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Stormarn Bessere Busverbindungen im Nordkreis
Lokales Stormarn Bessere Busverbindungen im Nordkreis
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13:07 10.09.2018
Der Zob in Bad Oldesloe: Die Kreisstadt hat bereits seit Jahrzehnten einen eigenen Stadtverkehr mit drei Linien, in Bargteheide wird er jetzt erst eingeführt. Quelle: mc
Bad Oldesloe

Über eine Sache waren sich alle Mitglieder des Stormarner Verkehrausschusses einig: Nachdem zuletzt immer der Süden des Kreises mit Verbesserungen beim Nahverkehr bedacht wurde, war nun mal der Nordkreis dran. Besonders Bargteheide und Bad Oldesloe profitieren, weil sie entsprechenden Bedarf angemeldet hatten. Aus Reinfeld und den Ämtern kamen dagegen kaum Rückmeldungen.

Hintergrund ist die Neuvergabe des Busnetzes Nordstormarn zum Fahrplanwechsel Ende 2019 für dann zehn Jahre. Bislang bedient dort hauptsächlich die Autokraft das Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Der Kreis kalkuliert durch die Verbesserungen mit jährlichen Mehrkosten von rund 330 000 Euro. Die exakte Höhe ergibt sich jedoch erst im Laufe des kommenden Jahres, wenn der Auftrag an ein Busunternehmen erteilt worden ist. Dieses soll bis März 2019 geschehen sein.

Darum geht es im einzelnen:

Im Halbstundentakt von Bad Oldesloe nach Ahrensburg: Auf der Linie 8110 (Bad Oldesloe – Bargteheide – Ahrensburg) wird es zur Attraktivitätssteigerung montags bis freitags eine Verdichtung des Stundentaktes in den Hauptverkehrszeiten (ca. 6 bis 8 Uhr und ca. 15.30 bis 19 Uhr) zum 30-Minuten-Takt geben. „Die Linie 8110 ist die nachfragestärkste Buslinie im nördlichen Kreisgebiet. Sie soll daher vom nachfrageorientierten Angebot in einen zum Teil angebotsorientierten attraktiven Verkehr umgestaltet werden“, erklärte Björn Schönefeld, beim Kreis für den ÖPNV zuständig. Die Verbesserungen auf dieser Linie sind mit Mehrkosten von etwa 160 000 Euro jährlich verbunden, zudem muss ein weiteres Fahrzeug eingesetzt werden.

WLan und Videokameras

Für die Vergabe des Netzes Nordstormarn macht der Kreis gewisse Qualitätsvorgaben und hat folgende Standards festgelegt, die auch den Gepflogenheiten des Hamburger Verkehrs-Verbundes (HVV) entsprechen:

Auf der Linie 8110 (Bad Oldesloe – Bargteheide – Ahrensburg) müssen die Busse über Klimaanlagen, Videokameras, Innenmonitore für die Fahrtzielanzeige sowie auch WLan verfügen. Die Linie will der Kreis nicht nur durch den 30-Minuten-Takt aufwerten, sondern auch qualitativ, weil sie aufgrund der starken Nachfrage einen gewissen Sonderstatus im Netz Nordstormarn hat.

Alle Grundnetzlinien (Linien 8120, 8130, 8140, 8150, 8160 und 8170) sowie die Linien 8101, 8102 und 8103 des Stadtverkehr Bad Oldesloe, die ganzjährig betrieben werden, sollen mit klimatisierten Fahrzeugen ausgestattet werden. Klimaanlagen sind laut Kreisverwaltung mittlerweile im ÖPNV bei Neufahrzeugen und jüngeren Fahrzeugen Standard.

Alle Fahrzeuge im Netz sind zudem mit einer Videoüberwachung auszustatten. Dies ist seit Jahren in den einzelnen Verträgen im Kreis sukzessive zum Standard geworden und soll jetzt flächendeckend umgesetzt werden. Die Videoüberwachung dient laut Kreisverwaltung der Sicherheit und der eventuellen Beweissicherung bei entsprechenden Vorfällen.

