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Stormarn „Das volle Bad-Oldesloe-Programm“
Lokales Stormarn „Das volle Bad-Oldesloe-Programm“
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22:11 29.12.2017
Karl-Reinhold Wurch mit der „Bibel des Rechtsanwaltes“, den Kommentaren zum Bürgerlichen Gesetzbuch von Otto Palandt. Quelle: Fotos: Susanna Fofana
Bad Oldesloe

Aus Gesprächen mit anderen Oldesloern weiß er, dass viele über die Innenstadt nörgeln. Bestätigung findet der Oldesloer Notar jedoch bei Neubürgern. Deren erster Eindruck von der Kreisstadt sei „das Gefühl, im Urlaub zu sein“. Wurch hat das Wachstum von Bad Oldesloe seit 1979 „in vorderster Position miterlebt“. Zum einen bei Beurkundungen für die Baugebiete Ehmkenberg, Brennermoor und den Westen. Zum anderen als Kommunalpolitiker mit Start im Oldesloer Bauausschuss 1979.

„Bad Oldesloe ist immer noch eine Stadt im Grünen“, fühlt sich Karl-Reinhold Wurch in seiner Heimatstadt auch mit fast 70 Jahren noch wohl. Für ihn ist der Stadtkern der Kreisstadt mit Einbindung durch die Flüsse Beste und Trave, den Alten Friedhof und den Kurpark besonders attraktiv.

Karl-Reinhold Wurch wurde am 1. Tag des Jahres 1948 mittags in Nütschau geboren. Die Familie erzählt sich noch heute, dass an diesem Tag des schneereichen Winters der Hof so gut geräumt gewesen sei wie nie. Die Hebamme sollte Platz finden. Zudem soll sein Vater an dem Neujahrstag sehr nervös gewesen sein. Obwohl der wie damals üblich nicht einmal bei der Geburt dabei gewesen sei. Wurch: „Meine Großeltern hatten eine Siedlerstelle in Nütschau.“

„Ich war Tambourmajor“

Erst 1950 zogen die Eltern nach Bad Oldesloe. „Mein Vater hatte eine Metallbauschlosserei.“ Und zwar in der Königstraße 10, wo mittlerweile ein Parkhaus steht. Bis zum zehnten Lebensjahr war Wurch noch häufig in Nütschau unterwegs. „Es war spannender auf dem Land mit den Cousins und Freunden durch Wälder und über Felder zu streifen.“Erst mit dem Schulwechsel von der Stadt- auf die Theodor-Mommsen-Schule war es vorbei mit den häufigen Landbesuchen. Dann musste für die Schule gebüffelt und 1967 das Abitur gemacht werden. „Als Jugendlicher habe ich viel Leichtathletik betrieben.

Später habe ich angefangen, Tennis zu spielen. Das mache ich noch regelmäßig.“ Er habe sozusagen „das volle Bad-Oldesloe-Programm“ durchlaufen.

Von 1958 an bis zum Abitur gehörte er zudem dem Spielmannszug der TMS an. „Zum Schluss war ich der Tambourmajor. Da war man damals noch ganz stolz drauf.“ Nach dem Jurastudium in Hamburg war Wurch seit 1976 als Rechtsanwalt tätig, seit 1979 zudem als Notar. „1981 habe ich mich selbstständig gemacht.“ Mit seinem 70. Geburtstag am 1. Januar 2018 ändert sich etwas Grundlegendes für den Oldesloer.

„Kraft Gesetzes darf ich kein Notar mehr sein. Das war in der Vergangenheit der Hauptschwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit.“ Die letzten Werktage 2017 war er noch voll eingebunden. Doch schon bald wird Karl-Reinhold Wurch keine zehn bis zwölf Stunden täglich mehr in der Kanzlei verbringen. „In Zukunft werde ich nur noch bei Bedarf und nach Absprache anwaltlich tätig sein und meinen Partner Brix Lichtenberg unterstützen.“

Schon jetzt verbringt er die Freitage morgens mit dem zweijährigen Enkelsohn, „damit meine Tochter arbeiten kann, was sie mit Begeisterung tut.“ Als Lehrerin an der Schule West. Auch hofft er auf mehr Zeit für die Freiburg-Besuche. Dort arbeitet sein Sohn als Richter. Bisher sieht er die sieben und fünf Jahre alten Enkeltöchter dort nur drei- bis viermal im Jahr.

Fast immer war Karl-Reinhold Wurch beim Oldesloer Vogelschießen dabei. Erst als Schüler, später als Stadtverordneter. In der Kommunalpolitik war Wurch seit 1979 bis auf vier Jahre „eigentlich immer dabei“. Bis zur letzten Kommunalwahl. Seit 1982 ist der Oldesloer zudem im Kreistag tätig, davon zwei Jahre als bürgerliches Mitglied. Seit 1990 ist er Fraktionsvorsitzender der Kreis-FDP. „Die 30 Jahre will ich auch noch voll machen“, betont er lachend.

Als er 1979 in die Bad Oldesloer Kommunalpolitik einstieg, erlebte er im Bauausschuss die Diskussionen über die landschaftliche Einbettung des Konrad-Adenauer-Ringes in den Bürgerpark mit. Es sei um den Bau der Brücke zur Schwimmhalle und einen als Festplatz angedachten Schotterrasen gegangen, erinnert er sich. Das Projekt sei „jämmerlich gescheitert“. Statt einer grünen Veranstaltungsfläche entstand ein Parkplatz.

Wurch freut sich noch immer darüber, dass er sich als „Einzelkämpfer“ schon damals für die später verwirklichte Variante der Stadtarmstraße eingesetzt hatte. Mittlerweile seien wohl alle Oldesloer glücklich darüber, dass es nicht zur Verwirklichung des damaligen CDU-Favoriten gekommen ist. Das nämlich hätte die Weiterführung der Stadtarmstraße an der heutigen Galerie „BOart“ vorbei und über die Hude bedeutet.

Was ihm zudem an Bad Oldesloe gefällt, ist das soziale Umfeld. Durch seine langjährigen Tätigkeiten kenne er viele Oldesloer. „Man redet miteinander, man kann sich austauschen.“ Nachmittags nimmt er sich stets Zeit für eine Tasse Kaffee mit seiner 94-jährigen Mutter, die ganz in der Nähe wohnt. Und wenn er mal Ruhe braucht zum Nachdenken, funktioniert dies am besten im Garten. „Das klappt prima“, sagt er über seine innerstädtische Oase. Je nach Jahreszeit werden dort häufig Himbeeren gegessen oder Äpfel gepflückt.

Auch wenn Wurch die Innenstadt gefällt – den Marktplatz wünscht er sich in Zukunft als Zentrum öffentlichen Lebens. Ihn stört dort vor allem das historische Pflaster wegen der schlechteren Begehbarkeit. „Mittlerweile bin ich so alt, dass ich merke, wie furchtbar es ist, da rüberzugehen.“

Kurpark, Eisdiele, Weinwelt

Zu seinen Lieblingsplätzen gehören der Bestewanderweg durch den Kurpark am Salzteich und an den Tennisplätzen vorbei. Dort setzt er sich auch gerne mal hin.

Auch die Eisdiele in der Mühlenstraße gefällt Wurch. Dort könne man das städtische Leben passieren lassen. Allerdings macht das San Remo gerade Winterpause.

„Ich sitze gern in der Weinwelt, wenn ich Zeit dafür habe.“ Dort trinke er gern ein Glas Primitivo aus Sizilien oder aber badische Weine vom Kaiserstuhl. sus

 Susanna Fofana

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