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Birgit Storck dreht ganz tolle Dinger

Stubbendorf Birgit Storck dreht ganz tolle Dinger

Die Keramikerin lädt Besucher in ihr Sommeratelier nach Stubbendorf ein.

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Die Keramikerin Birgit Storck an der Drehscheibe. Sie fertigt einen Zylinder aus Porzellan.

Quelle: Fotos: von Dahlen

Stubbendorf. Das Maul wie zum Schmollmund geöffnet, äugt der Kugelfisch aus dem Regal hervor. Sein leuchtend blauer Körper erinnert an tropische Küsten und bunte Korallenriffe. Ein Gruß aus der spannenden Unterwasserwelt.

Assoziationen wie diese stellen sich nicht von ungefähr ein. Es ist der guten Beobachtungsgabe von Birgit Storck und ihrem sicheren Umgang mit den Werkstoffen Ton und Porzellan zu verdanken, dass die Skulptur den Betrachter stark anspricht. Denn es sind die unterschiedlichen Eigenschaften der beiden Materialien in Kombination, die den Reiz ausmachen. „Porzellan zieht sich bei Hitze stärker zusammen als grober Ton, weil es keine Schamottanteile hat“, erklärt die 65-Jährige. Diesen Effekt nutzend, legte sie dünne Porzellanplatten auf die fertig geformte Fischkugel, so dass nach dem Brennen Platznähte entstanden, ähnlich den natürlichen Fischschuppen.

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Atelierbesucher erwartet eine große Bandbreite an Keramiken.

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Etwa alle sieben Jahre bricht die Keramikerin aus Stubbendorf mit ihren Gewohnheiten, verändert den Arbeitsstil oder wendet sich neuen Materialien zu. „Dann habe ich das Gefühl, alles das Bisherige ausgereizt zu haben und muss etwas Neues beginnen“, erzählt sie. Der Kugelfisch markiert gewissermaßen die Schnittstelle vom groben Steinzeug, mit dem sie lange Zeit experimentiert hatte, hin zur filigraneren Arbeit mit Porzellan, die auch beim Schleswig-holsteinischen Sommeratelier vom 15. bis 16. August zu bestaunen sind. Birgit Storck gehört zu den sechs Künstlern aus Stormarn, die ihre Ateliers für Besucher öffnen.

Eigentlich Beamte im Landesdienst entdeckte die Stubbendorferin Anfang der 1980er Jahre ihre Leidenschaft fürs Töpfern. Das Fabrizieren kleiner Mitbringsel für Verwandte und Freunde reichte ihr bald nicht mehr. „Ich wollte tiefer in die Materie eindringen“, erzählt sie. So besuchte sie vier Jahre lang die Werkkunstschule, die es damals noch in der Lübecker Mengstraße gab. Ihr Lehrmeister war Hans Koretzki, der heute nach wie vor ein gefragter Mann ist. Er restaurierte beispielsweise die Fliesen im Hamburger Elbtunnel, die im April wieder eingesetzt wurden.

Mit Schalen, Kugeln und anderen dekorativen Skulpturen aus Steinzeug, die sie mit Metalloxiden einfärbte, begann die Keramikerin einst. Den Moment, da sich die Tür zum Ofen öffnet und den Blick auf das fertige Produkt freigibt, hatte sie schon immer als sehr spannenden Akt erlebt. Denn unter mehr als 1000 Grad Hitze verändert sich das Material oft auf unvorhersehbare Weise. Das regte die Keramikerin in den 1990er Jahren dazu an, sich dem Raku-Brand zuzuwenden. Eines ihrer prägnantesten Stücke aus dieser Zeit hat die Form eines Melonenviertels. Das aufgeschnittene „Fruchtfleisch“ ist durchzogen von Rissen. „Sie entstehen einfach so beim Brand und dadurch kommt Leben hinein“, sagt Birgit Storck.

Lange Zeit war sie unsicher, wie ihre Arbeiten von anderen wahrgenommen werden. Das Urteil nahestehender Personen war ihr nicht objektiv genug. So bewarb sie sich zunächst mit Fotos für die Teilnahme am Kellinghusener Töpfermarkt. Dort darf längst nicht jeder ausstellen. Doch nicht nur dort, auch zur Triennale des norddeutschen Kunsthandwerks wurde die Quereinsteigerin eingeladen. 1997 wollte sie es endgültig wissen und Mitglied im Berufsverband Angewandte Kunst Schleswig-Holstein werden. Zu jener Zeit war dafür immer noch ein Meistertitel oder ein Studium nötig. Die Aufnahme in den Kreis der Kunsthandwerker war für sie wie ein Adelstitel und öffnete ihr fortan die Türen für weitere Ausstellungen in ganz Deutschland.

Inzwischen steckt Birgit Storck in einer neuen Schaffensphase. Aktuelles Experimentierfeld ist weißes Porzellan mit Einschüssen von zufällig verteilten Farbpigmenten. Die Außenwand der Gefäße hobelt sie ab und poliert sie, so dass eine glatte, marmorartige Oberfläche entsteht. „Die farbigen Muster, die beim Schneiden entstehen, sind auch für mich völlig überraschend“, sagt die Keramikerin.

In sechs Ateliers werden am Wochenende die Besucher in Stormarn empfangen
Am Sommeratelier 2015 beteiligen sich über 100 Ateliers, Werkstätten und Galerien in ganz Schleswig-Holstein. Kunstbegeistertes Publikum kann sich am Sonnabend, 15. und am Sonntag, 16.
August, zwischen 11 und 19 Uhr bei den Teilnehmern der Aktion über ihre Arbeit in den Bereichen Metall, Keramik, Holz, Textil, Glas, Papier, Malerei, Grafik, Skulptur, Foto/Video, Objekt und Installation. Es bietet sich die Möglichkeit zum Dialog und zur zwanglosen Begegnung mit den Künstlern, bei denen es sich durchweg um Mitglieder der Landesverbände für angewandte und bildende Kunst (BAK, BBK, und Gedok) handelt.


Im Kreis Stormarn beteiligen sich insgesamt sechs Kulturschaffende an der Aktion. Neben Brigitte Storck, Bundesstraße 17 in 23858 Stubbendorf (www.brigittestorckkeramik.de) zeigt auch Silke Decker, Dorfstraße 37/39 in Ratzbek/Wesenberg ihre Keramik (www.silkedecker.de). Skulpturen und Fotos stellt Georg Engst, Langereihe 6 in Jersbek zur Schau (veraklose@t-online.de). Mit von der Partie sind auch die Barnitzer Künstler Thomas Helbing mit Skulptur und Grafik im Lokfeld 12, (thhelbing@web.de), Ute E. Herweg, Lokfeld 36 mit Malerei und Grafik (info@lokfeld36.de) sowie Rea Högner, Trenthorster Straße 5 mit Metallarbeiten (www.rea-hoegner.de).

Dorothea von Dahlen

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