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Das Konzert als gesungener Gottesdienst

Bargteheide Das Konzert als gesungener Gottesdienst

Bargteheider Kantorei verfügt über ein breites Repertoire.

Bargteheide. Kirchenmusik ist das A und C des Gottesdienstes und hat eine lange Tradition. Schon im 16. Jahrhundert sang ein Kirchenchor zur Begleitung des Gottesdienstes mit. Im 20.

Jahrhundert hat sich die Rolle der Kantoreien verändert. Längst werden nicht nur geistliche Lieder gesungen, und über die Gottesdienste hinaus beteiligen sich die Kantoreien an eigenständigen Konzertprogrammen der Kirchengemeinden. „Chormusik ist gesungener Gottesdienst“, erklärt Kantor Andis Paegle, Kirchenmusiker in Bargteheide.

Weihnachtsoratorium oder Messen seien nichts anderes als vertonte Gottesdienste. Doch längst habe eine Kantorei auch neue und sakrale Musik im Programm, die eigenständig sei und sich vom Wortgottesdienst gelöst habe. „Die Kantorei hat sich weiter entwickelt und singt nicht mehr nur noch zur Begleitung des Gottesdienstes.“

Den Anstoß dafür gab in der Bargteheider Kantorei Dietrich Chappuzeau. „Die Bargteheider Kantorei gibt es schon seit über 40 Jahren“, so Paegle. „1973 kam Chappuzeau und hat frischen Wind hinein gebracht.“ Dazu hatte sich auf seine Initiative 1974 der Förderverein Bargteheider Kirchenmusik zur Unterstützung gegründet. Unter Leitung des Kirchenmusikers nehmen die Sänger seitdem große Orchesterwerke in ihr Repertoire auf.

„Das hat die Konzerte in die Kirche rein geholt“, sagt der Kantor. Heute bietet die Kirchengemeinde das ganze Jahr über ein anspruchsvolles Konzertprogramm an, das durch Gastinterpreten ergänzt wird.

Von der argentinischen Messe über Saxophonklänge bis zur Barockmusik in historischen Kostümen reicht die Bandbreite.

Chappuzeau ging konsequent daran, seine Kantorei aufzubauen. „Nachdem ich mal in der Kirche war, klingelte bei mir Zuhause das Telefon, und ein Mann sagte: Ich habe Sie in der Kirche singen gehört, kommen Sie doch in die Kantorei“, erzählt Peter Mader. „Das war Dietrich Chappuzeau.“ Seitdem singt Mader mit und ist fast 40 Jahre dabei. Viele Chormitglieder singen schon seit Jahrzehnten. „Wer einmal mit Singen angefangen hat, hört nicht mehr auf“, hat Kantor Paegle beobachtet. Das liegt auch an der therapeutischen Wirkung des gemeinsamen Singens, die zunehmend erforscht wird. So haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass im Chor die Herzen der Sänger gleich schlagen. „Beim Singen passiert etwas“, beschreibt Paegle, „es entsteht eine Harmonie, die eine eigene Energie hat. Musik hat Macht.“

Für die Harmonie muss er hart arbeiten, denn nicht jeder trifft von Anfang an den Ton. „Bei uns kann jeder mitsingen, der Lust dazu hat“, bietet Paegle an. „Durch Üben und Verbessern von Fehlern lernt man ganz viel. Man ist in der Stimme ja nie alleine.“ Das Ergebnis sei schön, „es ist noch nie vorgekommen, dass jemand nicht singen konnte.“ Nach dem Krieg sei es so gewesen, dass Jobs nur vergeben wurden, wenn der Arbeitsuchende auch bereit war, im Chor mitzusingen. Heute muss man nur bereit sein, wöchentlich zur Probe zu erscheinen. „Es gibt keine Aufnahmeprüfung, und Noten muss man auch nicht können. Auswendig Singen ist ohnehin viel schöner.“

Ein paar mehr Männerstimmen im 50-köpfigen Chor wären Paegle recht. „Männerstimmen sind Mangelware. Auch sind wir kein Jugendchor, die Altersspanne zwischen 30 und 45 fehlt.“ Dabei verspricht das Singen in der Kantorei zusätzlich Geselligkeit. „Gemeinsames Singen und gemeinsame Aktivitäten verbinden“, so Paegle. „Durch Ausflüge und Chorwochenenden entsteht eine Art Familiengefühl.“ Das hat Paegle, der in Lettland eine Musikschule besucht hat, selber genossen. „Ich war im Knabenchor und schon früh viel unterwegs, um aufzutreten. Das war eine sehr schöne Zeit.“

Dia Bargteheider Kantorei übt jeden Donnerstag ab 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Kirchengemeinde im Martin-Luther-Haus. Wer mitmachen möchte, kann einfach vorbei kommen.

Bettina Albrod

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