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Stormarn „Cola“ macht Senioren glücklich
Lokales Stormarn „Cola“ macht Senioren glücklich
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13:42 12.11.2017
Maike Harms besucht mit Begleithund „Cola“ die 104 Jahre alte Ella Mikschas im Seniorenhaus der Johanniter am Königssee in Bad Oldesloe. Quelle: Foto: Dvd
Bad Oldesloe

Heute wartet Ella Mikasch im Aufenthaltsraum auf den flauschigen Vierbeiner. Die 104-Jährige ist zwar schon erblindet, doch wenn „Cola“ schwanzwedelnd auf sie zuhält, weiß sie: Abwechslung naht. Auch jetzt vergräbt sie ihre Hand wieder im Fell der Besucherin und lächelt dabei versonnen. „Du bist der Beste“, sagt sie und steckt der Hündin ein Leckerli zu. „Cola“ nimmt ihr diese Verwechslung nicht übel.

Schulung der Malteser

Besuchshunde überwinden soziale Barrieren, öffnen Herzen und schaffen eine entspannte Atmosphäre. Sie sollten mindestens 18 Monate alt sein, guten Grundgehorsam mitbringen, ein positives Sozialverhalten und große Toleranz gegenüber ungewöhnlichen Situationen haben. Wer Interesse an einer Schulung hat, erhält weitere Infos unter der Adresse thomas.kleibrink@malteser.org.

Freilich macht sich die kleine Helferin nicht allein auf den Weg ins Pflegeheim. Gemeinsam mit ihrer Chefin Maike Harms bildet sie ein perfektes Team, das sich um jene Bewohner des Seniorenhauses kümmert, die kaum oder gar keinen Besuch bekommen. „Die Leute freuen sich so sehr, wenn ’Cola’ kommt. Sie wollen uns manchmal gar nicht mehr gehen lassen“, erzählt die Oldesloerin.

Gut tut der ehrenamtliche Dienst aber offenbar nicht nur den Senioren. Als exzellente Hundekennerin weiß Maike Harms, dass die meisten Vierbeiner aufblühen, wenn man ihnen eine solch sinnvolle Aufgabe überträgt. Viele Jahre hat die Oldesloerin als Trainerin agiert, Rettungs- und Fährtenhunde ausgebildet. Als eine der ersten ihrer Zunft eröffnete sie schon vor 20 Jahren eine Benimmschule für Vierbeiner in Bad Oldesloe, von der logischer Weise auch die Halter profitierten. Seit 1985 züchtet sie zudem Golden Retriever, fungiert im Zuchtverein als Richterin, nimmt Gehorsamkeitsprüfungen ab, unterzieht angehende Zuchttiere eines Wesenstests. „Ängstliche oder aggressive Tiere bekommen von uns keine Zulassung, damit das nette Wesen der Rasse erhalten bleibt“, lautet die Erklärung der erfahrenen Hundehalterin.

Mehr aus Neugier meldete sie sich beim Stormarner Malteser Hilfsdienst mit ihrem Hund zum Eignungstest für Besuchshunde an. „Es war eigentlich ein Testballon. Ich wollte mal sehen, wie sie bei ihren Wesenstests vorgehen“, erzählt die 53-Jährige. Der Erfolg war durchschlagend. Ihre Hunde „Cola“ und „Fussel“ wurden gewissermaßen vom Fleck weg engagiert, so begeistert waren die Gutachter von der entspannten Art der Vierbeiner.

Von ihren Besuchen im Seniorenhaus am Königssee weiß Maike Harms, dass eigentlich noch viel mehr „Besuchsgespanne“ gebraucht werden, um noch mehr Menschen Freude zu bereiten. Geeignet sind ihrzufolge sämtliche Rassen vom großen Labrador bis hin zum kleinen Jack-Russel-Terrier oder Pinscher. „Nur eines ist nicht gewünscht: sie dürfen nicht nervös sein oder Angst haben vor Rollstühlen etwa oder fallenden Gegenständen“, berichtet die Expertin. Ein gerüttelt Maß an Gehorsam müsse auch gewährleistet sein. „Den Leuten das Stück Kuchen stibitzen, das geht gar nicht.“ Beim Wesenstest werde auch geprüft, wie tolerant die Vierbeiner sind. Schließlich seien einige Senioren nicht mehr in der Lage, ihre Bewegungen zu koordinieren. Selbst wenn sich ihre Hände verkrampften und kräftiger als gewollt zupackten, dürfe der Hund keine Abwehrreaktion zeigen und zuschnappen. „Als Halter versucht man natürlich, rasch zu helfen und den schmerzhaften Zugriff zu lockern. Aber im ersten Moment muss der Hund alles tolerant über sich ergehen lassen“, erzählt Maike Harms.

Wie sie berichtet, hat sich der positive Effekt, den Vierbeiner auch insbesondere auf demente Senioren ausüben, inzwischen überall herumgesprochen, so dass der Bedarf an Betreuungsteams stetig wächst. Die Malteser suchen immer wieder neue Teams. Die Ausbildung dauert zwei Monate und umfasst 40 Stunden. Um die Lizenz für Besuche in einem der Seniorenhäuser in Bad Oldesloe, Ammersbek, Lütjensee oder einer Schule für lernbehinderte Kinder zu bekommen, muss eine Abschlussprüfung in einem Stormarner Pflegeheim abgelegt werden.

 Dorothea von Dahlen

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