Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
„Das beste Angebot gab es mal von der Kieler Landesregierung“

Bad oldesloe „Das beste Angebot gab es mal von der Kieler Landesregierung“

Norbert Leinius sollte mal ins Wirtschaftsministerium. Doch er blieb „seiner“ Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) treu. Im LN-Interview blickt er auf 16 bewegende Jahre zurück, zum Beispiel auch auf den größten Reinfall. Und der 69-Jährige erzählt, wie er sich das Leben ab Ende April vorstellt, wenn er in den Ruhestand verabschiedet wird.

Voriger Artikel
Als Seelsorger über die Weltmeere
Nächster Artikel
Rakete verursacht Feuer auf Balkon

Norbert Leinius vor dem Gebäude „seiner“ WAS in Bad Oldesloe: 16 Jahre war er hier Geschäftsführer. Vorher war er fast 20 Jahre lang Leiter des Oldesloer Bauamtes. Der 69-Jährige ist seit 1972 mit Ehefrau Gisela verheiratet, hat zwei Töchter und seit kurzem fünf Enkel. Mit seiner Frau geht er gerne Golf spielen. Als weiteres Hobby nennt er die Musik. Seine Gitarre aus Jugendtagen steht jedoch mitttlerweile bei einer seiner Töchter.

Quelle: Carstens

Norbert Leinius in Strickjacke auf dem Sofa — können Sie sich das selbst vorstellen?

Norbert Leinius: Nein. Nur vorübergehend für vier Wochen.

Was kommt danach, welches wird das erste Projekt im „Ruhestand“?

Leinius: Ende April ist Schluss und im Mai fahre ich dann mit meiner Frau nach Sylt. Dort werde ich bei Strandspaziergängen darüber nachdenken, was danach kommt. Ich werde auf jeden Fall kürzertreten und keine 60 Stunden mehr in der Woche arbeiten. Wäre schön, wenn ich das auf 30 Stunden reduzieren könnte.

Das heißt, es gibt Angebote aus der freien Wirtschaft?

Leinius: Es gibt einige konkrete Anfragen von Firmen, ob ich nicht an der einen oder anderen Stelle helfen und als Berater für sie tätig werden könnte. Daneben bin ich ja aber auch noch in mehreren Stiftungen tätig, zum Beispiel für den Kinderschutzbund oder die Bürgerstiftung Stormarn. Das alles werde ich weiterhin wahrnehmen.

Kommen die Angebote von regionalen Unternehmen?

Leinius: Aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen, wobei ich eine Tätigkeit im Kreis Stormarn ausschließe. Aber ich möchte gerne weiter arbeiten und meine Erfahrungen weitergeben, allerdings zu einer reduzierten Stundenzahl. Schließlich bin ich seit kurzem auch fünffacher Großvater, möchte also mehr von meinem Privatleben haben als bisher.

Sie waren 16 Jahre lang Geschäftsführer der WAS. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Leinius: Wirtschaftsförderung funktioniert heute nicht mehr so, dass man einfach nur Grundstücke verkauft. Die gesamte Umgebung muss in Zeiten des Fachkräftemangels attraktiv gestaltet werden. Das passiert in enger Abstimmung mit der Stadt- oder Kreisplanung. Wie soll ich zum Beispiel junge Leute nach Ahrensburg holen? Das Kino fehlt immer noch, man braucht S- und U-Bahn-Anschluss, Lebensqualität, bezahlbaren Wohnraum, aber zugleich auch Manager- Grundstücke. Die Gespräche mit Bürgermeistern und Planern sind also viel mehr geworden. Das gesamte Zusammenspiel muss passen. Wenn etwa eine Firma fünf Prozent ihrer Belegschaft verlieren würde, weil die Leute nicht nach Bad Oldesloe wollen, dann kommt die Firma nicht.

Ist das Geschäft denn schwieriger geworden?

Leinius: Nein, schwieriger nicht, aber die Planungsphasen dauern länger. Früher waren Projekte in drei Jahren abgeschlossen, heute in fünf. Oder nehmen Sie die Landesplanung.

Vor 2018 gibt es keinen neuen Regionalplan. Da sagen viele Kollegen, dass sie bis dahin ja eh nichts erreichen würden, wenn es um die sogenannten Zielabweichungsverfahren geht. Diese werden bis 2018 alle nicht genehmigt. Wir wiederum gucken trotzdem nach möglichen Ausnahmeregelungen. So etwas hat die WAS immer ausgezeichnet.

Mal zurück zu den Angeboten von Unternehmen. Gab es während Ihrer WAS-Zeit mal Abwerbeversuche?

(Seine Assistentin Birgit Moritz- Russnak, die bei dem Gespräch dabei ist, lacht)

Leinius: Der Vorteil der WAS — und deshalb habe ich meine Entscheidung zu bleiben nie bereut — ist das kleine und hervorragende Team, die Vielseitigkeit der Aufgaben, die immer vielseitiger geworden sind, die gute Zusammenarbeit mit den Städten und nicht zuletzt ein funktionierender Aufsichtsrat mit Landrat Klaus Plöger an der Spitze.

So richtig sind Sie jetzt nicht auf die Frage eingegangen . . .

Leinius: Also, das größte Angebot kam aus Kiel. Vom damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen. Für das Wirtschaftsministerium. Es gab sogar zwei Angebote für unterschiedliche Funktionen. Meine Entscheidung, in Stormarn zu bleiben, war aber genau richtig.

Wie hat Herr Plöger das geschafft, Sie in Stormarn zu halten?

