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Denkmalschutz in Stormarn bewahrt historische Bauten

Bad Oldesloe Denkmalschutz in Stormarn bewahrt historische Bauten

Ein selbst ernannter Meilenstein-Maler machte 2006 von sich reden.

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Das Dach des Hauses in der Jersbeker Allee ist mit Pfannen aus dem ehemaligen Recyklinglager des Kreises gedeckt.

Quelle: Fotos: G. Bock/hfr

Bad Oldesloe. /Jersbek. 2006 bemalte ein enthusiastischer Hobby-Historiker Dutzende denkmalgeschützter Meilensteine aus der „Dänenzeit“ zwischen Hamburg und Lübeck in den Farben Blau und Rot. Er hatte den Denkmalschutz nicht beachtet. Vor 70 Jahren hätte das niemanden gestört: Ein gesetzlicher Schutz der historischen Gebäude und baulichen Anlagen wurde überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Gesetze gegossen. Hierfür waren ausschließlich die Länder zuständig.

LN-Bild

Ein selbst ernannter Meilenstein-Maler machte 2006 von sich reden.

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Denkmalschutz

In Schleswig-Holstein unterscheidet man zwischen den Unteren Denkmalschutzbehörden der Kreise und kreisfreien Städte und den Oberen Denkmalschutzbehörden in Kiel und Schleswig als Landesbehörden.

Das Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein ist die Oberste Denkmalschutzbehörde.

Preußen hatte allerdings mit Ferdinand von Quast schon 1843 einen Landeskonservator und 1893 mit Richard Haupt einen eigenen Provinzialkonservator für Schleswig-Holstein bestellt. 1886 bis 1890 machte er eine landesweite Bestandsaufnahme, sein Augenmerk war allerdings damals fast nur auf Kunst- und Geschichtsdenkmäler in öffentlichem oder kirchlichem Besitz gerichtet. Die in Privatbesitz befindlichen Herrenhäuser fehlten, in Stormarn wurden nur Ahrensburg, Jersbek, Höltenklinken, Nütschau und Tangstedt aufgenommen.

Erst unter seinem Nachfolger entwickelte sich das Landesamt für Denkmalpflege ab 1924 zu einer kleinen Behörde, und nun rückten auch Bauten bürgerlicher und ländlicher Kultur allmählich in das Blickfeld des Landesamtes. 1958 wurde ein eigenes Denkmalschutzgesetz erlassen. Das galt nicht nur als wegweisend, sondern auch als erstes im Bundesgebiet – was freilich nicht ganz stimmt, denn Baden hatte schon 1949 ein eigenes Denkmalschutzgesetz.

Seit 2015 gilt in Schleswig-Holstein ein neues Denkmalschutzgesetz. Es schuf drei Ebenen von Denkmalschutzbehörden: Die oberste ist das Ministerium, obere Denkmalschutzbehörden sind das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel, das Archäologische Landesamt in Schleswig und der Bürgermeister der Stadt Lübeck. Die unteren Denkmalschutzbehörden sind beim Landrat, beziehungsweise den Oberbürgermeistern angesiedelt. 1975 verzeichnete die Kunst- Topographie Schleswig-Holstein für Stormarn gut 70 Kulturdenkmale, die Unterlagen füllten sechs Aktenordner. 30 Jahre später gab es schon über 40 Meter Akten. Denn 1978 kam der Auftrag, zu den bereits bekannten Denkmalen Karteikarten mit Fotos, Kartenausschnitt, einer Beschreibung des Denkmals und Maßen und Zeitstellung anzulegen.

Damals wurden die einzelnen Gemeinden zum Teil systematisch auf weitere Kulturdenkmale abgesucht. Dabei konnte auch der gerade restaurierte Eiskeller in Jersbek aufgrund des erheblichen noch original erhaltenen Baubestands und seiner Einzigartigkeit als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ anerkannt werden, ebenso der Jersbeker Park und die historischen Wirtschaftsgebäude und die Gartenfiguren. Damals wurde auch mit einer Erfassung der historischen Grenzsteine begonnen – eine Denkmalgattung, die bisher ein Nischendasein fristete. So konnten in Stormarn zunächst gut 50 historische Grenzsteine vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert erfasst werden; mittlerweile ist die dreifache Menge in der Denkmalkartei enthalten.

Die verbesserte Situation für Denkmalschutz und Denkmalpflege ist nicht zuletzt eine Folge des „Europäischen Denkmalschutzjahres 1975“, als man auch in Deutschland erkannte, dass nur eine behutsame Restaurierung das architektonische Erbe unserer Vorfahren bewahren konnte. Gleichzeitig standen nun Haushaltsmittel für Zuschüsse an die Eigentümer zur Verfügung, an denen auch die Kommunen partizipierten. Parallel gab es Geld für die Städtebauförderung in enger Zusammenarbeit mit dem Kieler Landesamt für Denkmalpflege, damit die Kulturdenkmale nicht wie einzelne Schmuckstücke in einer ansonsten gesichtslosen Umgebung stehen mussten.

Bad Oldesloe hat von diesen Mitteln besonders profitiert. Einige Jahre hindurch hat Stormarn auch Mittel für die Sanierung von Reetdächern bereitgestellt. Der Versuch, seit 1992 durch ein Altmaterial-Lager des Kreises das Recyceln historischen Baumaterials zu unterstützen, musste allerdings wieder aufgegeben werden. Das Dach des ehemaligen Verwalterhauses in Jersbek ist zum Teil mit Ton-S- Pfannen aus dem Recyclinglager des Kreises gedeckt worden.

Bis 2005 wurden in Stormarn rund 180 Gebäude, Granitbrücken, Kopfsteinpflasterstraßen, Alleen und historische Parkanlagen neu unter Denkmalschutz gestellt, dazu gut 120 Grabhügel, Burgwälle und Motten. Die Zahl der „einfachen Kulturdenkmale“ ist ein Mehrfaches, und auch die erfassten rund 170 historischen Grenzsteine im Kreisgebiet zählen zu den wichtigen Zeugnissen der Vergangenheit – auch die Meilensteine sind jetzt wieder gereinigt. Bis auf einen, der übersehen wurde, und nun bis heute daran erinnert, wie es aussieht, wenn der Denkmalschutz nicht beachtet wird.

Burkhard von Hennigs

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