Standard ist mittlerweile auch, dass alle Fahrzeuge Niederflurbusse für einen stufenlosen Einstieg sind.

Weg vom nachfrageorientierten Verkehr hin zum angebotsorientierten ist auch ganz im Sinne der Grünen. Joachim Germer würde dieses Modell gerne auf weitere Linien ausdehnen, „dann wird es noch mehr Fahrgäste geben“, sagte Germer. Zudem plädierte er während der Sitzung für alternative Antriebe, die auch gleich in die Ausschreibung des Netzes aufgenommen werden sollten. Das jedoch sah die Kreisverwaltung kritisch. Man einigte sich schließlich darauf, nach Auftragsvergabe mit dem neuen Betreiber über eventuelle andere Antriebsformen nachzuverhandeln.

Große Oldesloer Wunschliste: In Bad Oldesloe hat man sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Nahverkehrsangebot der Stadt befasst. Es gab nicht nur mehrere politische Sitzungen dazu, sondern auch eine Einwohnersammlung. Am Ende kam eine große Wunschliste heraus, von der der Kreis die meisten Anliegen auch umsetzen will.

Zum Beispiel beschloss der Verkehrsausschuss, dass der Kreis fortan die Kosten für die Schleife der Linie 8102 über das Gewerbegebiet Süd-Ost an der A 1 übernimmt. Bislang hatte die Stadt das gemacht. Die Linie 8102 ist die am stärksten nachgefragte Verbindung im Stadtverkehr Bad Oldesloe. Insbesondere die Haltestelle Famila ist mit mehr als 30 Ein- und Aussteigern pro Tag eine der stärker genutzten Haltestellen auf dieser Linie.

Unter dem Motto „Eine Stadt – ein Tarif“ wollte Bad Oldesloe einen einheitlichen Fahrpreis für die Nutzung der Busse sowie des Anruf-Sammel-Taxis (AST). Dieses Ansinnen lehnte der Kreis jedoch ab mit dem Verweis auf den zusätzlichen Komfort, dass die Fahrgäste vor der Haustür aussteigen können. Allerdings können die Oldesloer fortan mit Wochen- oder Monatskarten das AST nutzen – mit der Einschränkung, dass dies nur für Linien gilt, die nicht stündlich bedient werden. Und davon wiederum gibt es gar nicht so viele, so dass die Einnahmeverluste von der Kreisverwaltung als gering eingeschätzt werden.

Netz Nordstormarn

Das Netz Nordstormarn ist aufgeteilt in zwei sogenannte Lose. Im ersten befinden sich Buslinien vorwiegend nördlich von Bad Oldesloe mit insgesamt 1,3 Millionen Fahrplankilometern, im zweiten Los Linien südlich der Kreisstadt mit rund 500 000 Fahrplankilometern. Für die Unternehmen ist es möglich, auf ein Einzellos oder das Gesamtpaket zu bieten.

Bislang gibt es vier unterschiedliche Verträge für vier Netze, die jetzt erstmals unter dem Netz Nordstormarn zusammengefasst werden. In diesen vier Netzen fahren hauptsächlich die Autokraft und Dahmetal.

Vertagt wurde die Entscheidung, den Bereich Pölitzer Weg/Hebbelstraße/Neubaugebiet Kampstraße in den Busverkehr einzubeziehen. Das könne immer noch auch nach der Vergabe geschehen, hieß es. Gescheitert ist die Stadt indes mit ihrem Antrag, den Takt der Stadtverkehrslinien 8101, 8102 und 8103 von 60 auf 30 Minuten zu halbieren. Alle drei Linien seien zwar gut ausgelastet, so Björn Schönefeld, ein Halbstundentakt sei aber noch nicht erforderlich. Weil die Zahlen der Fahrgäste weiter steigen, sei jedoch eine Finanzierung durch den Kreis zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen. Eine Taktverdichtung würde rund 80 000 Euro pro Jahr kosten. Dem Antrag, die genannten Stadtverkehrslinien sonnabends statt bis 14 Uhr fortan bis 18 Uhr fahren zu lassen, stimmte der Verkehrsausschuss jedoch zu.

