Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Das erste Foto einer Schneeflocke
Lokales Stormarn Das erste Foto einer Schneeflocke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 30.04.2018
Hannelore und Jürgen Plage fanden die wertvollen Fotos im Keller ihres Hauses, in dem früher Johann Heinrich Flögel wohnte. Quelle: Foto: B. Albrod
Anzeige
Ahrensburg

Mit einem Kellerfund haben Hannelore und Jürgen Plage die Welt verändert: Vor ein paar Jahren fanden sie in einem Karton die weltweit ersten Schneeflockenfotos, die der Universalgelehrte Johann Heinrich Flögel 1879 unter dem Mikroskop gemacht hatte. Ihm hatte das Haus in Ahrensburg in der Waldstraße früher gehört. Bis dahin galt der Amerikaner Wilson Bentley als erster Fotograf der Schneekristalle, doch Flögels Bilder sind fünf Jahre älter. Plages schenkten sie dem Ahrensburger Stadtarchiv, das die Materialien restaurieren ließ. Der Historische Arbeitskreis hat Leben, Person und Werk Flögels (1834-1918) recherchiert. Ab 3. Mai zeigt er eine Ausstellung über den Universalgelehrten im Ahrensburger Rathaus.

Johann Heinrich Flögel war ein Universalgelehrter des 19. Jahrhunderts, der 1879 in Ahrensburg die ersten Schneekristall-Fotos der Welt gemacht hat. Der Historische Arbeitskreis Ahrensburg widmet ihm jetzt eine Ausstellung im Ahrensburger Rathaus.

Wer war Flögel?

Wie kam er nach Ahrensburg und was führte dazu, dass ihm die Ehrendoktorwürde der Stadt Kiel verliehen wurde? Diese Fragen beantworten 29 Tafeln, acht Vitrinen und ein Raum, in dem Flögel als Puppe stilecht gekleidet und mit dem typischen Vollbart auf seinem Original-Schreibtischstuhl sitzt. Dort sitzt er an einem Schreibtisch, der fast original ist, nebst Mikroskop und Teleskop und Original-Brille. So muss man sich den Mann bei der Arbeit vorstellen, der gleich zwei Weltneuheiten erreicht hat. Denn auch die Querschnitte von Insektengehirnen fanden in wissenschaftlichen Kreisen im In- und Ausland Beachtung, zumal sie im 19. Jahrhundert einen unerhörten Fortschritt darstellten. „Flögel gilt als Pionier der Neurobiologie“, sagt Plage. Der Kellerfund ist umso bedeutender, als der Fotonachlass Flögels, der im Zoologischen Museum in Hamburg verwahrt wurde, bei einem Bombenangriff 1943 verbrannt ist. Für das Teleskop, so Plage, habe der Gelehrte in seinem Hausflur damals extra Schienen verlegen lassen. Auch auf anderen Gebieten hat sich der Forscher, der Amtsschreiber in Reinbek war, hervorgetan. „Ich bin vor ein paar Jahren durch Zufall in einem Lexikon auf Flögel gestoßen“, berichtet Flögels Biograf Bernd Reher vom Historischen Arbeitskreis Ahrensburg. „Flögel war zu seiner Zeit ein bekannter Wissenschaftler, der ein breites Spektrum erforscht hat und Mitglied der Londoner Royal Microscopic Society war. Vor 100 Jahren ist er gestorben. Jetzt soll in Ahrensburg eine Straße im Gewerbegebiet nach ihm benannt werden.“ Der Amtsschreiber in Reinbek, so Flögels Tätigkeit damals, hat unter anderem zu Wetterphänomenen, Kieselalgen, dem Nordlicht, Erdmagnetismus, Mathematik oder zu technischen Fragen geforscht, einen Flugapparat skizziert, einen Plan zur Oldesloer Saline entworfen und zahlreiche angesehene Veröffentlichungen hinterlassen. Seine Moossammlung ist jedoch wie Teleskop und weitere Materialien im Krieg verbrannt oder verloren gegangen. So ist Flögel, der von 1892 bis zu seinem Tod 1918 in Ahrensburg lebte, in Vergessenheit geraten. Bernd Reher hat sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern aus dem Historischen Arbeitskreis auf Spurensuche begeben und unter anderem alte handgeschriebene Schulbücher Flögels ausgewertet, der zunächst in Stormarn zur Schule ging, ehe er in Glückstadt die Gelehrtenschule besuchte. „Flögel war sehr penibel", sagt Reher. „Ihn verband eine Freundschaft mit dem Dichter Detlev von Liliencron, der in Ahrensburg als Schöffe tätig war.“ Flögel beherrschte mehrere Sprachen und notierte sich auch eher sinnlose Dinge wie den Sonnenauf- und -untergang über einen Zeitraum von drei Jahren.

Universalgelehrter

„Als Universalgelehrter ist Flögel ein typisches Beispiel seiner Zeit, als die Menschen sich durch Alexander von Humboldt und Darwin für Wissenschaft und Forschung zu interessieren begannen“, erklärt Ahrensburgs Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens. „Die Schneeflockenbilder sind die am häufigsten angefragten Archivalien.“ Sie waren zuletzt in der Bundes-Kunsthalle in Bonn in einer Ausstellung zur Weltklimakonferenz zu sehen.

In Ahrensburg bleiben die Originale unter Verschluss, weil sie zu lichtempfindlich sind. „Im Archiv kann sie auf Wunsch aber jeder sehen“, betont Angela Behrens. Auf den Vergrößerungen, die stattdessen gezeigt werden, sind sie ohnehin besser zu erkennen. Die Ausstellung im Rathaus soll die großartigen Fotos und Forschungsgeschichten Flögels zur Naturkunde in beispielhafter Form dokumentieren, sie soll zudem auch sein Leben und seine Zeit präsentieren.

Ausstellung

Die Ausstellung „Johann Heinrich Ludwig Flögel – Universalgelehrter zwischen Mikroskop und Fernrohr“ wird vom 4. Mai bis 27. Juni im Ahrensburger Rathaus gezeigt, Eröffnung ist am 3. Mai um 19 Uhr in der Stadtbücherei. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich. Dazu gibt es ein Begleitprogramm.

Bettina Albrod

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einige Plätze sind in der Aula des Behring Gymnasiums leer geblieben. 142 der 161 Delegierten hatten Freitag an der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes teilgenommen. So war es durchaus verständlich, dass Kreiswehrführer Gerd Riemann zu Recht monierte, am gleichen Tag ein Pokalschießen zu veranstalten.

30.04.2018

Nach 44 Jahren und sieben Monaten im Polizeidienst hängt Karsten Witt die Uniform an den Nagel. Der 60-jährige Erste Polizeihauptkommissar wurde als Leiter des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Bad Oldesloe von Kollegen und Freunden in den Ruhestand verabschiedet.

30.04.2018

Mehr als 10 000 Auto-Liebhaber aus ganz Schleswig-Holstein strömten zur 15. Autoroute nach Bad Oldesloe. Für viele von ihnen war die Diesel-Diskussion ein Thema. Sie fühlten sich verunsichert oder gar getäuscht. Für etliche Besucher stand das Umweltbewusstsein ganz weit oben.

30.04.2018
Anzeige