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Dem Vulkan ganz nah

Hamberge/Addis Abeba Dem Vulkan ganz nah

Ein Filmemacher aus Hamberge drehte in Äthiopien - und fing ganz seltene Bilder aus einem geheimnisvollen Land ein.

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Ein kochender Lava-See: Solche Bilder sind Wolfgang Burst auf dem Vulkan Erta-Ale gelungen.

Hamberge/Addis Abeba. „Bei Fahrten in das direkte Grenzgebiet zu Eritrea und in die Danakilsenke in Nord-Afar können Überfälle durch Banditen und örtliche Untergrundorganisationen sowie Entführungen nicht ausgeschlossen werden“, formuliert das Auswärtige Amt – und rät ab von Reisen in die im Durchschnitt der Jahrestemperatur heißeste Region der Welt.

LN-Bild

Filmemacher aus Hamberge drehte in Äthiopien – Seltene Bilder aus einem geheimnisvollen Land.

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Aber der Hamberger Wolfgang Burst (74) war dort.

Zweimal sogar, weil ihm bei seiner ersten Reise sein Panasonic-Camcorder, „ich habe noch nichts Vergleichbares gefunden“, in eine Lavaspalte gefallen war und verschmorte. Der pensionierte Lehrer vom Lübecker Burckhardt -Gymnasium hat aus seinen Reisen nach Äthiopien einen zweiteiligen Film gemacht, mit noch nie gesehehen Bildern von Land und Leuten, deren „Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft trotz Armut fasziniert“. 2000 Szenen hat der leidenschaftliche Filmer auf 650 gekürzt, geschnitten, kommentiert und mit Musik unterlegt.

„Nach vier Monaten ist mir ein Film gelungen, mit dem ich richtig zufrieden bin“, sagt er selbstbewusst. Ein Freund und vielbeschäftigter Filmjuror aus Hamburg habe dem Streifen schon das Prädikat „fernsehreif“ verliehen.

Doch die zweimal 50 Minuten, die so farbenfroh, lebendig und spannend daherkommen, sind das Ergebnis strapaziöser Reisen. Die zweite gemeinsam mit Ehefrau Inge (75), die sich bei einem Treppeneinsturz eine tiefe Wunde ins Bein riss und nur dank der drei Ärzte, die mit den Bursts unterwegs waren, versorgt werden konnte. „Schon eine Woche später stieg sie mit den anderen hoch zu dem kochenden Lavasee, zum Erta-Ale, „was soviel wie rauchender Berg heißt“. Dorthin, wo ihrem Mann bei der ersten Reise die Kamera in der heißen Lava verschmort war.

Warum die Kamera in die heiße Erdspalte gefallen war, vermag Filmemacher Burst, der bei einer vorangegangenen Abenteuertour bereits seine „schöne Sony“ in den ägyptischen Sahara-Sand gesetzt und damit unbrauchbar gemacht hatte, nicht mehr zu sagen. „Vielleicht habe ich sie nicht richtig vom Stativ geschraubt. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß seither nur, was eine Schockstarre ist.“ Elf Reisetage und vier Stunden voller wertvoller Sequenzen auf einem Chip einfach weg. Mit Hilfe von Wanderstöcken gelang es einem Einheimischen schließlich, die Panasonic aus der Spalte zu bugsieren.

Dieser Verlust war ein Grund, den Trip auf den Vulkan und damit die ganze Reise zu wiederholen. Eine Reise in ein Land, „dessen Schönheit einen erschlägt“.

Eine Reise ans Horn von Afrika, „von dem man sagt, dass es irgendwann vom Festland abdriftet, weil sich darunter die afrikanische und die arabische Platte bis hinunter nach Mocambique aneinander reiben.“ Die Brüchigkeit der Erdkruste ist der Grund für den brodelnden Lavasee, dessen Rand sich Burst und Freunde bis auf etwa zwölf Meter näherten.

Begleitet wurden sie von bewaffneten Guides. So viel Vorsicht musste schon sein. Es kommt dort immer wieder zu Übergriffen. Vor vier Jahren kamen fünf Touristen bei einem Überfall ums Leben. Aber wohlbehalten kehrte das Ehepaar in sein behagliches Hamberger Zuhause zurück.

Als die zweite Reise schon gebucht war, brachte der Filmer „das verklumpte Etwas“ nach Bad Schwartau zu einem Kameraspezialisten. Die Panasonic sah aus, als habe sie in einem Backofen gelegen. „Der hat es tatsächlich geschafft, den deformierten Chip herauszuholen“, berichtet der Filmemacher, immer noch erleichtert. „Herr Burst“, habe der Fachmann für heikle Fälle ein paar Tage später am Telefon gesagt, „sie können Ihren Film abholen.“ Das war der Moment, als das Projekt „Geheimnisvolles Äthiopien“ gerettet war. Es kam die spannende Zeit der Sichtung, des Schneidens mit Magix, einem modernen, nicht-linearen Programm. Bilder und Töne können unabhängig voneinander und auf mehreren Zeitachsen verschoben werden. „Faszinierende Möglichkeiten bieten diese Programme heute“, sagt einer, der schon Bewegtbilder machte, als es nur Schmalfilm gab.

Doch die 350 Arbeitsstunden, die er brauchte, um das Werk zu vollenden, musste der pensionierte Lehrer häufig unterbrechen. Galt es doch plötzlich, in Hamberge die Neuankömmlinge zu betreuen. „Wer, wenn nicht wir gut versorgten Pensionäre, soll das denn sonst übernehmen?“ Die staatliche Hilfe sei gut und begrüßenswert, „aber deren Probleme können nur freiwillige Helfer lösen.“ Und es gibt diese Probleme, auch in Hamberge.

So ist Wolfgang Burst derzeit im so genannten Willkommenskreis von Hamberge häufig damit beschäftigt, seine Schützlinge zum Arzt zu bringen, Medikamente zu besorgen – und ihnen klar zu machen, „dass Frau und Mann inDeutschland gleichberechtigt sind“. Die Helfer müssten die Ankömmlinge zur Anpassung an unsere Kultur regelrecht erziehen, „auch wenn das manchen ihrer kulturellen Traditionen widerspricht“.

Seine Erfahrungen als Lehrer im Iran, seine Filmreisen seien da eine wertvolle Erfahrung: „Dadurch kann ich vieles besser verstehen.“

Hier wird der Film gezeigt

Die ersten Aufführungstermine von „Geheimnisvolles Äthiopien“ sind in der Volkshochschule Reinfeld, Schulzentrum am Bischofsteicher Weg, am Mittwoch, 28. September, von 19.30 bis 21.30 Uhr. (Eintritt sieben, ermäßigt fünf Euro) und in der Oldesloer Volkshochschule im Kultur und Begegnungszentrum, Beer-Yaacov-Weg, am Freitag, 30. September, 19 Uhr. Eintritt: sechs Euro. Im kommenden Frühjahr soll der Film im Kommunale Kino am Eutiner Ring in Bad Schwartau gezeigt werden.

 Uwe Krog

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