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Stormarn Blind Date mit Martin Luther
Lokales Stormarn Blind Date mit Martin Luther
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Buchhändlerin Birgit Ristau aus Bargteheide hatte mit Feridun Zaimoglu einen berühmten Autor für die Blind-Date-Lesung gewonnen. Quelle: Fotos: B.albrod

Ein Blind Date ist spannend: Keiner weiß, was ihn erwartet, und jeder hofft, dass es was Gutes ist. In Bargteheide hatte am Montag Buchhändlerin Birgit Ristau zu einem Blind Date geladen. Verkuppelt wurden die Zuhörer und ein Autor von der 20 Namen umfassenden Longlist für den Deutschen Buchpreis, der bis zuletzt ungenannt blieb. Da der Deutsche Buchpreis einer der renommiertesten Preise in der Literaturszene ist, konnte man getrost davon ausgehen, dass jeder, der es auf die Longlist schafft, ein hörenswerter Gast ist. So war es dann auch: Feridun Zaimoglu, als Kind aus der Türkei nach Deutschland gekommen, kann mittlerweile 20 Romane vorlegen. Im Rennen für den Buchpreis ist er mit „Evangelio“; einem Roman, mit dem das Blind Date den Gästen die Augen für Martin Luther öffnete.

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Feridun Zaimoglu steht mit seinem neuen Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

„Luther gehört zu meiner deutschen Prägung“, erläuterte Zaimoglu, warum ein Moslem ein christliches Thema bearbeitet. 1976 habe er in einer Bibliothek die „Biblia Teutsch“ erstmals gesehen, Luthers Bibelübersetzung, die Luther für ihn zum Helden der Sprachkraft gemacht habe. „Ich habe mich 40 Jahre lang mit dem Christentum beschäftigt, ehe ich das Buch geschrieben habe“, erklärte Zaimoglu.

„Luthers Sprache glänzt bis heute.“ Deshalb, warnte der Autor sein Publikum, sei es auch in altertümlichem Lutherdeutsch geschrieben. Zaimoglu nimmt seine Leser mit ins Mittelalter, und es ist das finstere Mittelalter. „Es gibt viele romantisierte Darstellungen der Zeit, aber es war schlimmer als man denkt.“

Mehr Game of Thrones als Robin Hood also, zumal das Ringen des Reformators an sich einen düsteren Entscheidungskampf darstellt, immerhin war sich Luther dessen bewusst, dass er als Ketzer galt. Der Roman spielt 1521 auf der Wartburg und begleitet Luther dabei, wie er das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. Ein Landsknecht ist zu seinem Schutz abgestellt, der selber streng katholisch ist. Im Wechsel von dessen Beobachtungen und Luthers Briefen an Melanchthon entsteht aus Dialogen, Briefen und Gedanken ein Bild des Reformators, der sich vom alten Glauben befreit und gleichzeitig Gefangener seiner Schmerzen und Anfechtungen durch den Teufel ist.

„An den Teufel hat man damals leibhaftig geglaubt“, so Zaimoglu, der die Passagen mit heiserer Stimme las und sich dazu mit den Händen wie ein Dirigent im Klang seiner Sätze begleitete. Wo Luther die Reformation trieb, ist es beim Autor die Literatur, die ihn dazu bewegt, sich nachts an die Schreibmaschine zu setzen oder die Situation Luthers nachzuempfinden.

„Luther hat sich Bußübungen auferlegt“, so Zaimoglu, „also bin auch ich nachts um Drei aufgestanden und habe mich eine Stunde lang auf rohe Erbsen gekniet.“ Er habe den Menschen Luther spüren wollen, um ihn zu verstehen. Das Publikum war begeistert, nicht nur von Formulierungen wie „vom Mönchlein zum Menschlein“. „Eine Lesung eröffnet immer neue Perspektiven“, meinte Imke Nehring. Hedda Neidl freute sich über das Angebot in Bargteheide: „So etwas gibt es hier nur selten.“ Dass es das gibt, liegt an Birgit Ristau. „316 Buchhandlungen haben sich um zehn Lesungen beworben, und ich habe eine davon gewonnen.“

 Bettina Albrod

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