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Der Eisberg, der die „Titanic“ versenkte

Ammersbek Der Eisberg, der die „Titanic“ versenkte

Der Ammersbeker Rolf-Werner Baak verglich historische Fotomotive mit alten Wetterdaten und wurde tatsächlich fündig.

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Der Luxusliner „Titanic“ ging im Jahre 1912 nach der Kollision mit einem Eisberg unter.

Quelle: dpa

Ammersbek. Als die „Titanic“ am 14. April 1912 gegen Mitternacht mit einem Eisberg im Nordatlantik kollidierte und zwei Stunden und 40 Minuten später sank, war das eines der spektakulärsten Schiffsunglücke des 20. Jahrhunderts. Seitdem bemühen sich Forscher in aller Welt, Einzelheiten der Katastrophe zu rekonstruieren. Einer von ihnen ist Rolf-Werner Baak aus Ammersbek, der sich schon als Jugendlicher für die Geschichte des Schiffs interessierte. Ihm ist es sogar gelungen, durch Vergleiche eines historischen Fotos mit alten Wetterdaten, das Motiv mit großer Wahrscheinlichkeit als den Eisberg zu identifizieren, der für den Untergang des Schiffes verantwortlich war.

 

LN-Bild

Dieser Eisberg soll es gewesen sein: Die Fotografie stammt von Stephan Rehorek, damals Passagier an Bord der „Bremen“. Er ließ daraus Postkarten fertigen. Quelle: Sammlung Pfeifer

Quelle:
LN-Bild

Rolf-Werner Baak mit einem Stück Kohle aus der „Titanic“.

Quelle: Fotos: Bettina Albod

„Das Foto hat der Passagier Stephan Rehorek am 20. April 1912 von Bord der ,Bremen‘ aus gemacht“, erklärt Baak. „Die ,Bremen‘ befuhr fünf Tage nach dem Unglück die gleiche Strecke wie die ,Titanic‘.“ Von dem Foto ließ Rehorek in New York Abzüge als Ansichtskarten entwickeln und schickte sie an seine Angehörigen. Im Jahr 2000 wurden sie im Internet angeboten, wo Hennig Pfeifer, Mitglied im Titanic-Verein Schweiz, die Karte kaufte.

Um zu prüfen, ob der abgebildete Eisberg der sein könnte, der die „Titanic“ versenkt hat, recherchierte Baak beim Hamburger Seewetteramt im Archiv in historischen meteorologischen Journalen. „Alle Segel- und Dampfschiffsjournale seit 1840 sind erhalten geblieben. Die Wetterdaten, Strömungsanalysen und die dokumentierten Sichtungen des Eisbergs legen nahe, dass es sich auf dem Foto um den ,Titanic‘-Eisberg handelt“, ist Baak überzeugt.

Demnach habe er mindestens die Masse der „Titanic“ aufgewiesen, was auch den wenigen Augenzeugenberichten entspräche. Andere Zeugen hätten auf die charakteristische Form mit zwei Spitzen hingewiesen, die auf dem Foto dokumentiert sind. Gleichzeitig ist Baak sich sicher, dass das Foto des so genannten „Prinz-Adalbert- Eisberg“, das am 16. April am Unglücksort gemacht wurde, einen anderen Eisberg zeigt als den, mit dem das Schiff kollidiert war, da der Unglückseisberg seine Position längst verändert haben musste.

Baak ist nicht der Einzige, den die Geschichte des Schiffes nicht loslässt. In der Schweiz und in Deutschland gibt es einen „Titanic“-Verein, und Baak ist in beiden Mitglied. „Ich habe in den 90er-Jahren in einem Antiquariat einen Augenzeugenbericht von Lawrence Beesley auf Englisch von 1912 entdeckt“, so Baak. Weil er den Bericht spannend fand, übersetzte er ihn ins Deutsche und bot seine Übertragung Verlagen an. Der Köhler Verlag griff 1995 zu und druckte das Buch, das Baak um Fotos ergänzt hatte.

In den Titanic-Vereinen suchen die Mitglieder immer weitere Puzzleteile zusammen, um die Geschichte des Schiffes zu erzählen. Ihre Entdeckungen stellen sie bei regelmäßigen Treffen vor. „An Bord waren bekannte Persönlichkeiten, deren Biographien Stück für Stück zusammen getragen werden“, gibt Baak ein Beispiel. „Mich interessieren die Auswanderer an Bord. Was haben sie erlebt? Wo wollten sie hin?“ Man wisse von einem Seidenfabrikanten aus der Schweiz mit einer amerikanischen Niederlassung, der mit seiner Familie an Bord war. Oder von einem Pfarrer aus einem bayerischen Kloster, der nach New York wollte und an Bord bis zuletzt seine Seelsorgeraufgaben ausgeübt und den Menschen viel Trost gespendet habe.

Den gut 700 Überlebenden standen über 1500 Opfer gegenüber. „Unter den Geretteten gab es überproportional viel Küchenpersonal“, weiß Baak. „Die haben erklärt, dass sie rudern könnten, damit sie in die Rettungsboote durften.“ Die blieben teilweise leer, weil bürokratisch nach der Regel „Frauen und Kinder zuerst“ vorgegangen wurde. „450 Menschen mehr hätten gerettet werden können, das Unglück hat zu neuen Standards bei der Evakuierung von Schiffen geführt.“

Baak hat das Modell der „Titanic“ nachgebaut und mit Nachtbeleuchtung in einer Vitrine stehen. „Das habe ich gebaut, um ein Gefühl für das Schiff zu bekommen.“ In seinem Besitz ist auch ein Stück Kohle, das nach der Entdeckung des Wracks 1985 vom Meeresgrund geholt wurde. „Die Kohle wurde in Stücke gebrochen und als Souvenir verkauft.“ Bis heute würden Dachbodenfunde auftauchen, die im Zusammenhang mit der „Titanic“ stünden, über die sich noch viel Wissenswertes herausfinden lasse. Einmal im Jahr treffen sich die Forscher vom Deutschen „Titanic“-Verein zur Jahresversammlung, bei der es drei Tage lang um neue Theorien und Erkenntnisse zur „Titanic“ geht.

„Versenkte Träume“

Rolf-Werner Baaks Buch zum Augenzeugenbericht von Lawrence Beesley ist als Book on demand erhältlich, der Ergänzungsband ist nur als Privatdruck zu bekommen (100.titanic@web.de). Im Herbst ist geplant, dass Rolf-Werner Baak in der Ahrensburger Stadtbücherei einen Vortrag mit dem Titel „Versenkte Träume“ hält. Darin spürt er einzelnen Biographien nach und stellt die Frage, ob es Parallelen zur heutigen Migration gibt.

Vom 27. bis zum 29. Mai trifft sich der Deutsche Titanic-Verein von 1997 in Hamburg zur Jahresversammlung.

Von Bettina Albrod

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