Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Das Aus der Produktionsschule reißt empfindliche Lücke
Lokales Stormarn Das Aus der Produktionsschule reißt empfindliche Lücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:22 03.09.2013

Durch die Schließung der Produktionsschule entsteht offenbar eine empfindliche Lücke in der Betreuung sozial benachteiligter Jugendlicher. Das sagen Vertreter von Verwaltungen und Hilfsorganisationen aus der Kreisstadt unisono.

„Die Stadt hatte eine sehr intensive Beziehung zur Produktionsschule“, berichtet Vizebürgermeister Horst Möller. Die Mitarbeiter des Fachbereichs Soziales im Oldesloer Rathaus hätten viele gemeinsame Projekte mit der Einrichtung ins Leben gerufen, um Jugendliche, die keinen guten Start ins Leben hatten, zu unterstützen. In der Schule hätten sie erstmals die Erfahrung machen können, dass eine berufliche Tätigkeit mit Anerkennung verbunden ist. Zudem seien die Jugendlichen aus der Holzwerkstatt der Schule beim Bau des Abenteuerspielplatzes am Schanzenbarg beteiligt gewesen. „Unsere Verwaltung hofft, dass es noch alternative Möglichkeiten zur Finanzierung der Schule gibt. Denn für die Jugendlichen aus problematischen Verhältnissen gibt es sonst keine Chance“, sagt Möller.

Mit Bedauern hat auch Wiebke Finck, Vorsitzende des Vereins Oldesloer Alternative Soziale Einrichtung (Oase) das Aus der Schule aufgenommen. „Ich war wie vor den Kopf geschlagen, als ich es hörte“, sagte sie. Dass solche sozialen Projekte zeitlich befristet werden, sei zu kritisieren. Es würden Dinge angestoßen, und wenn sie gut laufen, wieder zerschlagen. Das sei extrem bedauerlich. Letztlich werde viel Geld in den Sand gesetzt. Im kommenden Jahr stehe die Oase selbst vor dem Problem der weiteren Finanzierung. Als der Verein ins Leben gerufen wurde, sei die Notwendigkeit einer Einrichtung nicht allgemein anerkannt worden. „Doch die Leute haben mit den Füßen entschieden. Für Mehrgenerationenhäuser gibt es ebenso einen Bedarf“, sagte Wiebke Finck.

Als einer von vielen Kooperationspartnern der Schule äußerte sich auch Kristin Schwarz-Klatt. Viele Jugendliche, die die Produktionsschule besuchten, nahmen auch die Hilfe der Migrations-Sozialarbeit beim Diakonischen Werk des Kirchenkreises Plön-Segeberg in Anspruch, deren Leiterin sie ist. „Es stellt sich die Frage, wie der Verlust der Schule aufgefangen werden soll“, sagte sie im LN-Gespräch.

Schließlich sei sie nicht aus fachlichen Gründen oder weil ihre Arbeit überflüssig ist geschlossen worden, sondern weil zu wenig Geld für die Arbeitsförderung bereitgestellt werde. „Man wird sehen, was das Jobcenter mit den gekürzten Mitteln überhaupt noch anbieten kann“, fragt sich Kristin Schwarz-Klatt.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Birte Kruse-Gobrecht, kennt die Produktionsschule noch aus Zeiten, da sie selbst im Jobcenter tätig war und über die Bewilligung des Projektes zu entscheiden hatte. „Ich fand die Arbeit der Produktionsschule sehr wichtig und war mehr als überrascht, als ich hörte, dass sie jetzt schließen soll“, erzählte sie. Das Konzept der Schule sei schlüssig gewesen und habe vielen Jugendlichen den Weg zu einem eigenständigen Leben verholfen. Sie zu unterstützen sei eine Investition in die Zukunft. Letztlich diene es der Volkswirtschaft, wenn die Jugendlichen keine Sozialleistungen mehr nötig haben.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kreisweit wird mit zahlreichen Veranstaltungen auf die Situation von Kindern hingewiesen.

03.09.2013

Ihr Motto: Zähneputzen, das bringt Nutzen. Viola Dähling zeigte, wie es richtig gemacht wird.

03.09.2013

In Ahrensburg hat sich der Vietnamesische Kulturverein Stormarn gegründet.

03.09.2013
Anzeige