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Stormarn Auch die GSG 9 bestellt in Trittau
Lokales Stormarn Auch die GSG 9 bestellt in Trittau
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21:14 07.08.2018
Betriebsleiter Kollja Garber empfing gestern Wirtschaftsminister Bernd Buchholz und Landrat Henning Görtz (v.l.) Quelle: Foto: Von Dahlen
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Trittau

Viele Stormarner kennen die Firma im Süden Trittaus noch unter dem Namen Nico. Beim Wechsel ins neue Millennium im Jahr 1999 machte der Hersteller von Pyrotechnik Furore, indem er in Hamburg eines der größten Feuerwerke Europas inszenierte. 2002 übernahm die Rheinmetall AG das Unternehmen zu 100 Prozent, so dass es jetzt als einer von sechs Standorten deutschlandweit zur Defence-Gruppe des Konzerns gehört. Wie Betriebsleiter Kollja Garber erläuterte, ist es mit 200 Beschäftigten insgesamt der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Trittau.

Produkte zur Verteidigung

„Manch einer wird jetzt sagen: ,Oh Gott, die produzieren Waffen. Damit wollen wir nichts zu tun haben.‘ Andererseits heißt es immer, der Bundeswehr geht es schlecht. Wir müssen die Soldaten besser ausstatten“, sagte Buchholz. Wir er betonte, handele es sich in erster Linie um Übungsmunition sowie um „Verteidigungsprodukte“, die auch Polizei und Spezialeinheiten wie der GSG 9 wirksame Mittel an die Hand gäben, um Gewalttäter außer Gefecht zu setzen und Geiselnahmen wie sie sich in Sydney im Juni vorigen Jahres ereignete, möglichst unblutig zu beenden. Dem pflichtete Rheinmetall-Geschäftsführer Werner Krämer bei. In Trittau werde in erster Linie Munition für Ausbildung und Training hergestellt. Denn die Erfahrungen hätten gezeigt, dass in der Vergangenheit beim Einsatz scharfer Munition zu Übungszwecken in der Infanterie zu viele Unfälle passiert seien. Zum Programm gehörten deshalb wirklichkeitsgetreu nachgebildete 40-Millimeter-Granatwerferpatronen für Pistolen und Maschinengewehre, zum Teil mit Leuchtspurmunition oder auch Blitz- und Knalleffekten. Zweites Standbein sei die so genannte Irritiationsmunition, also Wurfkörper, die je nach Konstruktion beim Aufschlag Nebel, Blendlicht oder auch Knalleffekte erzeugten. „Dies zeigt, dass man mit Hochtechnologie spezielle Operationen ausführen unter höchster Sicherheit und zuverlässig durchführen kann, ohne scharfe Munition einsetzen zu müssen“, sagte Krämer.

Ab 180 Dezibel ist Schluss

Getestet und entwickelt werden die Rheinmetall-Produkte in Baracken, die über das 20 Hektar große Firmengelände verteilt stehen. Wie markerschütternd der Einschlag von Wurfgranaten ist, davon konnten sich Minister Buchholz und Landrat Henning Görtz (CDU) selbst überzeugen. Im Schutz stabiler Stahltüren, konnten die Gäste erleben, wie die Munition in eigens dafür konstruierten Kammern ihre Wirkung entfaltete. Bei einer Demonstration im Freien war auch die starke Rauchentwicklung zu sehen.

Volker Minnemann, Ingenieur für Messtechnik, hatte dazu eine Testreihe mit Granaten zunehmender Lautstärke vorbereitet. „Die Grenze liegt bei 180 Dezibel. Ab dann zerreißt es das Trommelfell und die Person ist nicht mehr handlungsfähig“, erklärte er. Von der jeweiligen Situation hänge es aber ab, welches Modell jeweils zum Einsatz komme. Das sei Abwägungssache. „Wir wollen ja nur die Bösen festsetzen. Die Geiseln sollen möglichst unbeschadet davonkommen“, erklärte der Techniker.

Er wies zudem darauf hin, wie wichtig es sei, dass unerfahrene Einsatzkräfte anhand von Attrappen zunächst ausprobieren könnten, wie die scharfe Munition wirke. Minnemann: „Die sichere Handhabung ist unbedingt nötig. Nicht, dass jemand die Granate gegen den Türrahmen wirft und sie zurückkommt. Das ist alles schon passiert.“

In Zahlen

1949 wurden am Standort in Trittau Kalkeier für Hühner, Mottenkugeln und Schuhputzmittel hergestellt.

1957 wurde in der von Hans Moog und Heinrich Nicolaus gegründeten Firma erstmals die Produktion von Kleinfeuerwerk aufgenommen.

Die firmeneigene Marke Nico entstand.

1970 stieg Rheinmetall mit 75 Prozent Beteiligung als Kommandantist mit ein.

2002 übernahm Rheinmetall die Firma Nico komplett. Vor zwei Jahren verschmolz der Bereich Rheinmetall Defence mit dem Bereich Automotive, der sich mit der Entwicklung von Zubehör für Elektrofahrzeuge befasst.

200 Menschen sind am Standort in Trittau beschäftigt. Der Betrieb bildet zwischen elf und 15 junge Leute aus zu Mechatronikern, Chemikanten oder Kaufleuten. Weltweit arbeiten 25 000 Männer und Frauen für die Konzerngruppe Automotive und Defence. Der Jahresumsatz beträgt sechs Milliarden Euro.

Dorothea von Dahlen

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