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Stormarn Buchfaltkunst Orimoto: Miss Marple bekommt Falten
Lokales Stormarn Buchfaltkunst Orimoto: Miss Marple bekommt Falten
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22:30 17.08.2017
Birgit Müller aus Ammersbek hat die Faltkunst Orimoto für sich entdeckt.
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Ammersbek

Ein bisschen Orimoto kann jeder: Wenn man beim Lesen eines Buches die aktuelle Seite mit einem Eselsohr markiert, hat man den Anfang schon gemacht. Orimoto nennt sich die Kunst, Bücher kreativ zu falten, nämlich so, dass sie auf jeder Seite nach einem bestimmten Muster geknickt werden, so dass sich in der Aufsicht ein Bild ergibt. Birgit Müller aus Ammersbek hat vor knapp zwei Jahren diese Faltkunst für sich entdeckt, und seitdem entspannt sie sich am liebsten mit einem guten Buch – nicht um es zu lesen, sondern um es zu knicken.

Nach Anleitung verwandelt Birgit Müller Bücher zu Kunstwerken mit ganz unterschiedlichen Motiven.

„Ich habe mal eine Anleitung dazu im Internet gesehen und es nachgemacht“, berichtet sie von den Anfängen. Schnell fing sie Feuer, und seitdem vergeht für sie keine Woche ohne Buch in der Hand. "Hardcover muss es sein, sonst ist es nicht stabil genug“, hat sie die Erfahrung gemacht.

Auf dem Tisch reihen sich fertige Exemplare aneinander, die als Motive Herzen zeigen, Schriftzüge, zwei Islandpferde oder verschlungene Namenszüge, denn die Buchkunstwerke sind als Geschenk zu Geburtstagen und Hochzeiten heiß begehrt. „Pro Buchstabe braucht man 80 Seiten“, hat Birgit Müller ausgerechnet. „Das Falten macht Spaß und beruhigt. Andere machen Yoga, ich falte Bücher.“ Die hat sie nach Seitenzahl geordnet, denn mittlerweile hat sich ihr Hobby herumgesprochen, und sie bekommt viele ausgediente Bücher geschenkt. „Wenn etwas misslingt, kommt es in den Ofen.“

Allerdings ist es eher so, dass die Bücher sehr gut gelingen und Birgit Müller sich vor Wünschen kaum zu retten weiß. „14 Tage dauert es, etwas Raffiniertes zu knicken“, hat sie die Erfahrung gemacht. „Oft wünschen sich Leute Namen, wenn sie es zum Geburtstag verschenken wollen. Einmal habe ich mich verschrieben und musste das Buch dann wegwerfen – ich hatte den Namen Swen mit v geschrieben statt hier mit w.“

Derzeit bringen ihre Hände einen Porsche auf ein Buch, selbstverständlich auch in Knickkunst. Parallel entsteht ein Hochzeitsgeschenk mit Herz und Namen. Dabei hilft ihr ein Grafikprogramm, das ausrechnet, welche Seite wo und wie geknickt werden muss. „Das ist wie bei einem Strickmuster.“ Ihr Mann hat ihr ein Gerät gebaut, in dem sie das Buch halten kann – so geht es einfacher.

Gelesen hat Birgit Müller die Bücher vorher nicht, hier zählt nur der Umfang. „Ich bekomme viele Bücherspenden“, erzählt sie, „einmal habe ich zwischen den Seiten ein vierblättriges Kleeblatt gefunden.“ Ihre gefalteten Bücher verschenkt sie, denn es soll ein Hobby bleiben, auch wenn sie viele Anfragen bekommt. „Manchmal, wenn es sehr aufwändig ist, verkaufe ich auch mal was“, sagt sie.

„Aber eigentlich soll es ein Freizeitspaß bleiben. Einer Kollegin habe ich das Falten auch schon beigebracht.“

Bei den Motiven schreckt sie vor – fast – nichts zurück. „Einem Freund, der Fußballfan ist, habe ich sein Vereinsemblem gefaltet, einem Kollegen die Audi-Ringe, weil er seinen Wagen so mag. Aber meine Schwester wünscht sich eine Jesus-Darstellung auf einer Bibel“, sagt sie, „die hat mindestens 1500 Seiten, das wird eine Riesenaufgabe. Die schiebe ich noch ein bisschen vor mir her.“

Mehr aus Ammersbek lesen Sie unter www.LN-online.de/Ammersbek.

Bettina Albrod

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