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Stormarn Das Fahrrad darf nicht Bus fahren
Lokales Stormarn Das Fahrrad darf nicht Bus fahren
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12:46 03.01.2016
Bussteig am Oldesloer Bahnhof ohne Radmitnahme. Quelle: Fotos: Ba/*a. Meyer

Wer sein Fahrrad in der Bahn mitnimmt, hat Pech, wenn zwischendrin die Bahn nicht fährt und auf Schienenersatzverkehr ausgewichen werden muss: Die Busse in Schleswig-Holstein sind für die Mitnahme von Rädern nicht geeignet. Diese Erfahrung hat Rolf Sintram-Nölting aus Lübeck schon häufiger gemacht. Angesichts der Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke für die S4 regte er in einem Schreiben an die DB Regio AG jetzt an, doch künftig Busse einzusetzen, die für eine Radmitnahme beispielsweise mittels Fahrradanhänger geeignet seien.

Schließlich sei Schleswig-Holstein ein Tourismusland. „Es ist absolut unverständlich, dass in einem Tourismusland und bei vielen Pendlern nicht einmal bei langfristiger Planung (zum Beispiel Belttrasse oder S-Bahn Hamburg—Lübeck) kein Schienenersatzverkehr geplant wird, wo man Fahrräder mitnehmen kann“, heißt es in einem Schreiben Sintram-Nöltings an die LN. Er warnt davor, dass Kunden mit ökologischem Bewusstsein dann wieder vermehrt das Auto nutzen würden. „Insbesondere im Tourismusland Schleswig-Holstein sollte das selbstverständlich eingeplant werden“, so Sintram-Nölting.

Bei der Deutschen Bahn gibt es keine Pläne für spezielle Fahrrad-Busse. „Der Schienenersatzverkehr nimmt aufgrund der Enge keine Räder mit“, erläutert Egbert Meyer-Lovis, Leiter und Sprecher Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Deutschen Bahn. „Es ist auch nicht geplant, Busse einzusetzen, die die Fahrradmitnahme ermöglichen.“ Zum einen hätten die Busse, die im Schienenersatzverkehr eingesetzt werden, schon die maximale Größe, zum anderen gebe es bei den Bussen, die normalerweise als Linienbusse fahren, keine Möglichkeit für einen Fahrradanhänger. „Das gibt es nur für spezielle Ferienbusse“, so Meyer-Lovis. Für einen fahrradtauglichen Busverkehr müsste alles umgerüstet werden. „Die Deutsche Bahn hat keine eigenen Busse, auch wenn die Autokraft eine Tochter der DB ist. Die Busse werden im Bedarfsfall bei den Busunternehmen bestellt, nicht extra gebaut.“

Trotzdem macht Stefan Barkleit, Vorsitzender des Landesverbands Pro Bahn Schleswig-Holstein und Hamburg, Radfahrern für die Zukunft Mut. „Fahrradfreundlicher Schienenersatzverkehr ist definitiv ein Thema“, sagt er. Allerdings werde das Thema zunächst in der Region Lübeck—Puttgarden aktuell, wo der geplante Ausbau der Bahnstrecke zu Sperrungen führen werde. „Der Bereich zwischen Lübeck und Puttgarden ist tourismusaffin, dort wird über den Radtransport schon diskutiert“, sagt Barkleit. Der Bereich Hamburg—Lübeck sei noch in einem frühen Stadium, dort werde die Planung erst später konkret. „Es ist aber denkbar, dass dann auch dort über fahrradfreundlichen Schienenersatzverkehr nachgedacht wird.“

Bettina Albrod

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