. Ganz anders sehen das die Grünen: „Das ist ein vorbildliches Projekt“, lobt Dr. Ruth Kastner, „da denkt jemand im Kreislauf und will alles selber mit klimaneutralem Strom versorgen.“ Das sei eine tolle private Initiative. Bis auf die Höhe würden laut Gutachten alle Voraussetzungen erfüllt „Was die Höhe der Kleinwindanlage betrifft, sollte man wissen, dass in unmittelbarer Nähe drei Funktürme stehen, einer davon ist 45 Meter hoch.“

Andreas Wittmaack: "Da, wo der Deckel ist, soll das Windrad hin." Quelle: Bettina Albrod

Auch die SPD unterstützt Wittmaacks Pläne. „Wir sind diesbezüglich aufgeschlossen“, betont Mehmet Dalkilinc. „Das ist ein Vorbild-Unternehmer, und wir stehen seinen Plänen positiv gegenüber. So etwas unterstützen wir.“ Die FDP hat bei dem Thema noch Informationsbedarf. „Es gibt einen Beschluss, dass es keine Windkraftanlagen auf Bargteheider Stadtgebiet geben soll“, so Gorch Hannis La Baume. Die Anlage sei zwar klein, aber auch da gebe es eine gewisse Geräuschentwicklung. Für eine Entscheidung seien noch weitere Informationen nötig. Die Wählergemeinschaft WfB erteilt dem Projekt eine Absage. „Das ist keine gute Idee“, urteilt Norbert Muras. „Wir haben damals beschlossen, auch Werkswohnungen in dem Gebiet auszuweisen. Den Bewohnern gegenüber sind wir im Wort.“ Das sei eine Frage des Vertrauens. „Wenn wir den B-Plan ändern, würde das eine Zulassung für alle Grundstücke im Gewerbegebiet bedeuten. Da muss man wegen der Dichte der Wohnungen gut abwägen.“

Tag der Entscheidung

Das Thema Kleinwindanlage steht in Bargteheide am Donnerstag, 21. Februar, auf der Tagesordnung des Ausschusses für Planung und Verkehr. Er trifft sich um 19 Uhr im Ratssaal.

Bettina Albrod

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