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Stormarn Das Rechnen hat Toska Auerbach im Blut
Lokales Stormarn Das Rechnen hat Toska Auerbach im Blut
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18:16 24.12.2015
Toska Auerbach aus Bad Oldesloe ist eine direkte Nachfahrin von Adam Riese. Jürgen Kühl aus Tremsbüttel erhielt in diesem Jahr in Annaberg die Adam-Ries-Medaille. Quelle: S. Fofana

„In Mathe hatte ich immer eine Eins“, erzählt Toska Auerbach strahlend. „Ich fand den Lehrer so toll und wollte glänzen.“ Die 91-Jährige fügt hinzu:

„Wahrscheinlich ist es auch Talent.“

Das kann gut sein. Denn die Oldesloerin ist eine Nachfahrin von Rechenmeister Adam Riese im 13. Glied. Da könnte das Faible für Zahlen wirklich in den Genen liegen. Auf diesen „ganz handfesten Stammbaum“ ist Jürgen Kühl (85) aus Tremsbüttel bei Rechenbuch- Recherchen im Adam-Ries-Museum in Annaberg im Erzgebirge gestoßen.

Denn auch wenn die bekannte Redewendung „Nach Adam Riese“ heißt — in seiner Heimat wurde der bekannte Schreib- und Rechenmeister (1492 bis 1559) Adam Ries ohne „e“ genannt. Seine Nachfahren hat es in alle Welt verstreut. Sie zogen bis nach Asien, Australien, Amerika und Afrika — oder eben nach Bad Oldesloe. Ein ganzes Buch schrieb Willy Roch über die Ries-Abkömmlinge. Auf Seite 69 ist Toska Auerbach erwähnt.

Für die Oldesloerin ist es immer noch eine Ehrensache, die Rechenaufgaben in Tageszeitungen richtig zu lösen. „Sonst mache ich meinen Vorfahren keine Ehre“, sagt sie mit verschmitztem Lächeln. Die Ergebnisse des Gehirn-Joggings platziert die 91-Jährige dann unter einem Kissen auf ihrem Küchenstuhl, um sie später mit den Auflösungen zu vergleichen.

Schnell fragt sie bei Kühl noch einmal einen speziellen Rechenweg nach. „In fast 90 Jahren vergisst man ja auch mal was.“ Auch beruflich musste sie den Zahlen treu bleiben: Der Vater — ein Ries-Nachfahre — brauchte sie als Kauffrau für den Laden mit Autozubehör, den er 1919 in Hamburg gründete und in Bad Oldesloe neu aufbaute, als das Geschäft in Wandsbek im Zweiten Weltkrieg ausgebombt wurde. „Ich wollte lieber Schauspielerin werden oder Ballett tanzen“, erzählt Auerbach. Ihre kreative Ader konnte sie erst später bei der Malerei austoben.

Als Jürgen Kühl bei ihr anrief, um ihr von dem berühmten Vorfahren zu erzählen, wusste sie bereits davon. Denn im Zusammenhang mit dem Buch war die Familie befragt worden. Ihre Großmutter wurde noch in Annaberg geboren, wo Rechenmeister Ries lange wirkte. Jürgen Kühl brachte ihr schließlich das Zertifikat aus dem Adam-Ries- Museum mit, das nun zwischen Küche und Atelier an der Wand hängt. Es besagt, dass sie ein Nachfahre von Adam Ries in der 13. Generation ist.

Die Zeichnung des Rechenmeisters mit dem Rauschebart ziert nicht nur das Zertifikat von Toska Auerbach, sondern auch eine Urkunde, die Jürgen Kühl vor kurzem in Annaberg erhielt. Der Tremsbütteler wurde mit dem Adam-Ries- Sonderpreis 2015 ausgezeichnet. „Das ist ja nicht gerade der Nobelpreis“, sagt der ehemalige Leiter (1977—1992) der Theodor-Mommsen-Schule (TMS) in Bad Oldesloe bescheiden.

Die besondere Urkunde erhielt er für „seine umfangreichen Forschungen zu Recheneinschreibebüchern“.

Nach der Pensionierung hat Kühl „20 Jahre daran gearbeitet“. Statt der ursprünglich geplanten 20 trieb er 200 dieser alten Rechenbücher in Schleswig- Holstein auf und schrieb ein Buch über seine Fundstücke aus den Jahren 1610 bis 1850. Von Stormarnern ist keines dabei. „Die haben sehr sicher gerechnet — auch ohne Hilfsmittel“, sagt Kühl, der vieles nachgerechnet hat.

Und wie war er selbst als Schüler in Mathe? Ein breites Lachen macht sich auf seinem Gesicht breit: „Ich war sehr gut.“ Er studierte Mathe und Physik, unterrichtete von 1955 bis 1992 „Mathematik aller Schularten“. Unter anderem war er einige Jahre in Schleswig- Holstein für die Fort- und Weiterbildung aller Schularten in Mathe zuständig.

Mit Kopfrechnen halten sich Toska Auerbach und Jürgen Kühl weiterhin fit. Und lösen mit Begeisterung kniffelige Rechenaufgaben in Zeitungen oder Zeitschriften.

Vater des modernen Rechnens
Der Rechenmeister Adam Ries (1492 bis 1559) war lange Jahre in Annaberg im Erzgebirge tätig. Sein Verdienst war es, das Zahlenrechnen unter die Leute zu bringen. So gelangte die Rechenkunst in alle Bildungsschichten. Ries schrieb seine Werke in deutscher Sprache und nicht, wie damals üblich, auf Latein. Er gilt als „Vater des modernen Rechnens“. Vor dem Ziffernrechnen war das schwerfällige Linienrechnen mit römischen Zahlen angesagt, die mittelalterliche Version des Rechnens auf dem Rechenbrett.



Der Adam-Ries-Bund hat seinen Sitz in Annaberg-Buchholz und betreibt ein Museum. Nach der Wende entstand dort ein internationales Zentrum für die Erforschung alter Rechenbücher.

Susanna Fofana

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