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Das Ehrenamt boomt wie noch nie

Bad Oldesloe Das Ehrenamt boomt wie noch nie

Ehrenamtler sind in vielen Bereichen aktiv. Herausragend ist derzeit kreisweit das Engagement für Asylsuchende.

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Bad Oldesloe. Bis vor einigen Tagen war es noch nicht so muggelig warm am Oldesloer Poggensee. Aber Lebensretter kennen keinen Schmerz. Und so übte das junge DRLG-Team aus Bad Oldesloe bei heute unvorstellbaren 16 Grad, wie erschöpfte Badende mit dem neuen Rescue-Board aus dem Wasser geholt und vor dem Ertrinken bewahrt werden können. Auf Einsätze dieser Art haben sich Emilia Ramm (17), Steffen Buchholz (20) und Tom Klatt (18) im Oldesloer Naturfreibad also bestens vorbereitet.

Die gesamte Badesaison über schieben die drei Strandwache in Heiligenhafen. Welch brenzlige Situationen da auftreten können, hat Steffen Buchholz schon erlebt. „Ich musste den Einsatz am Funkgerät koordinieren, als jemand im Meer einen Schlaganfall erlitt“, erzählt er. Sogar der Rettungshubschrauber schwebte damals ein, um den Mann schleunigst ins Krankenhaus zu transportieren.

„Das ist aber nur ein Teil unserer ehrenamtlichen Arbeit. Im Grunde geht es um Prävention. Heutzutage können 70 Prozent der Grundschüler nicht mehr schwimmen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ihnen Unterricht geben“, berichtet Emilia Ramm. Sie selbst trat der DRLG schon als Kind bei und ist nach wie vor begeistertes Mitglied. „Wir sind eine tolle Gemeinschaft. Ich habe so viele Freunde in ganz Deutschland. Dieses Gefühl möchte ich nicht mehr missen“, sagt sie.

So wie die drei Rettungsschwimmer engagieren sich zahlreiche Stormarner in ihrem Umfeld fürs Gemeinwohl – egal ob sie Freizeitaktivitäten für Jugendliche oder Senioren gestalten, an einer Tafel für sozial Benachteiligte mitwirken, freiwilligen Sanitätsdienst leisten oder sich um den Tier- oder Umweltschutz verdient machen. Die Liste der Betätigungsfelder scheint endlos.

„Ich habe noch nie so viele Ehrenamtler auf dem Plan gesehen wie jetzt. Es ist unglaublich, wie groß die Begeisterung der Leute ist, sich zu engagieren. Das ist neu“, sagt Karin Linnemann, Leiterin der Volkshochschule (VHS) Bad Oldesloe. Einige würden sich vorhandenen Vereinen oder auch Wohlfahrtsverbänden anschließen, es seien aber auch „viele frei flottierende unterwegs.“

Die VHS-Chefin ist gleich mehrfach mit dem Thema Ehrenamt befasst. So laufen bei ihr die Fäden für das Projekt „Senior-Trainer“ zusammen, das ältere Menschen im Rentenalter motiviert, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Entstanden sind Lesepatenschaften in Kindergärten und Schulen sowie ein Reparaturcafé, in dem fachlich versierte Senioren helfen, kaputte Geräte wieder flottzumachen oder das Projekt „Dialog in Deutsch“, das Volker Dünnes (73) mit jungen engagierten Oldesloern für Migranten anbietet.

Nicht zuletzt veranstaltet die VHS schon die vierte Fortbildung für Ehrenamtler, die sich – vermittelt durch die Migrationssozialberatung des Diakonischen Werks – um Flüchtlinge in der Region kümmern. Ein Erfolg, mit dem Linnemann so nie gerechnet hätte.

Die Bereitschaft, sich in der Freizeit für die Menschen einzusetzen, in deren Heimatländern der Bürgerkrieg tobt oder religiöse Fanatiker Terror ausüben, ist in ganz Stormarn besonders groß. Die Kreisverwaltung hat fast 40 Initiativen ausgemacht, die Neuankömmlinge betreuen, wobei die Liste noch nicht vollständig und die Zahl wahrscheinlich höher ist. Dagegen dürfte feststehen, dass viele Stormarner über die Flüchtlingshilfe erst zum Ehrenamt gefunden haben.

Das bestätigt auch Albrecht Werner, Koordinator und Sprecher der überaus aktiven Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl. „Zu uns ist eine große Zahl wunderbarer Menschen gekommen, die Fürchterliches erlebt haben“, erzählt er. Schon 2013 seien die ersten 17 Flüchtlinge in der Stadt sehr herzlich empfangen worden. Dieses positive Gefühl sei nie abgerissen. Im Gegenteil, je mehr Menschen in die Stadt gekommen seien, desto mehr Freiwillige hätten sich gemeldet, um zu helfen.

„Viele Menschen kamen ja anfangs nur mit der Aldi-Tüte. Sie hatten nicht mal warme Kleidung“, erzählt Werner. Ohne groß zu fragen, hätten die Reinfelder Ehrenamtlichen neu eintreffende Asylsuchende mit zur Kleiderkammer genommen und ihnen die wichtigsten Einrichtungen in der Stadt gezeigt.

Bis die Neuankömmlinge genug Deutsch können, um sich selbst zu orientieren, begleiten Freiwillige die Neuankömmlinge auch zu Behörden und zu Ärzten oder gehen bei der Wohnungssuche zur Hand. „Und zwar jeder nach seinen Möglichkeiten: Wer ein großes Fahrzeug hat, hilft bei Transporten, Handwerker setzen ihre Fähigkeiten beim Einrichten einer Wohnung ein“, erzählt Werner. Ihm zufolge sind auch viele Schüler mit von der Partie. Sie bieten Sprachpatenschaften an oder sammeln Spenden in Supermärkten im Rahmen der Aktion „Kauf etwas mehr“. Werner zufolge werden noch Freiwillige in Reinfeld gesucht, damit die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden können.

Was wird sein, wenn die Jahre ins Land gegangen sind und aus Flüchtlingen Stormarner mit Bleiberecht geworden sind? Nach seinen Visionen befragt, sagt Albrecht Werner, er denke schon, dass sich perspektivisch sesshaft gewordene Asylsuchende später auch selbst gesellschaftlich engagieren werden. „Es kommt auch auf das Alter und die psychische Verfassung an. Stark traumatisierte Menschen werden sich sicher eher zurückhalten“, sagt Werner. Doch schon jetzt gebe es Anzeichen, dass viele Flüchtlinge das Bedürfnis hätten, etwas zurückzugeben von der Fürsorge und Aufmerksamkeit, die ihnen selbst zuteil geworden sei. Einige würden ganz selbstverständlich bei der Essensausgabe der Tafel mithelfen, in der Kleiderkammer des DRK mitwirken oder beim Ausschank des „Cafés des Kulturen. Wie sich die Entwicklung in den Folgejahren vollziehe, sei schwer vorherzusagen. Es gebe aber Anzeichen, dass die Integration der Asylsuchenden dank des Ehrenamts gut gelinge.

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 Dorothea von Dahlen

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