Leinius: Es gab in der Tat gute Gespräche mit Herrn Plöger, infolge derer meine Altersbegrenzung aufgehoben wurde und ich freie Hand für viele Dinge bekam. So ist es auch entstanden, dass wir nun beide zusammen im April 2016 aufhören.

Ist daraus eine echte Freundschaft entstanden?

Leinius: Kann man so sagen, eine echte Duz-Freundschaft. Wir treffen uns auch privat und haben eine richtig gute Verbindung.

Was war in den 16 Jahren die schwierigste Ansiedlung?

Leinius: Das schwierigste, aber zugleich auch beste Projekt, zumal es echte Wirtschaftsförderung war, war die Sanierung der Altlast in Barsbüttel. Das war ein Gemeinschaftssprojekt mit dem Kreis, das über fünf Jahre ging. Und auf dem sanierten Gelände konnte die Firma Stitz nicht nur gehalten werden, sondern der Standort weiter ausgebaut werden.

Ein Highlight war für uns auch, als die Landesplanung 2008 anbot, den Vorsitz der Lenkungsgruppe „Entwicklungskonzept für Gewerbeflächen in der gesamten Metropolregion Hamburg“ zu übernehmen. Das Ergebnis haben wir dann im Hamburger Rathaus im großen Saal vorgestellt. Damit haben wir auch die Weichen gestellt für die Entwicklung bis 2025.

Welches war denn der größte Reinfall?

Leinius: Reinfall? (Guckt seine Assistentin an). Hatten wir mal einen Reinfall mit irgendeiner Firma? (Pause) Ach ja, doch, mit Kamps.

Weil die Firma von Meddewade nach Mecklenburg gegangen ist?

Leinius: Ach, wenn sie nur weggegangen wäre. Damit können wir ja leben, wenn eine Firma wegzieht. Wir hatten aber seinerzeit die Anfrage von Kamps für 20 Hektar und dafür Flächen in Bad Oldesloe an der A 1 ausgewiesen. Das gesamte Gewerbegebiet ist damals für Kamps entstanden. Die Verträge lagen bei Barilla in Italien unterschriftsreif auf dem Schreibtisch, bis mir ein Wirtschaftsförderer aus Mecklenburg-Vorpommern sagte, dass Kamps nach Lüdersdorf geht. Das war eine Enttäuschung, dass wir für eine Firma so weit vorgearbeitet hatten bis zum Vertragsentwurf. Sogar die Erschließung war fertig geplant. Aber gegen eine Förderung von 30 bis 40 Prozent kamen wir nicht an. Stormarn ist ein weißer Kreis, erhält keinerlei Zuschüsse.

Warum ist Stormarn so erfolgreich? Was läuft bei den Nachbarn in Lübeck und dem Herzogtum Lauenburg schief?

Leinius: Über andere soll man ja nicht reden. Aber unser Vorteil ist, dass wir als WAS schon lange dabei sind. 2017 gibt es uns dann 60 Jahre. Da hat sich eine gewisse Handschlagqualität entwickelt, auf die WAS kann man sich verlassen. Stormarn hat zudem einen hohen Wohn- und Freizeitwert, liegt verkehrsgünstig mit den Autobahnen, in Hamburg-Nähe ist für viele Firmen die Telefon-Vorwahl 040 wichtig. Oben im Briefkopf steht dann Hamburg, sonst wird die Auftragslage schlechter. Was uns dagegen fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum. In Ahrensburg zahlt man teilweise schon Preise wie in Winterhude. Und Bargteheide hat auch ordentlich angezogen.

Sie mussten zweimal wegen eines Pneumothorax, eine Art Lungenkollaps, operiert werden. Was hat das mit Ihnen gemacht? Hat sich Ihre Einstellung zum Leben geändert?

Leinius: (überlegt kurz und lacht) Der Rotwein ist teurer geworden. Man gönnt sich mehr, man genießt jeden Tag mehr.

Hat sich das auch auf den Arbeitsalltag ausgewirkt? Delegieren Sie mehr?

Leinius: Das ist in unserer kleinen Truppe gar nicht möglich. Und ich kann auch nicht Nein sagen.

Haben Sie einen Ratschlag für Ihren Nachfolger Detlev Hinselmann?

Leinius: Er muss seine eigenen Ideen umsetzen und seinen eigenen Stil finden. Er hat den Vorteil, dass er in der Vergangenheit sehr vielseitig in der Wirtschaft tätig war, sowohl im gewerblichen als auch im Ingenieur-Bereich und dazu auch in der Kreispolitik als Vorsitzender des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses. Außerdem hat er ein gutes bestehendes Netzwerk in Stormarn. Für die nächsten Monate haben wir schon eine Reihe gemeinsamer Termine vereinbart.

Interview: Markus Carstens

ENTWEDER ODER, HERR LEINIUS!
Tee oder Kaffee? Kaffee


Bier oder Wein? Wein


Süß oder herzhaft? Herzhaft


Hund oder Katze? Hund


HSV oder St. Pauli? Beide


Berge oder Wasser? Wasser
Weiteste Reise? Portugal


Aktuelles Buch? „Lust aufs Neue“



Lieblingsfilm? „Ziemlich beste Freunde“



Vorbild? Keines


Lebensmotto? „Das schaffen wir!“

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stormarn
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.

Machen Ihnen Terror-Anschläge, wie der jüngste in Barcelona, Reiseangst?

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

TSV Trittau

Alles zu den Badminton-Stars beim TSV Trittau.

Zweiter Weltkrieg

Dieses Dossier beschäftigt sich mit der Situation in Stormarn während des Zweiten Weltkriegs.