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Den letzten Wunsch wagen

Bad Oldesloe Den letzten Wunsch wagen

Der ASB Stormarn verhilft Sterbenskranken am Ende ihres Lebens noch einmal etwas Schönes zu erleben: An Bord des so genannten Wünschewagens.

Christiane Knorr vom ASB-Stormarn absolviert bald eine Schulung und wird auch Fahrten mit dem Wünschewagen begleiten.

Quelle: von Dahlen

Bad Oldesloe. Lange Zeit war es nur die ausgeflippte Idee zweier Sterbenskranker in einem Road-Movie: Noch ein letztes Mal den Schlag der Wellen bei untergehender Sonne genießen. Im Film „Knocking on Heavens Door“ klauen die Protagonisten für die Fahrt ans Meer einen Mercedes und überfallen sogar eine Bank.

LN-Bild

Der ASB Stormarn verhilft Sterbenskranken am Ende ihres Lebens noch einmal etwas Schönes zu erleben.

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Im Jetzt und Hier muss zum Glück niemand zum Verbrecher werden, um am Ende des Lebens noch einmal das Krankenlager zu verlassen und an einen besonderen Ort zu reisen. Mit Hilfe von Spenden ist es dem Arbeiter Samariter Bund Schleswig-Holstein (ASB) gelungen, einen größeren Bus zu kaufen, der für solche Fahrten zur Verfügung steht. Auch Stormarner haben die Chance, an Bord des so genannten Wünschewagens zum persönlichen Lieblingsziel aufzubrechen.

Diesen Service hat im Kreis aber noch niemand in Anspruch genommen, wie Christiane Knorr (32) vom ASB erzählt. Die ehrenamtliche Sanitäterin gehört zum Stormarner Team, das die Sterbenden auf ihrer Fahrt demnächst begleiten wird. Auf der kleinen Hausmesse am Friedhof machte sie jedenfalls die Erfahrung, dass kaum jemand etwas mit dem Begriff „Wünschewagen“ anfangen konnte. „Ich wünsch mir, dass der HSV Meister wird“, bekam sie da zu hören und scherzte zurück, Wunder könne der ASB mit Sicherheit nicht erfüllen. „Das Interesse war aber sehr groß. Viele ließen sich das Konzept erklären und wollten auch gleich spenden, weil sie die Idee so gut fanden“, berichtete Knorr. Viele ältere Besucher hätten auch gleich überlegt, wohin sie denn im Falle des Falles fahren möchten.

Damit auch Menschen mitreisen können, die gesundheitlich instabil sind und somit nicht mehr in der Lage, in einen normalen Pkw zu steigen, ist der Wünschewagen mit den wichtigsten medizinischen Vorrichtungen ausgestattet. Eine Rampe ermöglicht das Hinauffahren des Patienten im Rollstuhl oder gar im Krankenbett. An Bord befinden sich alle wichtigen Instrumente und Geräte für ihre Notfallversorgung und natürlich auch qualifiziertes Fachpersonal, das gleich eingreifen kann, wenn der Passagier schwächelt und medizinische Hilfe braucht. Dennoch, es ist der etwas andere Krankentransportwagen, einer mit Sternenbettwäsche und Seitenfenster, so dass die Mitreisenden etwas sehen von der Außenwelt.

„Die erste Fahrt, die von Schleswig-Holstein aus unternommen wurde, ging von Kiel aus. Der Patient wollte unbedingt in die Autostadt nach Wolfsburg“, erzählt Christiane Knorr. Auch sie will beim Projekt mitwirken, muss dafür aber erst noch eine spezielle Schulung absolvieren. Neben den praktischen Anleitungen gehe es dabei sicherlich auch um psychologische Aspekte. Manche Menschen seien froh, während der Fahrt über ihre Situation zu reden und das Thema Tod anzusprechen, andere blendeten es aus. Letztlich sei es aber immer eine ganz individuelle Situation. Jeder gehe anders damit um.

„Doch wer beschlossen hat, eine Fahrt mit dem Wünschewagen zu unternehmen, hat sicherlich schon seinen Frieden gefunden“, sagt die Sanitäterin.

Ganz allein muss übrigens niemand die letzte „Wunschfahrt“ antreten. Laut Christiane Knorr können ein bis zwei Personen zusätzlich mitreisen. Zuweilen werde ein Patient aber auch von der ganzen Familie oder mehreren Freunden begleitet. Sie folgten dann in einem separaten Fahrzeug, um mit dem Angehörigen am Zielort noch eine gute Zeit zu verbringen.

Passagiere zahlen nichts

Die Krankenkasse bezahlt die Fahrt im Wünschewagen nicht, weil sie medizinisch nicht notwendig ist. Das Projekt wird aber aus Spenden finanziert, so dass Patienten nichts zahlen müssen.

Das Angebot richtet sich an Schwererkrankte jeden Alters.

Der Fahrgast hat die Wahl. Ziel, Musik, das ganze Drumherum, alles wird nach seinen Wünschen ausgerichtet. Ob er lieber im Stillen oder im Kreise von Angehörigen und Freunden reisen will, obliegt ihm ganz allein.

Die Idee stammt aus den Niederlanden und Israel. In Deutschland wurde der Wagen erstmals vom ASB Ruhr eingeführt. Hierzulande ist Ministerpräsident Torsten Albig Schirmherr.

Anmeldungen und Auskünfte beim ASB Schleswig-Holstein gibt es unter der folgenden Rufnummer: 0431/ 706940.

Von Dorothea von Dahlen

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