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Stormarn Chinesische Kicker besuchen ihren Torwart in Neverstaven
Lokales Stormarn Chinesische Kicker besuchen ihren Torwart in Neverstaven
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22:00 23.09.2016
Dr. Bernhard Weßling mit seinen Sportsfreunden. In China nehmen Teams stets so eine entschlossene Haltung vor dem Anpfiff ein. Quelle: Fotos: Dvd

Duftende Bratkartoffeln und deftige Schnitzel: Was hierzulande vielen das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, auf die chinesischen Besucher, die Dr.

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Dr. Bernhard Weßling mit seinen Sportsfreunden. In China nehmen Teams stets so eine entschlossene Haltung vor dem Anpfiff ein.

Bernhard Weßling nach Neverstaven eingeladen hatte, wirkte das zunächst ein wenig befremdlich. „Wenn ich bei ihnen Reis mit Stäbchen esse, können sie auch deutsche Kost vertragen“, hält er verschmitzt dagegen. Und letztlich stellte sich auch auf den Gesichtern der Gäste ein Ausdruck zufriedener Sättigung ein.

„Das ist eine von drei Fußballmannschaften, mit denen ich regelmäßig spiele“, stellte Weßling seine Freunde aus Shenzhen vor. Sie wollten einmal sehen, wie das zweite Zuhause ihres Torwarts aussieht und absolvierten ein touristisches Programm in der Region. Der Wissenschaftler und Unternehmer, der die Firma Zipperling in Ahrensburg mit zahlreichen Neuentwicklungen zum Erfolg führte, lebt nämlich selbst schon seit zwölf Jahren zwei Drittel des Jahres in China. Auf dem Gebiet des Korrosionsschutzes etwa war ihm ein großer Wurf gelungen. Er entwickelte ein organisches Metall, das sich zur Herstellung sehr haltbarer Beschichtungen wie etwa von Leiterplatten eignet. „Als Newcomer wurde ich damals nicht ernst genommen. Heute aber hat sich die Technologie durchgesetzt. Mit unseren Produkten haben wir einen Marktanteil von weltweit 25 Prozent“, erklärt der Unternehmer.

Da sein Know-how auch in China gefragt war, wanderte er 2000 mit der Produktion dorthin ab. Von der Idee, die Firma von Deutschland aus zu steuern, musste er sich aber verabschieden. Es gab zunehmend technische Probleme, auch die Organisation im neuen Werk schwächelte. So entschied er, 2005 ganz nach China zu gehen. „Wenn es irgendwo schieflief, habe ich die heißesten Feuer ausgetreten, aber nie gedacht, dass ich zwölf Jahre bleiben würde“, erzählt der Unternehmer. Heute macht er 80 Prozent seines ganzen Umsatzes in China.

Shenzhen war ihm wegen seiner Lage auf Anhieb sympathisch. „Von zu Hause aus gehe ich zu Fuß zur Fähre und brauche nur eine halbe Stunde, um nach Hongkong zu gelangen“, erzählt Weßling. Shenzhen sei mit 35 Jahren eine relativ junge Stadt und habe sich mit der Zeit vom Standort für Billigprodukte zu einem wichtigen High-Tech-Zentrum entwickelt, vergleichbar mit dem Silicon Valley in Kalifornien. Dort säßen die größten Elektronikfirmen und Forschungszentren von China.

Auch Weßling reizt es nach wie vor, noch nicht gelösten technischen Problemen auf die Spur zu kommen. Mehr als einmal deckte er auf, dass lange Zeit als gültig angesehene wissenschaftliche Prämissen falsch waren und stellte die Grundlagenforschung auf den Kopf, wie bei der Entdeckung leitfähiger Polymere. „Wenn ich nach Lösungen suche und nachdenke, speichere ich Bilder und Videos im Kopf. Sie kann ich jederzeit abrufen und miteinander vergleichen, um zu testen, ob die Theorie stimmt. Mit weiteren Analysen verfeinert sich das Bild. Und manchmal muss man sich von einer liebgewonnenen Meinung trennen. Es ist, als müsste man sich eine andere Brille aufziehen, um wieder klar sehen zu können“, beschreibt der Wissenschaftler seine Herangehensweise.

So wie Produkte und Technologien so erfindet sich Weßling auch von Zeit zu Zeit selbst. Im kommenden Jahr wird er sich langsam aus dem Unternehmerdasein zurückziehen und eher eine beratende Funktion in der Wirtschaft einnehmen. „Dann dreht sich das Verhältnis um und ich bin häufiger in Neverstaven als in China“, sagt der 65-Jährige. Er will sich für ökologische landwirtschaftliche Projekte engagieren. Und dann gibt’s auch wieder öfters Bratkartoffeln.

Weßling alias LaoWei

„Hier bin ich LaoWei“ so lautet der Titel des Buches, in dem Dr. Bernhard Weßling seine Erlebnisse aus den frühen Jahren in China schildert. 1996 gründete er Ormecon International, eine Firmengruppe im Bereich der Nanotechnologie in Ahrensburg. Er entdeckte er die „Organischen Metalle“, im Juni diese Jahres veröffentlichte er neue Erkenntnisse zur Turbulenztheorie.

 Dorothea von Dahlen

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