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Blick auf die jüdische Geschichte Bad Oldesloes

Bad Oldesloe Blick auf die jüdische Geschichte Bad Oldesloes

Ein Buch von Archivarin Sylvina Zander erinnert an jüdisches Leben in der Stadt. „Ich bin an diesem Ort geboren - Die Geschichte der Oldesloer Juden“ ist 300 Seiten stark.

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Bad Oldesloe. Ein neues Buch beleuchtet jüdisches Leben in Bad Oldesloe. „Ich bin an diesem Ort geboren – Die Geschichte der Oldesloer Juden“ ist 300 Seiten stark, Autorin ist Stadtarchivarin Sylvina Zander. „Ich bin mit diesem Thema schon lange am Hökern“, sagt Zander. Schon in den 90er Jahren hat sie im Stadtarchiv Akten und Register gewälzt und nach Spuren jüdischer Geschichte gesucht. „Die habe ich an Stellen gefunden, wo man sie zunächst gar nicht vermutet: in Armenregistern, in juristischen Registern, in Unterlagen über den großen Brand, in der Aufbauhilfe, in Spendenregistern, in Sterbeakten, aber auch in Akten zum Bürgerschießen. Denn ein Oldesloer Jude hat im 18. Jahrhundert teilgenommen und Geld gespendet, damit er nicht König wurde.

LN-Bild

Buch von Archivarin Sylvina Zander erinnert an jüdisches Leben in der Stadt.

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Sein Name war ,Israel Israel’.“ Mit ihm nahm die Geschichte der Juden in der Bad Oldesloe auch ihren Anfang. „Israel Israel, der aus Moisling stammte, stellte 1729 den Antrag, dass er Oldesloer Schutzjude werden durfte“, berichtet Zander. Doch es habe sich hingezogen. „Der Magistrat sagte Ja, doch die Oberste Behörde lehnte ab.“ 1737 wurde Israels Antrag schließlich bewilligt, 1738 legte er den Bürgereid ab. Israel war Kaufmann und zog über Land. „Er bot ganz besondere Waren an: Israel Israel handelte mit Stoffen und Spitzenbändern“, weiß die Stadtarchivarin.

Was für Zander eine erstaunliche Erkenntnis war: „Es heißt sonst immer, dass der Magistrat sich gegen die Ansiedlung von Juden aussprach. In Oldesloe war es nicht so, hier war man moderat. In Lübeck war es viel schlimmer.“ Denn dort war es Juden zu jener Zeit verboten, sich im Stadtgebiet anzusiedeln. Sie lebten vor den Stadtmauern in Moisling. Obwohl Oldesloe Israel Israel als Bürger aufnahm, galten für den Juden bestimmte Restriktionen: So durfte er keinen anderen Beruf ergreifen als den des Kaufmanns, auch durfte er nicht in den Rat gewählt werden, zudem wurde er mit besonders hohen Steuern belastet.

„Richtig viele Juden hat es in Oldesloe aber nie gegeben. Es hat nie für eine Gemeinde gereicht. Es gab in der Stadt auch keine Synagoge. Im Hause Israel Israels befand sich nur ein Gebetsraum“, hat Zander herausgefunden.

Die Autorin hat in ihrem Buch auch versucht, jüdische Frauen in den Blick zu nehmen. „Das war schwierig, denn die Quellenlage war sehr dünn. Über Telsche habe ich einiges herausgefunden“, so Zander.

Telsche Israel sei um 1748 geboren worden. Mit 20 habe sie Moses Juda geheiratet, der ebenfalls Schutzjude gewesen sei. „Doch Moses hatte ökonomische Probleme, weshalb er in Itzehoe einen Überfall unternahm. Seinen Schutzstatus verlor er somit, auch seine Frau Telsche hätte gehen müssen. Doch sie ist in Oldesloe geblieben. Das ist ganz spannend.“

In Zanders Werk wird auch deutlich, wie sich die Zeiten ändern. „In der Aufklärung ist man in der Stadt wesentlich toleranter. Doch dann kommt der frühe Antisemitismus im 19. Jahrhundert. Der war richtig aggressiv, das sieht man auch am ,Oldesloer Landboten’. Ab 1863 mit der Emanzipation der Juden haben sie fast alle Rechte. Sie können Bürger werden, sie dürfen wählen. Es ändert sich fast alles. Die Oldesloer Juden haben die Chance auch ergriffen. Sie gehen in die Politik, gehören zur Oberschicht, aber bleiben Kaufleute“, schildert Zander. So wie Henry Hirsch, der Mitte des 19.

Jahrhunderts geboren wurde, der ein Kaufhaus betrieb und 1927 starb. „Er war Stadtrat, ließ sich taufen. Er war ein assimilierter Jude.“ Doch dann kam die Weimarer Republik mit ihrem Antisemitismus, der sich in Vereinen und Verbänden breit machte.

„Henry Hirsch muss gesehen, was sich zusammenbraute“, ist sich Zander sicher. Sechs, sieben Juden hätten in jener Zeit in der Stadt gelebt, darunter auch Friederike und Helene Oppenheim, geborene Hirsch. „Sie haben sich Richtung Hamburg aufgemacht und sind von dort nach Theresienstadt deportiert worden.“

Aus Bad Oldesloe wurde kein Jude deportiert. „Einfach aus dem Grund, weil in der Stadt kein Jude mehr lebte“, sagt Zander. Nur wenigen sei die Flucht geglückt. „Max Hirsch hat es nach Shanghai geschafft, er ist dorthin ausgewandert und hat später einen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben.“ Ein anderer sei in die USA geflüchtet. Und dann war da noch Hermann Levy, der in Bad Oldesloe geboren wurde und nach Brasilien auswanderte. Zander: „Er hat dort Kunst studiert und ist sehr berühmt geworden.“

Buchpräsentation

Die Autorin  Sylvina Zander präsentiert ihr neues Buch „Ich bin an diesem Ort geboren – Die Geschichte der Juden in Bad Oldesloe“ am 29. November um 19 Uhr im Oldesloer KuB-Saal. Für musikalische Unterhaltung sorgen Ivo und Ilja Ruf, Vorstudenten der Musikhochschule Lübeck. Die Brüder spielen Klezmer, traditionelle jüdische Klarinettenmusik aus Osteuropa. „Ich bin mir sicher, dass diese Musik auch bei jüdischen Hochzeiten in Oldesloe gespielt wurde“, sagt Zander.

 Britta Matzen

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