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Stormarn Boom in Stormarn geht weiter
Lokales Stormarn Boom in Stormarn geht weiter
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13:49 27.12.2017
Philip Maurin auf einer Baustelle in Meddewade: Er setzt eine neue Haustür ein. Vor allem auf dem Bau brummt es. Quelle: Foto: M. Thormählen
Bad Oldesloe

Philip Maurin setzt mit seinen Kollegen eine Haustür auf einer Baustelle in Meddewade ein. Der Handwerker, der beim Tischlereibetrieb Wood Company in Travenbrück beschäftigt ist, hat seit Monaten gut zu tun. Es gibt viele Baustellen, unter anderem auch in Ahrensburg. „Unser Auftragslage ist weiterhin sehr gut. Und das reicht bis weit in das nächste Jahr“, stellt Geschäftsführer Caspar Weiland fest. Zehn Mitarbeiter beschäftigt die Tischlerei, und die sind nicht nur in Stormarn auf Achse. „Wir haben auch Aufträge in Lübeck, Hamburg oder Kiel“, sagt der Chef. Gerade zum Jahresende werde es oft stressig: „Und neue Kollegen zu finden und sie dann einzustellen – das ist sehr schwierig.“

Volle Auftragsbücher und weniger freie Stellen: 2017 war für die Unternehmen in Stormarn ein gutes Jahr, und so wird es aller Voraussicht auch in den kommenden zwölf Monaten weitergehen. Die Arbeitsagentur registrierte die geringste Arbeitslosenzahl seit mehr als 20 Jahren.

Diese Erfahrung muss Caspar Weiland mit anderen Handwerkskollegen teilen. „Es wird händeringend nach Personal gesucht“, betont der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Marcus Krause. Und er weist auf die erheblichen Anstrengungen der Betriebe hin, dank der eigenen Ausbildung dem Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen. In diesem Jahr wurden in Stormarn von den Innungsmitgliedern der Handwerkerschaft 470 neue Ausbildungsverträge geschlossen. „Das macht ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2016 aus“, so Marcus Krause. Auch junge Leute, deren Leistungen als schwächer eingeschätzt würden, bekämen durchaus die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung.

Und Handwerk hat zurzeit goldenen Boden. „Es gibt eine unverändert hohe Auftragslage in den Firmen – das geht auch 2018 so weiter“, sagt der Geschäftsführer. Vor allem im Bauhauptgewerbe und im Baunebengewerbe sei die aktuelle Situation mit gut zu bewerten. Etwas weniger hätten die Handwerker aus dem Dienstleistungsbereich zu tun. Für Notfälle, wenn beispielsweise im Winter die Heizungsanlage ausfällt, hätten die meisten Betriebe noch freie Kapazitäten. „Wer aber ein größeres Projekt plant – vielleicht sein Badezimmer sanieren möchte – der sollte mit einer längeren Vorlaufzeit rechnen“, rät Marcus Krause.

Stormarn ist und bleibt wirtschaftlich auf einem ganz hohen Niveau“, erläutert die Geschäftsführerin des Verbandes der Wirtschaftsregionen Holstein und Hamburg (VSW), Nicole Marquardsen. Es gebe aus den Unternehmen die einheitliche Aussage, dass die Prognosen für das nächste Jahr durchweg sehr gut blieben: „Vor allem bei dieser Auftragslage.“ Werde bundesweit das Wirtschaftwachstum im neuen Jahr auf rund zwei Prozent geschätzt, dann könnte Stormarn diese Zahl noch übertreffen. „Und es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass es anders kommt“, so die VSW-Geschäftsführerin.

„Die Unternehmen haben Aufträge und suchen Personal. Es fällt ihnen aber immer schwerer, bei abnehmender Arbeitslosigkeit neue geeignete Mitarbeiter zu finden. Daher steigt die Zahl der Stellen in unserem Bestand", erklärt die Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, Heike Grote-Seifert. Für knapp 70 Prozent der offenen Stellen würden ausgebildete Fachkräfte gesucht. „Deshalb werden wir auch im kommenden Jahr weiter in Qualifizierung investieren. Mit Aus- und Weiterbildungsangeboten wollen wir die Chancen An- und Ungelernter am Arbeitsmarkt verbessern“, so die Agenturchefin.

Das Programm „Zukunftsstarter" wendet sich an die Gruppe Arbeitsloser von 25 bis unter 35 Jahre ohne Berufsabschluss. Sie hätten noch 30 bis 40 Jahre Berufsleben vor sich, und die Wirtschaft brauche ihr Potenzial. „Deshalb lohnt es sich auch für sie, einen Berufsabschluss nachzuholen", erklärt Heike Grote-Seifert.

Der Bestand der gemeldeten offenen sozialversicherungspflichtigen Stellen ist im Kreis Stormarn in diesem Jahr auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Lag die Zahl im Schnitt vor zehn Jahren noch bei 1156, so ist deren Zahl seitdem auf aktuell durchschnittlich 1986 geklettert – ein Plus von 72 Prozent. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Arbeitskräftenachfrage geht die Chefin der Arbeitsagentur im kommenden Jahr von einer weiterhin positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und einem leichten Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Kreis Stormarn aus.

„Eine Herausforderung ist und bleibt die Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften in fast allen Bereichen in Stormarn“, sagt Heike Grote-Seifert. Daneben sei im kommenden Jahr mit deutlich mehr geflüchteten Menschen zu rechnen, die in den Arbeitsmarkt integriert werden müssten. Viele beendeten in den nächsten Monaten ihre Sprachkurse und meldeten sich zunächst arbeitslos: „ Hier benötigen wir Geduld und Beharrlichkeit, um sie in Arbeit und Ausbildung zu integrieren.“

Positiver Trend

2017 gab es auf dem Arbeitsmarkt in Stormarn einen positiven Trend. Im Schnitt lag die Zahl arbeitsloser Menschen bei 4379, das sind 199 oder 4,3 Prozent weniger als noch im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 2017 im Durchschnitt 3,4 Prozent und blieb damit 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Seit März 2015 lag sie kreisweit konstant und selbst in den Wintermonaten unter vier Prozent. Mit der aktuellen Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent sank sie sogar auf den niedrigsten Wert überhaupt seit 20 Jahren. Damals begann die Erhebung der Arbeitslosendaten auf Kreisebene.

 Michael Thormählen

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