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Stormarn Der Blick in eine dunkle Vergangenheit
Lokales Stormarn Der Blick in eine dunkle Vergangenheit
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18:18 06.05.2016
Die Kreispolitiker besichtigten Arbeiten von Michael Struck, erläutert von Katharina Schlüter (l.) Quelle: Fotos: Albrod

Der Künstler Michael Struck blättert im Familienalbum. Dabei hat er sich die Bilder herausgesucht, die auf schwarze Flecken in der Vergangenheit verweisen, und es ist nicht seine Familie, sondern die des Grafen Schimmelmann. Der hatte in der Kolonialzeit im Rahmen des transatlantischen Dreieckshandels viel Geld mit dem Sklavenhandel gemacht, was nach moralischem Maßstab verurteilenswert ist. Dabei hat Struck nicht außer Acht gelassen, dass es auch in der Gegenwart durchaus Praktiken gibt, die ebenso kritisch gesehen werden sollten. „Zwielicht“

Sklavenhandel und Nazidiktatur: Eine Ausstellung in Ahrensburg zeigt die dunklen Seiten der Geschichte.

„Michael Struck hat Persönlichkeiten heraus- gegriffen, deren Namen mit dem Kolonialismus verbunden sind.“Dr. Katharina Schlüter, Kuratorin

heißt die Ausstellung im Kulturzentrum Marstall in Ahrensburg, die Licht auf die Schattenseite der Geschichte wirft. Vor kurzem ließen sich die Mitglieder des Kreis-Kulturausschusses von Dr.

Katharina Schlüter von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn durch die Ausstellung führen.

„Michael Struck hat seine Motive nach einem alten Foto von 1938 gewählt“, erläutert die Kunsthistorikerin. Das zeigt vier Soldaten mit Pferd vor der Kulisse des Marstalls, und im Marstall steht man ihnen als Betrachter erneut gegenüber. Strucks Technik ist die des Abdrucks: Bei der Monotypie wird das Gemalte mit Büttenpapier bedeckt; wie beim Turiner Grabtuch ist der Abdruck dann das eigentliche Bild. Die Gesichter bleiben verwischt und bieten damit Raum für Vorstellungskraft: Hier können neue Gesichter hingedacht werden. Unter dem Stichwort „Familie“ reihen sich in zweiter Reihe Ölbilder auf Holz aneinander, auch sie in Schwarz und Weiß und Grau wie verwackelte Fotos aus dem Album. „Die Bilder hängen bewusst tief, so dass der Eindruck entsteht, als säßen alle an einer langen Tafel“, erläutert Katharina Schlüter.

In dritter Reihe dominiert das Thema Kolonie mit exotischen Palmen, verwischten Landschaften und weiteren Personen unter der Überschrift „Ufer“, die sich dem klaren Erkennen durch weiche Konturen entziehen. Schwarz-weiße Kleckse und Flecken erinnern an einen Rorschach-Test, der Stimmungen ausdrückt und historische Schlaglichter auf die Vergangenheit wirft. „Bei den Personen hat Struck Persönlichkeiten heraus gegriffen, deren Namen mit dem Kolonialismus verbunden ist“, so Schlüter. Das Thema Schimmelmann stellt dagegen einen Bezug zu Ahrensburgs Geschichte her.

Gezeigt wird die Ausstellung noch bis morgen, 8. Mai, Öffnungszeiten Sonnabend und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Von Bettina Albrod

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