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Das Schicksal des Bargteheider Moores ist besiegelt

Bargteheide Das Schicksal des Bargteheider Moores ist besiegelt

Das Bargteheider Moor ist 900 Jahre alt und damit noch relativ jung. Aber viel älter wird es auch nicht mehr: Naturfreund Ingo Hartung geht von Austrocknung aus. Die Natur passt sich an, Flora und Fauna ändern sich.

Das Bargteheider Moor ist mit 900 Jahren noch eines der jüngeren Moore. Es ist Schutzraum für viele Lebewesen.

Quelle: Ingo Hartung(hfr)

Bargteheide. Im April jährt sich zum 30. Mal die Katastrophe im russischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Damals wurde Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren freigesetzt, das sich auch in Schleswig-Holstein niederschlug. Insbesondere in Pilzen lässt sich die radioaktive Belastung nachweisen. Ingo Hartung, Pilzexperte und Naturliebhaber aus Pölitz, gibt für die Pilze Entwarnung.

LN-Bild

Naturfreund Ingo Hartung geht von Austrocknung aus — Flora und Fauna ändern sich.

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Das Buch zum Moor

Das Buch „Das Bargteheider Moor“ von Ingo Hartung ist in einer Auflage von 100 Exemplaren erschienen, hat 127 Abbildungen auf 130 Seiten und ist in der Arkaden-Buchhandlung zu bekommen.

Es kostet 18 Euro, mit denen Hartung die Druckkosten finanziert. Nach Verkauf der ersten Auflage können weitere Exemplare nachgedruckt werden.

Seit 15 Jahren sammelt er jedes Jahr Proben in einem Gebiet von Bargteheide bis zum Hamburger Osten und lässt sie beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) untersuchen. „Bei den Proben aus Stormarn liegt lediglich eine natürliche Belastung vor“, erklärt Hartung, „radioaktiven Fall- Out hat es im Süden Schleswig-Holsteins nicht gegeben.“ Bargteheide liege mit 42,6 Becquerel deutlich unter dem Grenzwert von 600 Becquerel. Auslöser der jährlichen Messungen waren die vielen Sammler, die den Pilzexperten immer wieder fragten, ob die Pilze in Stormarn denn belastet seien.

Ingo Hartung kennt die Natur rund um Bargteheide genau, seit elf Jahren ist er fast jedes Wochenende im Bargteheider Moor unterwegs, und das nicht nur als Pilzsammler. Ehrenamtlich hat der 59-Jährige die 45 Hektar Moorfläche kartiert, hat festgehalten, welche Pflanzenarten es gibt, welche Tiere dort unterwegs sind oder welche Besonderheiten im Moor zu beobachten sind. Aus den gesammelten Daten hat er jetzt das Buch „Das Bargteheider Moor“ gemacht, das dem Leser manches Wissenswerte näher bringt.

In gruseligen Filmen ist es die Hand des Schurken, die beim Untergehen aus dem Moor winkt, im Bargteheider Moor gehört die winkende Hand eher der Natur. Da ist zum Beispiel die Mülldeponie im Moor, die von 1920 bis 1975 vorwiegend mit Hausmüll befüllt wurde. Heute erhebt sich der Müllberg als grüner Hügel und ist nach 40 Jahren im Inneren fast unverändert. „Ich habe eine Milchtüte ausgebuddelt, die kaum zersetzt ist“, erklärt Hartung. „Um den Plastikmüll zu zersetzen, braucht die Natur rund 400 Jahre.“ Das Moor selber ist etwa 900 Jahre alt und damit, so der Pölitzer, noch relativ jung.

Viel älter wird es auch nicht werden, denn Hartung sieht, dass es kein intaktes Moor mehr ist.

„Durch Entwässerungsmaßnahmen trocknet das Moor aus, dadurch ändert sich über Jahrzehnte die Vegetation. Das Bargteheider Moor hat ein CO2— Potenzial von etwa 0,65 Tonnen jährlich mit der anfallenden Biomasse eingelagert. Durch das Trockenlegen wird das über Jahrhunderte eingelagerte Kohlendioxid wieder freigesetzt.“ Schon während des Baus der Autobahn in den Jahren 1934 bis 1937 seien angrenzende Gebiete trockengelegt und der Grundwasserspiegel abgesenkt worden.

Doch die Natur passt sich auch an. So hat Hartung unter der Mülldeponie eine Schicht entdeckt, die als Vorläufer des Raseneisensteins gilt, der in Schleswig-Holstein durch Abbau vollständig verschwunden ist. Dann wieder hat er den Wachtelkönig im Bargteheider Moor gesichtet, 196 Pilzarten in seinem Buch vorgestellt, 55 Gehölzarten und die eine Eibe, die durch Vogelkot ins Moor gelangt ist. „Bis vor 15 Jahren gab es auch noch Orchideen im Moor“, weiß Hartung, „das Knabenkraut ist mittlerweile verschwunden.“ Dafür konnte er zwei Arten der Teichmuschel im Wassergraben nachweisen, vier Reptilien und acht Amphibien, den Kiebitz, die seltene Wiesenweihe oder den Seeadler. Zehn Jahre lang hat sein Krötenzaun zur Landesstraße 89 dafür gesorgt, dass die Tiere auf der Wanderschaft nicht überfahren wurden.

„Ich bin Autodidakt und habe mir in 45 Jahren viele Dinge erlesen“, erklärt Hartung. „Das Buch gibt nur ein Zehntel meiner Datenauswertung wieder.“ Viele Leute hätten ihn angesprochen, seine Kartierungsergebnisse doch zu veröffentlichen. Das hat er mit dem Buch jetzt getan. Das Bargteheider Moor ist zum Großteil in Privatbesitz, es gibt aber einen Wanderweg am Moor entlang.

Von Bettina Albrod

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