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Stormarn Brian aus Ecuador und seine besonderen Gasteltern
Lokales Stormarn Brian aus Ecuador und seine besonderen Gasteltern
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18:25 10.09.2016
Brian (23) mit seinem Gastvater Bruder Benedikt im Garten der Klosteranlage in Nütschau. Quelle: mc

Und plötzlich stand da dieser Mann in seiner schwarzen Kluft. Da wusste Brian aus Ecuador, was seine Mentorin bei der Organisation World Horizon gemeint hatte, als sie sagte, sie würde den Mann schon erkennen.

Denn der Mann, der den 23-Jährigen vor fast einem Jahr am Hamburger Flughafen abholen wollte, war Bruder Benedikt aus dem Kloster Nütschau. Und das wiederum sollte Brians neues Zuhause werden.

Zunächst für vier Wochen, doch aus denen sind nun zwölf Monate geworden.

Hintergrund: Brian macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den Stormarner Werkstätten in Bad Oldesloe. Trotz der Suche von World Horizon, auch über die LN, fanden sich jedoch keine Gasteltern.

Da fragten die Werkstätten in Person von deren Leiter Stephan Bruns beim Kloster an und stießen sofort auf Gehör. Denn in der WG dort leben weitere junge Menschen, die im Kloster mit all seinen Angeboten ein FSJ absolvieren.

„Nein! Wie kann das sein? Ich bin so weit weg von der Kirche und soll in einem Kloster unterkommen!?“ Das habe er damals gedacht, erzählte Brian dieser Tage den LN bei einem Treffen. Doch er flog trotzdem los, wurde von Benedikt und einem anderen FSJler empfangen und fühlte sich nach einem irdischen Mahl im Kloster schon richtig wohl. „Es gab Bockwurst mit Kartoffelsalat und ein Bier“, berichtet Bruder Benedikt.

Kartoffeln kann Reis-Liebhaber Brian zwar mittlerweile nicht mehr sehen – „jeden Tag gibt es hier Kartoffeln in allen Variationen“ –, doch insgesamt ist er nach fast einem Jahr so begeistert, dass er sich sogar vorstellen kann, in Deutschland zu leben.

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Denn zunächst geht es Ende des Monats erstmal zurück nach Ecuador, um das Informatik-Studium zu beenden. „Dort in Esmeraldas am Pazifik sind immer 30 Grad“, sagt Brian und denkt ungern an den deutschen Winter zurück. „So kalt und dunkel.“

Trotzdem fuhr er jeden Tag mit dem Fahrrad von Nütschau zu seiner Arbeit nach Bad Oldesloe. Dazu kamen dreimal pro Woche der Sprachkurs an der Volkshochschule sowie Fußball-Training beim VfL. In mancher Woche kamen so 100 Rad-Kilometer zusammen.

„Ich habe 25 Kilo abgenommen“, sagt Brian stolz. Das sei aber auch eines seiner Ziele hier gewesen. Denn in Ecuador habe er sich während seines Informatik-Studiums nur sehr wenig bewegt – und entsprechend zugenommen auf über 100 Kilo. Weiterer wichtiger Punkt für seinen Auslandsaufenthalt war die Verbesserung seiner Sozialkompetenz. „Ich habe kaum mit anderen Leuten gesprochen.“ Da kamen die Wohngemeinschaft in Nütschau und die Arbeit in den Werkstätten gerade recht. Dort betreute Brian körperlich und geistig Behinderte.

„Ich habe in diesem Jahr viel über mich gelernt“, sagt Brian. Und: „Mit meinen Gasteltern habe ich sehr viel Glück gehabt.“ Kein Wunder, hatte er mit den Mönchen doch gleich 17 Väter.

mc

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