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Blick in die Geschichte: Neues Leben in alten Mühlen

Braak/Trittau Blick in die Geschichte: Neues Leben in alten Mühlen

Die Windmühle auf dem Braaker Röthberg zog beim Mühlentag zahlreiche Besucher an – Jährlich schrotet die Mühle noch 130 Tonnen Roggen, Weizen und Dinkel.

Im abgetrennten Technikraum im Erdgeschoss der Trittauer Wassermühle war die Turbine zur Stromerzeugung zu besichtigen.

Quelle: Fotos: Pantelmann

Braak/Trittau. Die spannende Technik mit der handwerklichen Kunst der Mühlen ist weitgehend aus dem Landschaftsbild verschwunden. Von weithin sichtbar ist die vor 167 Jahren erbauten Windmühle auf dem Braaker Röthberg. Sie ist ein Symbol unserer Geschichte. Darüber hinaus ist die Braaker Mühle in Deutschland eine der wenigen Windmühlen, die noch professionell arbeitet. Kraftvoll drehte der Wind die Mühlenflügel an diesem Pfingstmontag, der 1994 zum Deutschen Mühlentag erklärt wurde.

 

LN-Bild

Karl-Hermann Vahle erklärte Wolfgang Stahmer die Königswelle.

Quelle:

Seit 21 Jahren öffnet auch die Braaker Mühle an diesem Tag ihre Türen und wird mit größter Beliebtheit besucht. „Hier ist immer viel los. Wir sind jedes Jahr hier“, sagte Wolfgang Stahmer aus Kuddewörde. „Mich fasziniert immer wieder alles, wo sich etwas bewegt. An Mühlen oder auch Lokomotiven.“ So war Geduld beim Rundgang über mehrere Böden durch die Windmühle mit ihrer Maschinerie gefragt. In der oberen Etage wurde das wichtigste Element, die Königswelle, erklärt, die den Antrieb sicherstellt. Vom Mahlboden aus mit Läuferstein und Trichter, von dem aus das Mehl direkt in den Sack gefüllt wird, bot sich zudem ein Durchgang zur Galerie am Mühlenrumpf. Von hier aus führte ein weiter Blick über die Feldmark und auf das Mühlengelände, das an diesem Tag viel Kulinarisches, Verkaufsstände und Kinderaktivitäten bot. In der Müllerstube auf dem Absackboden, in der auch standesamtliche Trauungen und Feierlichkeiten möglich sind, wurde ein Film über die Windmühle gezeigt.

Jedes Jahr schrotet die Braaker Mühle rund 130 Tonnen Roggen, Weizen und Dinkel aus der Region über den Stein, oder wird zu Quetschgetreide verarbeitet. Die hergestellten Produkte werden überwiegend in der benachbarten gleichnamigen Bäckerei weiterverarbeitet. Mit wechselvoller Geschichte hatte der Müller Carl Heinrich Christoph Lessau das Bauwerk 1859 ersteigert und ist noch heute im Familienbesitz. Als in den 60er Jahren das große Mühlensterben einsetzte, waren nur ganz wenige Mühlen übrig geblieben.

Die alte Trittauer Kornmühle ist eine Wassermühle, deren Antriebsenergie vom fließenden Wasser aus dem Mühlenteich gespeist wird. Als eines der Versorgungsgebäude für das Trittauer Schloss vor mehr als 300 Jahren gebaut, wurde der Mühlenbetrieb 1973 aufgegeben. Die Gemeinde Trittau wurde Eigentümerin. Seit 1989 dient das historische Gebäude der Gemeinde als vielfältig genutztes Kulturzentrum.

Nach einer Sanierung nutzt die Gemeinde die erneuerte Turbine zur Stromerzeugung. Auf dem Mahlboden sind an Wandtafeln die einzelnen Arbeitsgänge bis zum fertigen Mehl erklärt. Aber auch die vielen Gerätschaften wie Seilwinde, Mahlstein, Steinkran und Mahlgänge sind erhalten und sorgten wieder für große Beachtung unter den zahlreichen Besuchern, die sich im Rahmen des Kunsthandwerkermarkts am Ambiente rund um die Wassermühle erfreuten.

Unter Denkmalschutz

1990 gründete Karl-Heinz Borchert aus Papendorf den Verein „Braaker Mühle“, um die Mühle aus dem Baujahr 1849 vor dem Verfall zu retten. Als Vorsitzender über diesen langen Zeitraum hat der 85-Jährige kürzlich diesen Posten an seinen Nachfolger Karl-Hermann Vahle weitergegeben. Mit dem Ziel der Wiederherstellung der unter Denkmalschutz stehenden Mühle wurde 1996 die „wiederbelebte“ Windmühle feierlich eingeweiht. Nicht nur Gelder für die Restaurierung mit der Inbetriebnahme hatte der Verein eingeworben, ein großer Teil wurde auch in Eigenleistung erbracht. Der Verein mit inzwischen 40 Mitgliedern hat dieses kulturhistorische Denkmal vor dem Verfall bewahrt und dafür gesorgt, dass dieses Prachtstück als Getreidemühle wieder in Betrieb genommen werden konnte.

Margret Pantelmann

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