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Stormarn Der Kreis feiert 60 Jahre Patenschaft mit Kolberg-Körlin
Lokales Stormarn Der Kreis feiert 60 Jahre Patenschaft mit Kolberg-Körlin
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23:31 22.09.2016
Das Wandbild des Patenkreises, das im Kreishaus hängt, stammt von Maler Ulrich Olaf Deimel.
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Bad Oldesloe

Sie ist in die Jahre gekommen, wird aber noch gelebt: die Patenschaft zwischen dem Kreis Stormarn und dem Kreis Kolberg-Körlin in Polen. Vor 60 Jahren unterzeichneten die Kreispolitiker den Patenschaftsvertrag, er sollte zur Annäherung zwischen den neuen Bewohnern und den Heimatvertriebenen führen, die in Stormarn eine neues Zuhause gefunden hatten. Heute wird Kreispräsident Hans-Werner Harmuth während der Kreistagssitzung an die Patenschaft erinnern, eine Ausstellung im Foyer präsentiert Karten, Schriften und Bücher aus den vergangenen Jahrzehnten.

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Heute wird im Kreistag an die Freundschaft erinnert. Sie hat viele Menschen in Polen und hier bewegt.

„Den Landstrich gibt es noch, aber die Kultur ist natürlich eine andere.“„Kirsten Pittelkow

„Das Bemühen um freundschaftliche Beziehungen zwischen den ehemaligen und heutigen Bewohnern der Gebiete in Polen prägte seit mehr als einem halben Jahrhundert die Arbeit dieser Patenschaft“, erklärt Harmuth. „In dieser Zeit sind viele Kontakte zur polnischen Bevölkerung und den dortigen Verwaltungen entstanden und verfestigt worden.“

Einer, der das durch eigene Erfahrungen bestätigen kann ist Ingo Pittelkow, ehemaliger Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Der 76-Jährige wurde in dem Kreis geboren, der seit Kriegsende zu Polen gehört.

„Bei der Flucht war ich fünf Jahre alt, ich habe nur verschwommene Erinnerungen an Kolberg“, erklärt Pittelkow. Mit seiner Familie wurde er in Bad Oldesloe ansässig, begann beim Kreis zu arbeiten und kam über diesen Weg dazu, sich um die Umsetzung der Patenschaft zu kümmern. 30 Jahre war er damals jung. Er erinnert sich an Patenschaftstreffen bei denen 1000 Menschen waren, heute ist es ein Kreis von vielleicht 200 Heimatvertriebenen, die sich noch mit ihrer Heimat, mit ihren Wurzeln und der Vergangenheit auseinandersetzen. Und doch ist diese Auseinandersetzung, dieses Suchen nach den Wurzeln kein Auslaufmodell.

Pittelkows Tochter Kirsten hat schon Land und Leute kennengelernt – aus dem Kreis, aus der Stadt, die Geburtsstadt ihres Vaters ist. Die zweite und dritte Generation hat sich auf den Weg gemacht, herauszufinden, wo die Vorfahren herkommen.

„Den Landstrich gibt es noch, aber die Kultur ist natürlich eine andere“, erzählt sie. Es ist die Kultur der Polen, die sich dort niedergelassen haben. Wie ihr Vater auch berichtet Kirsten Pittelkow, dass es immer offene Türen gegeben habe. „Ich bin immer mit offenen Armen empfangen worden. Ich konnte alle Stätten sehen, an denen die Familie gewohnt hat.“ Das greifbare der Patenschaft seien die Kontakte vor Ort. Aber auch die Archive, die es mittlerweile gebe. „Das Interesse an den Dokumenten ist hoch“, weiß auch Landrat Dr. Henning Görtz. Von beiden Seiten, denn viele würden wissen wollen, welche Familien wo gelebt habe.

Görtz schlägt aber auch eine Bogen ins Heute: Schleswig-Holsteins Bevölkerung sei nach dem Krieg durch die Flüchtlinge fast um das Doppelte gewachsen. „Heute sprechen wir von einem Flüchtlingsanteil von einem Prozent der Bevölkerung und das wird als fast nicht lösbare Aufgabe angesehen. Es ist sehr erdend, wenn man sieht, was damals geleistet wurde.“

 K. Kuhlmann-Schultz

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