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Der Kreis Stormarn ist schuldenfrei

Bad Oldesloe Der Kreis Stormarn ist schuldenfrei

Das frühere Armenhaus des Nordens hat innerhalb von 16 Jahren fast 40 Millionen Euro an Verbindlichkeiten getilgt — Landrat Klaus Plöger lobt die gemeinsamen Anstrengungen von Politik und Verwaltung.

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0,0 Euro Schulden: Heinz Hartmann (l.), Klaus Plöger und Christiane Maas mit dem historischen Datum im Oldesloer Kreishaus.

Quelle: M. Thormählen

Bad Oldesloe. „Die letzte Rate für den letzten Kredit haben wir am Montag bezahlt, damit sind wir jetzt schuldenfrei“, stellte die Kämmerin der Kreisverwaltung, Christiane Maas, fest. „Und damit können wir eine sensationell gute Nachricht verkünden“, meinte Stormarns Landrat Klaus Plöger (SPD). Allerdings: Bis zu diesem denkwürdigen 1. März 2016 sei es ein langer und auch sehr mühsamer Weg gewesen.

Der letzte Gläubiger ist die Commerzbank gewesen, und die hat am 29. Februar noch einmal insgesamt 32900 Euro von einem Kreiskonto abbuchen dürfen, um ein Darlehen abzulösen. Und das sollte, wenn es nach Christiane Maas geht, auch für lange Zeit die letzte Zahlung dieser Art gewesen sein: „Wenn es möglich ist, dann sollten wir auch schuldenfrei bleiben.“ Den Blick in die Zukunft richtete der Landrat, der am 22. April nach seiner 18-jährigen Amtszeit verabschiedet wird, allerdings nicht. Stattdessen zog er gestern ein Fazit: „Dass wir keine Schulden mehr haben, ist auch den gemeinsamen Anstrengungen von Kreistag, Kreisverwaltung und den Kommunen zu verdanken.“

Und Stormarn befinde sich, so die Recherchen der Verwaltung, in einem höchst erlauchten Klub: Zurzeit gebe es in Deutschland nur noch drei weitere Kreise, die ebenfalls keine Kredite bedienen müssen und die ausschließlich in Nordrhein-Westfalen liegen. 2012 habe Stormarn angesichts seines damaligen noch vorhandenen Schuldenbergs sich bei diesem bundesweiten Ranking mit Platz 25 begnügen müssen.

„Im Vergleich mit den anderen drei schuldenfreien Kreisen haben wir auch die niedrigste Kreisumlage“, stellte Klaus Plöger fest. Diese Umlage müssen alle kreisangehörigen Städte und Gemeinden auf ihre eigenen Steuereinnahmen und Zuschüsse als Abgabe an die Kreiskasse überweisen.

„Wir können glücklich sein, dass wir schuldenfrei sind. Und ich denke, das wird auch so bleiben“, stellte der stellvertretende Kreispräsident Heinz Hartmann (SPD) fest. Damit gehe es auch den Kommunen gut, und „wir sind auch weiterhin in der Lage, wichtige Investitionen zu finanzieren“.

Der Landrat skizzierte den langen Weg bis zur aktuellen Situation „die mich kurz vor dem Ende meiner Amtszeit strahlen lässt“: 1990 hätte den Kreis seine Schuldenlast von 39,5 Millionen Euro (damals fast 79 Millionen Mark) zu einem Armenhaus gemacht. Es habe zu jener Zeit in Stormarn die höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Schleswig-Holstein gegeben. Klaus Plöger konnte kein Patentrezept nennen, mit dem die gewaltigen Entschuldung realisiert worden sei. Immerhin seien wichtige Entscheidungen getroffen, um sich von Ballast zu entledigen. Er nannte in diesem Zusammenhang das ehemalige Kreiskrankenhaus in Bad Oldesloe oder die Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld.

Im Laufe der vergangenen Jahre, so der Landrat, habe sich auch bei Kreistagsabgeordneten und Verwaltungsmitarbeitern die Praxis durchgesetzt, jede Ausgabe auf den Prüfstand zu stellen. Klaus Plöger nannte als aktuelles Beispiel das Aufstellen von Containern, um die Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) an den Berufsschulen zu unterrichten: „Das ist mit Augenmaß geschehen. Wir hätten mehr ausgeben können, aber niemand kann heute wissen, ob es später diese Klassen noch geben wird.“

Bauvorhaben könnten noch einmal Projekte werden, für die sich der Kreis sich doch wieder verschulden müsste — das sehen jeweils Heinz Hartmann und Christiane Maas so: „Für Sozialleistungen sollten keine Kredite notwendig sein — vielleicht für wichtige Bauprojekte als Investitionen.“

Zehn Millionen Euro jährlich für Kommunen

2005 lag die Kreisumlage in Stormarn noch bei 36,5 Prozent und damit um 2,3 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Doch seitdem wurde es besser. Zurzeit müssen Städte und Gemeinden noch 34,5 Prozent als Abgaben auf ihre eigenen Einnahmen an den Kreis überwiesen. „Wir liegen damit 1,3 Prozentpunkte unter dem aktuellen Durchschnittswert in Schleswig-Holstein“, stellte Landrat Klaus Plöger fest.

2016 ist die Umlage angesichts der guten finanziellen Situation des Kreises verringert worden. Plöger: „Ingesamt sind damit bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr zusätzlich bei den Städten und Gemeinden geblieben.“

Michael Thormählen

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