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Stormarn Das „Nein“ ist eine starke Waffe
Lokales Stormarn Das „Nein“ ist eine starke Waffe
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20:22 18.02.2016
Die Theaterpädagogen Andreas Puls und Gundula Runge bringen Kindern bei, wie man „Nein“ zum Missbrauch sagt. Quelle: Bettina Albrod

Bargteheide. Vor einem Jahr machte ein Mitschnacker in Ahrensburg Eltern Angst: Der Mann im schwarzen BMW soll versucht haben, einen Jungen vor einer Grundschule in sein Auto zu locken. Angeliki Claussen, Leiterin der Carl-Orff-Schule in Bargteheide, erinnerte sich aus dem Anlass an das Theater-Projekt von „Dunkelziffer“, ein Verein, der unter dem Titel „Mein Körper gehört mir!“ gegen sexuellen Missbrauch von Kindern anspielt.

In einem dreiteiligen Präventions-Projekt lernen sie „Nein“ zu sagen und Verhaltensweisen zu trainieren, wie sie sich in schwierigen Situationen schützen können. Erstmals wird das Projekt, das vom Rotary Club Bargteheide mitfinanziert wird, jetzt in der Carl-Orff-Schule angeboten. Künftig soll es für die dritten und vierten Klassen alle zwei Jahre auf dem Stundenplan stehen.

„Man kann davon ausgehen, dass pro Klasse zwei Kinder betroffen sind“, erläutert Theaterpädagoge Andreas Puls. „In 50 Prozent der Fälle sind Grundschüler die Opfer, jedes sechste Mädchen und jeder achte Junge.“

Die Täter nutzten sexuelle Übergriffe, um Machtgefühle auszukosten, stammten oft aus dem familiären Umfeld und würden Kinder mit Drohungen und vermeintlicher Mitschuld zum Schweigen bringen. Die Theaterpädagogen spielen verschiedene Situationen vor und geben den Kindern drei Fragen an die Hand, mit denen sie immer auf der sicheren Seite sind. „Was sagt das Ja/Nein-Gefühl?“, „Weiß jemand, wo ich hingehe?“ und „Gibt es notfalls Hilfe?“ sind die drei Fragen für die Sicherheit. „Wenn man auch nur eine der Fragen mit Nein beantwortet, darf man nicht mitgehen“, betont Gundula Runge vom Theaterprojekt. Beide wissen, wie wichtig es ist, dass Eltern Kindern zuhören.

„Man weiß, dass Kinder nach einem Missbrauch bis zu sieben Personen durchlaufen, ehe ihnen jemand glaubt“, so Gundula Runge. „Sie brauchen das Gefühl, dass sie Ernst genommen werden.“ Sex als Tabuthema und Hemmungen gegenüber Familienmitgliedern erschweren den Weg zur Wahrheit. „Kinder kommen noch ganz offen daher“, haben die Akteure beobachtet, „bei den Eltern ist es schon schwerer.“

Deshalb wird das Schul-Projekt von einem Elternabend und einer Fortbildung für Lehrkräfte begleitet. Kinder sollten mit jemandem reden können, der weiterhilft. „Das betrifft auch den Schmatzekuss der Oma, den das Kind nicht will. Das sollte angesprochen und der Oma klar gemacht werden“, sagt Puls.

Der Mann im Bus, der die Hand auf den Oberschenkel legt, die Hilfestellung beim Sport, die zu häufig den Po anfasst — das sind Beispiele, bei denen die Kinder lernen, laut und vernehmlich Nein zu sagen. „Den Schülern soll Selbstbewusstsein vermittelt werden“, so Angeliki Claussen. Dafür erleben sie drei Teile des Mitmachtheaters, arbeiten das Gelernte parallel im Unterricht auf und fertigen dazu ein Poster mit den Hauptaussagen an. Auch Lehrer lernen Signale, an denen man mögliche Missbrauchsopfer erkennt und ihnen Hilfe durch Beratungsstellen vermitteln kann. „Missbrauch fängt da an, wo ein Kind angefasst wird, obwohl es das nicht will“, sagt Puls.

Der Verein Dunkelziffer

„Mein Körper gehört mir!“ wird vom Rotary Club Bargteheide mitfinanziert. Die Hälfte der Kosten — 750 Euro — zahlen die Rotarier, die andere Hälfte zahlen die Eltern. Auch für die kommenden Jahre soll das Angebot weiter unterstützt werden.

Der Verein Dunkelziffer kämpft seit 1993 gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und gegen Kinderpornographie mit Therapie, Beratung, Prävention und Fortbildung.

Dunkelziffer finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Bußgeldzuweisungen und nimmt keine öffentlichen Mittel in Anspruch. Die Organisation bietet Programme für Kitas und Schulen an.

Bettina Albrod
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