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Stormarn Der Aufstand der Bürgermeister
Lokales Stormarn Der Aufstand der Bürgermeister
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00:00 01.04.2011
Wer zahlt für die Beförderung der Fahrschüler? In Stormarn wird darüber seit etlichen Jahren gestritten. Fotos: Archiv
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Stormarn

Klein Wesenberg – Die Bürgermeister des Amtes Nordstormarn sind genervt von der neuerlichen Diskussion um eine mögliche Beteiligung der Eltern an den Kosten für die Schülerbeförderung. Der Kreistag hat zwar vor einer Woche noch gar nichts beschlossen und will erstmal einen Arbeitskreis einsetzen, die zwölf Frauen und Männer des Amtes wehren sich jedoch bereits jetzt gegen eine Wiedereinführung der Elternbeteiligung. Im Fokus ist dabei besonders die Kreistagsfraktion der CDU, die sich auf Vorgaben der Landesregierung beruft und den Kreis Stormarn daher unter Druck sieht, eine entsprechende Satzung zu beschließen (die LN berichteten mehrfach).

„Mich ärgert besonders die Ungleichbehandlung von Stadt- und Landkindern“, sagt Herbert David, Bürgermeister von Klein Wesenberg und so etwas wie Nordstormarns Wortführer in dieser Diskussion. Schließlich beschäftigt ihn dieses Thema bereits seit über 40 Jahren. Schon damals sei ihm von Kreis und Land zugesichert worden, dass die Schülerbeförderung für die Eltern kostenfrei bleibe.

„Die Dorfkinder müssen schon genug auf sich nehmen. Und dann sollen sie noch für ihren Transport zur Schule bezahlen!“, so David und verweist auf die beiden jüngsten harten Winter. „Das war katastrophal. Haltestellen wurden nicht mehr angefahren, und hier in Klein Wesenberg standen 30 bis 40 Kinder.“ Und im Sommer würden die Kleinen teilweise wie Milchkannen in überhitzte Busse gestopft.

Sollten die Eltern wieder zur Kasse gebeten werden, müsste sich nach Ansicht von Westeraus Bürgermeisterin Petra Jürß die Beförderungsqualität verbessern. „Die Eltern geben ihr Geld nicht einfach so, fordern dann vielleicht einen Sitzplatz für ihr Kind, wenn sie denn schon bezahlen müssen.“ Außerdem erwartet Jürß, dass der von der CDU avisierte Betrag von zehn Euro pro Kind und Monat irgendwann heraufgesetzt wird. „Was sollen die Eltern in zwei Jahren zahlen? 30 Euro?“, fragt Jürß und bekommt Unterstützung von ihrer Bürgermeister-Kollegin Karin Dettke aus Wesenberg: „Es würde sicher nicht bei den zehn Euro bleiben!“

Dettke stört weiterhin die Ungleichbehandlung von Kindern im Südkreis im Vergleich zu denen in Nordstormarn. „Es wird immer gesagt, dass die Kinder die Fahrkarte ja auch privat nutzen können, am Nachmittag oder auch in den Ferien“, so Dettke. „Aber bei uns fährt der Bus nun mal nur morgens und mittags. Und in den Ferien und an den Wochenenden fährt er gar nicht.“ Auch der Betrag von zehn Euro seien für einige Eltern nicht wenig, zumal wenn sie diesen aus verwaltungstechnischen Gründen bereits zum Schulbeginn für ein ganzes Jahr zahlen sollen. Petra Jürß sieht für den Fall einer Elternbeteiligung ohnehin einen immensen bürokratischen Aufwand auf die Gemeinden zukommen.

„Wir werden das auf jeden Fall nicht akzeptieren und uns wehren“, kündigt Mönkhagens Bürgermeister Klaus Bleiziffer an, sagt aber auch, dass man dem Arbeitskreis als Gesprächspartner zur Verfügung stehe. „Wir waren damals schon in den Fachausschüssen des Kreises, wurden aber nur müde belächelt“, erinnert sich Karin Dettke an so manche Auseinandersetzung vor einigen Jahren, als das Thema schon mal aktuell war, und bleibt skeptisch. Aber vielleicht werden die Nordstormarner ja diesmal erhört.

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