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Biomüll in die graue Tonne: Damit soll bald Schluss sein

Bad Oldesloe Biomüll in die graue Tonne: Damit soll bald Schluss sein

Im Kreis Stormarn landen noch immer 40 Prozent organischer Abfall im Restmüll - und das stinkt der Abfallwirtschaft Südholstein gewaltig.

Organischer Abfall gehört nicht in die Restmülltonne. In Stormarn beherzigt das nicht jeder.

Quelle: Verena Bosslet

Bad Oldesloe. Die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Stormarn trennen ihren Müll nicht korrekt. Besonders bei der Entsorgung von Biomüll könnte Nachhilfe gut tun. „40 Prozent des Mülls in einer Restmülltonne ist Bioabfall“, erklärte der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), Dennis Kissel, jetzt auf der Sitzung des Kreisumweltausschusses. Für ihn sind das 40 Prozent zu viel. Denn das bedeutet auch, dass dieser Müll nicht in Trittau in der Biovergärungsanlage zu Energie umgewandelt werden kann, sondern in der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld landet. „17000 Tonnen Bioabfall pro Jahr“, so Kissel, „werden in Stapelfeld verbrannt“.

„Wir können über eine wöchentliche Abfuhr im Sommer sprechen.“

Dennis Kissel, AWSH

Die Gründe, warum Bioabfälle in der grauen Tonne landen, sind vielfältig: Das reicht von den Biotonnenverweigerern, die auf eigene Kompostierung im Garten setzen, bis hin zu Problemen in den Sommermonaten, in denen es in der braunen Tonne schon einmal ekelig werden kann und deshalb viel Biomüll in der grauen Tonne entsorgt wird. „Es gibt eine Befreiung, wenn der organische Abfall auf den Grundstücken verwertet wird. Solche Anträge bekommen wir zuhauf. Aber letztlich lügen die alle. Gerade bei denen landen prozentual mehr Bioabfälle in der Restmülltonne als bei denen, die eine Biotonne haben“, ärgert sich Kissel und nennt diese Kunden „Scheinkompostierer“, denn die Eigenkompostierung finde faktisch nicht statt. Dabei wird der Bioabfall dringend benötigt. „Speisereste beispielsweise sind in der Vergärung optimal. Da möchten wir noch mehr Material rankriegen“, so der Geschäftsführer. Erst recht das, was bisher nicht in der entsprechenden Tonne landet.

Der krasseste Fall, von dem Kreismitarbeiter Tim Neben berichten konnte: Ein Stormarner, der die Biotonne ablehnt und seinen Bioabfall quasi in der Natur entsorgt. Er änderte sein Verhalten auch nicht, nachdem ihm zwangsweise eine braune Tonne vor die Tür gestellt wurde. Jetzt, so Neben, zahle der Grundstückseigentümer zwar die Kosten für die Biotonne, entsorge darüber aber nicht seinen organischen Abfall — die Tonne bleibt leer. Einer von 42000 bei 237000 Stormarnern.

Aber was tun, wie kann das Verhalten geändert werden? Statt auf eine Müllpolizei zu setzen, präsentierte Dennis Kissel im Kreisumweltausschuss unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, um den Bürgern das gründlichere Sortieren schmackhafter zu machen. „Wir könnten die Biotonne kostenfrei anbieten, dann gibt es keinen finanzielle Anreiz sie nicht zu nutzen“, schlug er vor. Eine weitere Idee: Die kleineren Behälter (60 und 40 Liter) abschaffen und durch 80 oder 120 Liter Tonnen ersetzen. „Der Bürger hat dann mehr Volumen für seinen Müll. Wir können auch über eine wöchentliche Abfuhr im Sommer sprechen“, sagte der Geschäftsführer der AWSH. Das würde den Ekelfaktor verringern, aber auch teurer werden. Weitere Option: ein Fahrzeug, das die Biotonnen wäscht. Auch eine Imagekampagne, die aufklären soll, wäre denkbar.

Die Vorschläge wurden von der Politik positiv aufgenommen, eine Entscheidung steht noch aus. „Ob die kostenfreien Biotonnen die Lösung sind, weiß ich nicht, aber die Abfahrt einmal pro Woche kann man bestimmt wuppen“, erklärte Kreispolitiker Wolfgang Gerstand (CDU).

K. Kuhlmann-Schultz

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