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Bissiges über bellende Vierbeiner

Großhansdorf Bissiges über bellende Vierbeiner

Claus Lorenzen hat Tucholskys Hundehasser-Texte herausgebracht, illustriert von Klaus Ensikat.

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Kurt Tucholsky hatte wenig Sinn für Hunde. Ihre Ergebenheit verachtete er als Untertänigkeit und typisch deutsch.

Quelle: Fotos: Bettina Albrod

Großhansdorf. Kurt Tucholsky hat keinen Hehl daraus gemacht, dass ihm Katzen wesentlich lieber waren als Hunde. Ihn störte am Hund nicht nur das Gebell, sondern vor allem die hündische Ergebenheit, die er als Untertänigkeit und typisch deutsch zutiefst verachtete.

„Es scheint wirklich so, als ob die meisten Menschen hierzulande einen Hund nur deshalb besäßen, um noch einen ‘unter sich zu haben‘“, schrieb Tucholsky 1922 in „Der Hund als Untergebener“. Der Großhansdorfer Verleger Dr. Claus Lorenzen hat jetzt ein Buch heraus gebracht, das Tucholskys Hundetexte erstmals sammelt und das Klaus Ensikat prächtig illustriert hat. „Der Hund als Untergebener — Bissiges über Hunde und ihre Halter“ zeigt ein Lieblingstier der Deutschen im Spiegel des satirischen Blicks.

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Kurt Tucholsky hatte wenig Sinn für Hunde. Ihre Ergebenheit verachtete er als Untertänigkeit und typisch deutsch.

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In den Spiegel blickte einst der Wolf, ehe er zum Zerrbild Haushund wurde — für den Dichter durchaus ein politisches Thema. „Das Verhältnis der Deutschen zum Hund erschien Tucholsky als Sinnbild für das Prinzip der Über- und Unterordnung im preußischen Staatswesen“, erläutert Lorenzen. „Es gibt Texte, die am Beispiel Hund deutlich politische Kritik üben.“ Dazu gehört der Text „Die Täler“ (1927), in dem ein großer Hund einen kleinen wüst malträtiert. „Nichts ist förderlicher für Diktatoren als ein Besen ins Kreuz“, schließt Tucholsky seine Parabel.

Den Hund beschimpft er, den Menschen meint er. „Hundebesitzer sind die rücksichtslosesten Menschen auf der Welt“, heißt es in „Traktat über den Hund sowie über Lärm und Geräusch“. Denn Tucholsky habe sich zeitlebens über Klavierspiel und Hundegebell geärgert, so Lorenzen. Der Verleger, der in der „Officina Ludi“ ausgesucht schöne Bücher veröffentlicht, ist ins Marbacher Literaturarchiv gefahren, um sich die anonymen Schmähbriefe anzusehen, die Tucholsky von wütenden Hundefreunden zugeschickt bekam. „Kaum eine der Schriften Tucholskys rief bei seiner Leserschaft eine derart aufgebrachte Reaktion hervor wie ‘Traktat über den Hund‘“, sagt Lorenzen.

Tucholsky, der als Kind mehrfach von Hunden gebissen worden war, erhielt Leserbriefe, in denen mit Kritik nicht gespart wurde. „Da stehen Sachen wie die, dass es doch auch Menschen gebe, die gern einmal an etwas Ekligem schnüffelten“, zitiert Lorenzen. Dann wieder heißt es: „Hätt‘ ich nur den Hund — wie wollte ich dafür auf den Tucholsky verzichten.“ Tucholsky selbst teilte einem Freund mit:

„Entrüstete Hundefreunde haben geschrieben, ob ich denn keine Würstchen unter mich lasse...“

Wurst war ihm die Kritik, bestätigte sie ihm doch nur, dass er damit den Menschen im Kern erreichen konnte. Zum Hundefreund kann man werden, wenn man die schönen Zeichnungen Klaus Ensikats sieht, die den Text in Bild übertragen. „Was mit bloßem Auge wie ein Fleck aussieht, ist unter der Lupe ein Hund, der das Bein hebt“, zeigt Lorenzen. Geifernde Hunde, spielende Hunde, lustige Hunde - Ensikats Tiere hätten sogar Tucholsky gefallen.

Mit Originalzeichnung
Kurt Tucholsky/Klaus Ensikat, „Der Hund als Untergebener“, Officina Ludi, 56 Seiten, 19,80 Euro. Die Vorzugsausgabe mit Original-Linolschnitt von Klaus Ensikat kostet 125 Euro, die 25 Luxusausgaben mit Linolschnitt und aquarellierter Original-Federzeichnung 420 Euro.

Bettina Albrod

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