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Stormarn Bürgerbeauftragte will Tjark helfen
Lokales Stormarn Bürgerbeauftragte will Tjark helfen
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21:12 01.10.2018
Tjark aus Pölitz ist besucht die Waldorfschule Arild in Bliestorf Quelle: Dorothea von Dahlen
Pölitz

Viele Reaktionen hat der Beitrag über den seelisch behinderten Tjark ausgelöst und das Problem, eine passende Schule für ihn zu finden. Wie berichtet, ist der Junge stark verhaltensgestört und deshalb nicht in der Lage, einem rein leistungsorientierten Unterricht zu folgen. Mehrere Versuche einer Kommission, ihn doch noch einer regulären Grundschule zuzuweisen, endeten ebenso im Chaos wie ein Schultraining. Und selbst die auf Förderung von Sprache und Psychomotorik spezialisierte Albert-Schweizer-Schule in Bargteheide prognostizierte ein baldiges Scheitern. Da dieses ständige Hin und Her den psychischen Zustands ihres Sohnes eher verschlechterte denn weiterhalf, ergriffen die Eltern selbst die Initiative. Die Waldorfschule Haus Arild in Bliestorf, von der sie viel Positives gehört hatten, nahm Tjark letztlich auf. Der Haken: Obgleich Träger der Jugendhilfe eigentlich zur Eingliederung seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher Leistungen gewähren sollten (Paragraf 35 a Sozialgesetzbuch VIII), hat es bisher keine einvernehmliche Lösung gegeben. Familie Seemann muss das Geld für den Besuch der Privatschule inklusive Nachmittagsbetreuung aus eigener Tasche zahlen. Auch die Übernahme der Fahrtkosten wurde abgelehnt. Alles in allem kommen 400 Euro zusammen.

Derartige Fälle sind der Bürgerbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein nicht unbekannt. Sie unterstützt Familien dabei, geeignete Beschulungen für Kinder mit seelisch oder körperlichen Behinderungen zu finden und fungiert somit auch als Beschwerdestelle im Bereich Kinder- und Jugendhilfe. „In diesem Jahr hatten wir schon 15 bis 20 Fälle dieser Art,“, sagt Samiah El Samadoni. Leider werde oft nicht schnell genug zum Wohle der Kinder gehandelt. Sie säßen dann längere Zeit zu Hause, weil sich die Kostenträger im Hintergrund stritten. „Sicher sind stark ausgeprägte Störungen wie ADHS, die mit aggressivem Verhalten einhergehen, eine große Herausforderung für alle. Aber wir dürfen kein Kind im Stich lassen. Schließlich nimmt man ihm dann die Chance, in seinem Sozialverhalten zu lernen“, erklärt die Bürgerbeauftragte. Das setze aber auch eine Offenheit für die Art der in Frage kommenden Schule voraus. Wenn eine gute Lösung gefunden sei, dürfe der Streit um die Kosten nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.

Wie Nerven aufreibend und unerbittlich ein solcher Konflikt sein kann, erlebte vor Jahren schon Familie Breuer* aus Nordstormarn. Ebenfalls froh über einen Schulplatz für ihren Sohn im Haus Arild, versuchten die Eltern vergeblich, die Übernahme des Schulgeldes vom Kreis Stormarn zu erreichen. Als alle Bemühungen scheiterten, nahm sich die Familie einen Anwalt und zog vors Verwaltungsgericht. Dieses entschied zugunsten der Breuers. Im Urteil der 10. Kammer vom 12. August 2003 heißt es klar, dass es Aufgabe von Eingliederungshilfen sei, Nachteile auszuräumen, die sich aus der Behinderung eines Menschen ergeben und dies schließe auch den Zugang zu einer angemessenen Schulbildung ein. So wurde der Kreis verpflichtet, die Kosten für den Schulplatz zu übernehmen und dies sogar auf dem Wege einer Eilentscheidung.

So weit wollen es die Seemanns nicht kommen lassen. Sie hoffen immer noch darauf, dass es mit dem Kreis Stormarn eine gütliche Einigung geben kann. Die Bürgerbeauftragte Samiah El Samadoni und ihre Mitarbeiter wollen sie dabei unterstützen und vermittelnd wirken.

*Name aus Gründen des Datenschutzes geändert

Dorothea von Dahlen

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