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Buße mit der Werkzeugkiste

Ahrensburg Buße mit der Werkzeugkiste

Der Oldesloer Verein „Guss“ bietet Hilfe für straffällig gewordene Jugendliche an. Diese können dann ihre Sozialstunden dort ableisten — und zugleich noch etwas lernen. So wie derzeit bei einem Projekt in Ahrensburg.

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Das sind nicht die jugendlichen Straftäter: Tina Brockmann (v.l.), Kimberly Köster, Jan Hitzeroth, Thomas Günther und David Puschendorf helfen beim Projekt.

Quelle: Foto: Bettina Albrod

Ahrensburg. „Wählen wir mal irgend einen Namen wie Sven“, beginnt Thomas Günther vom Verein „Gefährdeten und Straffälligenhilfe Stormarn“, kurz „Guss“. „Sven ist 17 und war mit Freunden bei einer Fete, dann kamen andere dazu, dann flogen Flaschen und Fäuste und Svens Faust hat getroffen.“ Die Geschichte führt den fiktiven Sven erst vors Amtsgericht und dann in die Pflicht, 30 Sozialstunden für das Gemeinwohl abzuleisten. Doch Sven geht noch zur Schule, und Wochenende stellt er sich anders vor.

Hier bietet das Spielplatz-Bauprojekt von „Guss“ eine Möglichkeit, wie Jugendliche ihre Sozialstunden ableisten und dabei auch noch was lernen können. Am Jugendtreff Hagen in Ahrensburg haben jetzt fünf junge Männer aus dem Kreis Stormarn unter Anleitung eines Handwerkers und des Therapeuten Jan Hitzeroth mehrere Spielgeräte gebaut.

„Damit möchten wir den jungen Männern die Möglichkeit geben, im Rahmen ihrer Arbeitsauflagen einen sinnvollen Beitrag zu leisten, der pädagogisch begleitet wird“, erläutert Tina Brockmann von „Guss“

das Projekt, das zum zweiten Mal stattfindet und von der Stadt Ahrensburg finanziell unterstützt wird. Zwischen 17 und 20 Jahre sind die jungen Männer alt, die eine Pergola und zwei Klettergerüste zimmern, von denen aus man Äpfel pflücken kann. Auch einen Rodelberg haben sie schon aufgeschüttet und das Gerüst für ein Eingangstor gebaut. „Mit den fünf Tagen Arbeit im Projekt leisten die Jugendlichen 30 Sozialstunden“, so Günther. „Dabei erkennen sie, dass sie nicht nur destruktiv, sondern auch konstruktiv sein können.“ Zusätzlich bekommen sie Getränke, Kekse und werden gut bekocht.

Ziel des Vereins ist es, Hürden abzubauen, um die Sozialstunden abzuleisten, denn längst nicht jeder taucht für die aufgebrummte Arbeit auch auf. In Ahrensburg sind fünf von zehn Jugendlichen gekommen. Der Rest muss erneut vor dem Richter erscheinen und schlimmstenfalls in Jugendarrest. Dann lieber Schippe, Hammer und Nägel: „Die Jugendlichen machen hier etwas Bleibendes und erleben teilweise erstmals einen geregelten Tagesablauf“, erzählt Hitzeroth. „Am Anfang ist es oft schwierig, aber dann sind sie schnell motiviert und mit Spaß bei der Sache.“ Mancher habe über die Arbeit schon einen Berufswunsch entdeckt. „Einer wollte danach Zimmermann werden.“

Hitzeroth bemüht sich in solchen Fällen um Vermittlung an Handwerksbetriebe, sei es über ein Praktikum oder zur Beratung. Und wenn die Jugendlichen nur das Erfolgserlebnis mitnehmen, hat es sich für „Guss“ schon gelohnt. „Das sind Jugendliche, deren Leben vom Misserfolg geprägt ist. Hier können sie für das geradestehen, wofür sie verurteilt wurden.“

5500 Euro kostet das Projekt, das der Verein bezahlt, der seinerseits aus Bußgeldern finanziert wird, zu denen Täter vor Gericht verurteilt werden. „Jugendkriminalität ist männlich“, erklärt Günther, „das Verhältnis liegt bei 90 zu 10.“ Die Organisatoren geben sich nicht der Illusion hin, dass das Projekt therapeutisch hilft, aber es gibt Impulse. „Hinterher können die Jugendlichen ein Erfolgserlebnis mitnehmen.“

Ausgleichsfonds aus Bußgeldern
Der Verein Guss sitzt in Bad Oldesloe und wurde 1998 von Jugendhilfe und Justiz gegründet. Er kümmert sich um die Förderung von kriminalpräventiven Projekten, um die Integration junger Straftäter und um soziale Strafrechtspflege sowie um den Täter-Opfer-Ausgleichsfonds.

Dieser Fonds wird aus Bußgeldern bestückt und zur Vergabe zinsloser Darlehen an junge Straftäter genutzt, die Schmerzensgeld zahlen müssen. Dadurch soll ein Täter-Opfer-Bezug hergestellt werden.

• Internet:
www.guss.stormarn.de

Bettina Albrod

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