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Carl Christian Thegen: Knecht und Künstler

Bad Oldesloe Carl Christian Thegen: Knecht und Künstler

Einige Aquarelle von Bad Oldesloes Laienmaler werden am heutigen Mittwoch ab 14 Uhr zu seinem 133. Geburtstag im Foyer der Oldesloer Auferstehungskapelle, Lindenkamp 99, gezeigt.

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Tiere stehen bei fast allen Thegen-Bildern im Mittelpunkt. Sie waren die besten Freunde des naiven Malers aus Bad Oldesloe.

Bad Oldesloe. Der Oldesloer Laienmaler Carl Christian Thegen (1883 bis 1955) erfährt mit einer Gedenktafel für sein Armengrab erneut eine späte Ehre. Zu seinen Lebzeiten nahm kaum jemand den Gelegenheitsarbeiter als Künstler wahr. Mittlerweile zieren seine naiven Bilder Museen und Galerien bis hin nach New York. Einige seiner Aquarelle von privaten Sammlern werden heute, 14 Uhr, zu seinem 133. Geburtstag, im Foyer der Oldesloer Auferstehungskapelle, Lindenkamp 99, gezeigt.

LN-Bild

Einige Aquarelle von Bad Oldesloes Laienmaler werden heute zu seinem 133. Geburtstag in der Friedhofskapelle gezeigt.

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„Man ist gut aufgehoben bei Bildern! Was soll sonst das Leben? Ist doch ein Jammer!“ druckte „Die Zeit“zu einer Ausstellung 1981 in Hamburg ein Zitat des 1955 verstorbenen naiven Künstlers aus Bad Oldesloe. Während seine Werke in der Kunstszene Beachtung finden und für tausende Euro angeboten werden, ist der Monarch, wie Wanderarbeiter früher genannt wurden, in seiner Geburtsstadt weitgehend in Vergessenheit geraten.

Dem Journalisten Franz W. Kuck (77) ist es überhaupt nur zu verdanken, dass seit drei Jahren immerhin ein von Oldesloer Bürgern gespendeter Stein sein Grab ziert. Und nur durch den heute 96-Jährigen einstigen Friedhofsgärtner Hugo Erdmann, der damals an Thegens Armengrab eine Birke pflanzte, konnte die Grabstelle auf dem fast 17 Hektar großen Friedhofsgelände überhaupt wiedergefunden werden.

Ansonsten erinnert im Wohngebiet Steinfelder Redder eine 154 Meter lange Straße an den Oldesloer Künstler. Fotos von ihm gibt es kaum. Bekannt ist eine Fotografie, die den etwas gekrümmt daherschlurfenden Arbeiter mit großem Hut und Knotenstock zeigt. Zudem hat er dem Hamburger Maler und Architekten Emil Maetzel Modell gestanden, durch den Thegen 1933 überhaupt erst zur Malerei kam.

Bei der Gartenarbeit in Volksdorf hatte der Oldesloer Monarch dem Maler an seiner Staffelei über die Schulter geschaut. „Dat kann ik ook un noch veel beter als Se dat künn“, soll Thegen gesagt haben.

Die Motive hatte der Oldesloer bereits im Kopf. Sie waren in seiner Vorstellung so genau, dass er sie ohne Schwierigkeiten nach außen aufs Papier projizieren konnte. In bunten Farben malte er alles das, was er erlebt, gesehen oder gelesen hatte. Sein Erstlingswerk soll ein Bauernhof gewesen sein. Es folgten Szenen aus der Landwirtschaft, vom Zirkusleben, aus Wildwest-Filmen und Indianer-Romanen. Im Mittelpunkt standen meist die Tiere, seine besten Freunde. Viele Menschen – bis auf Clowns – zeichnete er im Profil. Clown, so soll er gesagt haben, „kann man nur von vorn sein“.

Er muss es wissen. Schließlich trat er selbst einst als Clown auf. Im Heiligengeistviertel aufgewachsen, wo sein Vater eine Schusterwerkstatt betrieb, begann er eine Schlachterlehre, die er wieder abbrach. Um mit 19 Jahren zu einem Wanderzirkus zu gehen. Es gab fast nichts, was er nicht ausprobierte. Zu Fuß brachte er Tiere nach Hamburg, war Jahrmarktsgehilfe, arbeite als Tierwärter bei Hagenbeck, war Erntehelfer. Thegens Versuch, sich mit erspartem Geld selbstständig zu machen, scheiterte: Das kleine Kinderkarussell warf nicht genug ab.

1914 bis 1918 kümmerte er sich auch als Soldat um Pferde. Das Gefängnis kannte Thegen ebenfalls von innen. Doch wenn ihn jemand nach dem Warum fragte, bekam er nur zur Antwort, dass er ja nicht wissen konnte, dass das Mädchen noch nicht 14 Jahre alt war. 1939 bis 1947 hat der Oldesloer in einer Pflegeanstalt verbracht, in Ochsenzoll. Über diese Zeit soll Thegen nie etwas erzählt haben.

Das malerische Talent, das in ihm steckte, hat sich in seiner Kindheit noch nicht abgezeichnet. In der Schule hat es der heute als einer der besten naiven Maler Deutschlands gelobte Thegen im Zeichnen nur auf eine Vier gebracht. Er selbst schenkte später allerdings Kindern Bilder, soll sie aber auch mit Fratzen und Sprüchen erschreckt haben.

Thegen starb 1955 durch den Sturz von einem Heuboden in der Oldesloer Bahnhofstraße. Zu der Zeit soll er bereits viel Alkohol getrunken haben.

Aquarelle auf Tapetenresten

Die erste Thegen-Ausstellung gab es 1947 in Lübeck. Doch die Teilnahme an dieser und anderen Ausstellungen bis hin nach Zürich 1952 interessierten den Oldesloer nicht. Schließlich kannte er seine Bilder ja. Mit Museen verband er zudem Gemälde von nackten Frauen.

Aus Mangel an Papier entstanden viele Aquarelle von „Krischan“ Thegen auf Tapetenresten – auch beidseitig. Sein richtiger Vorname soll übrigens Christoph Carl gewesen sein, wie er es auch auf einem seiner Aquarelle signierte.

 Susanna Fofana

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