Außerdem wichtig für die Unternehmen, die sich um die Vergabe des Netzes bewerben: Bei Neufahrzeugen für den Oldesloer Stadtverkehr müssen sie zwei Rollstuhlplätze vorhalten.

Erstmals echter Stadtverkehr in Bargteheide: In Bargteheide soll erstmals überhaupt ein echter innerstädtischer ÖPNV aufgebaut werden – so wie es ihn in Bad Oldesloe, Reinfeld und Ahrensburg längst gibt. „In Bargteheide ergeben sich zwei wesentliche Handlungsbedarfe“, erklärt Experte Schönefeld. Zum einen sie dies die Anbindung des Gewerbegebietes, die neben der Stadt auch von Unternehmen gewünscht wird, und zum anderen die ÖPNV-Anbindung von bis heute unversorgten Wohngebieten. „Eine erfreuliche Weiterentwicklung des ÖPNV“, stellten sowohl der Ausschussvorsitzende Hans Helmut Enk (CDU) als auch Grünen-Verkehrsexperte Germer und Reinhard Niegengerd von der SPD fest.

Die Gewerbebetriebe sollen in Abstimmung mit den Ankunft- und Abfahrtzeiten dem Zugverkehr der Regionalbahn 81 (von und nach Hamburg) mit Stadtbussen angebunden werden. Vorbehaltlich einer Kostenbeteiligung der betroffenen Betriebe von 50 Prozent erfolgt für die Dauer von zunächst zwei Jahren eine Taktverdichtung auf 30 Minuten sowie eine Ausdehnung der Betriebszeit auf 22 Uhr. „Die Taktverdichtung wird auf den ganzen Tag ausgedehnt, um Beschäftigten in Teilzeit die Möglichkeit zu geben, dass ÖPNV-Angebot zu nutzen“, erklärt Schönefeld. Nach anderthalb Jahren soll geprüft werden, wie das Angebot angenommen und möglicherweise verlängert wird. Auf der Linie liegen unter anderem auch der Famila- und der Aldi-Markt. Der Kreis übernimmt allerdings nur die Kosten stündliche Fahrten. Den 30-Minuten-Takt müsste die Stadt Bargteheide finanzieren.

Das Busnetz Nordstormarn wird neu ausgeschrieben. Darin enthalten sind zahlreiche Verbesserungen vor allem für Bad Oldesloe und Bargteheide.

Daneben gibt es in Bargteheide einige Wohngebiete (südlich Tremsbütteler Weg, Siedlung zu den Fischteichen, Gebiet zwischen Jersbeker und Alter Landtstraße), die nicht an das ÖPNV-Netz angeschlossen sind und nun in das Anruf-Sammel-Taxi-Angebot Bargteheide-Umland integriert werden – mit dem mittelfristigen Ziel, auf ein Liniensystem mit Kleinbussen zu erweitern.

Mit dem Sammeltaxi über die Dörfer: Im Anruf-Sammeltaxi (AST) Bargteheide-Umland (Linie 8119) soll erstmals eine Bedienung zwischen den Gemeinden bzw. Ortsteilen umgesetzt werden. Es ist laut Verwaltung ein Versuchsballon, um zu gucken, wie stark das Angebot dann genutzt wird und welche Kosten entstehen. Bisher konnte das AST im Umland nur für Fahrten in Verbindung mit dem zentralen Ort – hier Bargteheide – genutzt werden. In folgenden Korridoren sollen Fahrten von Gemeinde zu Gemeinde ermöglicht werden: Jersbek – Bargfeld-Stegen – Bargfeld-Stegen-Krankenhaus – Nienwohld – Wiemerskamp; Fischbek – Sattenfelde – Elmenhorst; Hammoor – Todendorf – Steinburg (Mollhagen, Eichede, Sprenge). Innerhalb von Gemeinden bzw. Ortsteilen soll es nach wie vor keine Möglichkeit geben, das AST für Kurzfahrten zu nutzen, da das Verhältnis von Leer- zu Nutzfahren ansonsten laut Verwaltung einen wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr zulässt.

Markus Carstens

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